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Der falsche DHL-Fahrer im Chat

Ein Paketzusteller schreibt dir nicht über einen Messenger. Er hat deine Nummer nicht, und er verhandelt keine Gebühren. Die Nachricht vom Fahrer, der angeblich vor der Tür steht und noch eine Zahlung braucht, ist die Fortsetzung desselben Chats — meist geschrieben von der Person, die zuvor gekauft hat.

Der Wechsel des Kanals ist das eigentliche Signal

Bis zu diesem Punkt lief alles im Portal. Dann kommt die Bitte, doch besser über einen Messenger weiterzuschreiben, weil das schneller gehe oder weil die Anzeige gleich gelöscht werde. Kurz darauf meldet sich eine dritte Nummer: der Fahrer, die Zustellbasis, der Kundenservice. Der Wechsel hat einen einzigen Zweck. Im Portal lassen sich Nachrichten melden, Profile sperren und Verläufe später auslesen; in einem privaten Chat ist beides weg, und die Rolle kann frei erfunden werden. Deshalb ist der Kanalwechsel selbst schon die Information, unabhängig davon, was danach kommt. Wer im Portal kauft, kann im Portal schreiben. Für die Übergabe reicht eine Uhrzeit und eine Adresse, für den Versand reicht die Sendungsnummer. Beides braucht keinen zweiten Dienst.

Wie die Rolle aufgebaut wird

Das Profilbild zeigt ein Logo, der Name lautet nach Zustellzentrum, die Nachrichten kommen in gebrochenem Behördendeutsch mit vielen Substantiven. Oft folgt eine Sprachnachricht, weil eine Stimme glaubwürdiger wirkt als Text, und im Hintergrund läuft Verkehrslärm. Genannt werden dein Vorname, deine Straße und eine Sendungsnummer — alles Angaben, die entweder aus dem vorherigen Chat stammen oder frei erfunden sind und die du nicht überprüfst, weil sie stimmen könnten. Dann kommt der Anlass: eine Kaution für sperrige Ware, eine Nachzahlung wegen Übergewicht, eine Zollgebühr, eine Wartezeitpauschale. Die Beträge liegen meist zwischen 35 und 120 Euro, also unterhalb der Schwelle, ab der man erst einmal telefoniert. Bezahlt werden soll sofort, per Überweisung, Guthabenkarte oder Echtzeitzahlung.

Alles, was für einen Verkauf nötig ist, passt in die Anzeige und in den Portal-Chat — wer so inseriert, hat keinen Grund, den Kanal zu wechseln. Anzeige aufgeben

Was ein Zusteller wirklich kann und was nicht

Ein Zusteller nimmt genau einen Betrag entgegen, nämlich die Nachnahme, und zwar bei der Übergabe an der Tür, gegen Quittung, in bar oder per Karte. Er überweist nichts, er lässt sich nichts überweisen, und er verhandelt nicht über die Höhe. Zusatzentgelte für Sperrgut oder Übergewicht rechnet der Dienstleister mit seinem Vertragspartner ab, also mit dem Absender, per Rechnung. Auch Zollabgaben laufen nicht über ein Privatkonto, sondern über den Zoll oder den Zustelldienst als Vertreter, quittiert bei der Zustellung. Und niemand ruft dich an, um dir zu erklären, dass die Auslieferung an einer Gebühr scheitert, die du in den nächsten zehn Minuten überweisen musst. Wo die Rolle das erste Mal etwas tut, was sie nicht tun kann, endet das Gespräch.

Antwort, Absicherung und Meldung

Die Antwort ist kurz: Du zahlst nichts außerhalb der Zustellung, und wenn eine Gebühr offen ist, soll man dir die Sendungsnummer nennen, damit du es direkt beim Dienstleister klärst. Danach rufst du die Sendungsverfolgung selbst auf, über die Adresse, die du eintippst, nicht über einen zugeschickten Link. Existiert die Nummer nicht, ist die Sache erledigt. Ist bereits Geld geflossen, meldest du dich sofort bei deiner Bank und fragst nach einem Recall, dann erstattest du Anzeige — der Versuch des Betrugs ist nach § 263 Absatz 2 StGB strafbar, eine Anzeige ist also auch dann möglich, wenn du nichts gezahlt hast. Sichere vorher den Verlauf samt Telefonnummer. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ist keine Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Kann DHL mich über WhatsApp kontaktieren?

Für die Zustellung nicht. Benachrichtigungen laufen über die App des Dienstleisters, über E-Mail oder über eine Karte im Briefkasten, und sie fordern kein Geld an. Eine Nachricht von einer unbekannten Handynummer, die sich als Fahrer ausgibt und eine Zahlung verlangt, ist in keinem Fall echt.

Der Fahrer will 45 Euro Kaution — ist das normal?

Nein, eine Kaution für die Zustellung gibt es nicht. Auch für sperrige Sendungen, Ablieferung in den ersten Stock oder Wartezeit zahlt der Empfänger nichts an den Fahrer. Zusatzentgelte rechnet der Dienstleister mit dem Absender ab. Wer eine Kaution verlangt, erfindet ein Produkt.

Ich habe schon gezahlt — was jetzt?

Sofort die Bank anrufen und einen Recall beantragen, bei Echtzeitüberweisungen innerhalb von Minuten, sonst ist das Geld abgehoben. Danach Anzeige erstatten und den Chat mit Rufnummer sichern. Bei Guthabenkarten den Anbieter informieren und den Kaufbeleg aufbewahren, auch wenn die Aussichten dort gering sind.

Warum kennt er meinen Namen und die Sendungsnummer?

Weil du beides vorher selbst genannt hast, meist im Chat mit dem Käufer. Genau deshalb ist der Kanalwechsel Teil der Masche: Er sammelt zuerst Details, die später als Echtheitsbeweis dienen. Eine korrekte Angabe belegt keine Identität, sie belegt nur, dass jemand mitgelesen hat.

Keine Handynummer nötig, um etwas zu verkaufen

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Nur E-Mail nötig · Kein Abo · Keine Zahlungsdaten

Weiterführend

Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.