Die Spedition, die vorab bezahlt werden soll
Wenn ein Käufer aus dem Ausland eine Spedition schicken will und du die Fracht vorstrecken sollst, gibt es diese Spedition nicht. Fracht zahlt, wer sie beauftragt, und sie wird nach § 420 HGB bei Ablieferung fällig. Kein Transportunternehmen lässt sich von einer unbeteiligten Privatperson vorab überweisen.
Das Muster: großes Möbelstück, Käufer weit weg
Betroffen sind fast immer Dinge, die man nicht in einen Karton bekommt: Sofas, Klaviere, Werkstattmaschinen, Motorräder, Wohnwagen. Der Interessent meldet sich mit sehr höflichem, leicht schiefem Deutsch, kauft ohne Besichtigung und ohne zu verhandeln und erwähnt beiläufig einen Auslandsaufenthalt, ein Bauprojekt oder eine Arbeit auf See. Er könne nicht selbst kommen, aber ein Speditionspartner hole ab. Kurz darauf schreibt dieser Partner: Transport, Versicherung und Verzollung kosten einen vierstelligen Betrag, den du bitte vorstreckst; der Käufer habe die Summe bereits angewiesen, und du bekommst sie zusammen mit dem Kaufpreis. Beigefügt sind Firmenlogo, Auftragsnummer und ein PDF, das aussieht wie ein Frachtbrief. Die Kombination aus hohem Kaufpreis und schnellem Ja ist der Köder.
Was im Frachtrecht steht
Ein Frachtvertrag kommt zwischen Absender und Frachtführer zustande. Nach § 420 Absatz 1 HGB ist die Fracht bei Ablieferung des Gutes zu zahlen, zusammen mit den Aufwendungen, die der Frachtführer für erforderlich halten durfte. Es gibt also keinen Vorgang, in dem ein Dritter, der weder Absender noch Empfänger ist, Wochen vorher Geld an ein Privatkonto überweist. Beauftragt der Käufer eine Spedition, zahlt der Käufer sie — direkt, per Rechnung, an eine Firmenkontoverbindung, oft erst nach der Zustellung. Dass du als Verkäufer die Fracht auslegst, ist nicht nur unüblich, es ist im gesamten Ablauf nicht vorgesehen. Wer dir das Gegenteil erklärt, beschreibt kein Transportgeschäft, sondern eine Vorkasse unter anderem Namen. Das ist die übliche Rechtslage im Frachtgeschäft und keine Rechtsberatung für deinen konkreten Vertrag.
Bei großen Stücken bringt eine Anzeige mit klarer Abholregelung mehr echte Interessenten als eine, die Versand offenlässt. Anzeige aufgeben
Die gefälschte Spediteurs-Mail prüfen
Wenn du es genau wissen willst, prüfe drei Dinge, in dieser Reihenfolge. Erstens das Impressum der angegebenen Website: Ein echtes Transportunternehmen nennt Rechtsform, Sitz, Registergericht und Handelsregisternummer. Diese Nummer kannst du im Unternehmensregister kostenlos nachschlagen. Zweitens die Domain der Mailadresse — nicht den angezeigten Namen, sondern das, was hinter dem Klammeraffen steht, und ob die Website unter derselben Domain läuft. Drittens die Bankverbindung: Der Kontoinhaber muss die Firma sein. Lautet er auf eine Privatperson oder liegt die IBAN in einem Land, das mit der Geschichte nichts zu tun hat, ist der Fall entschieden. Meist scheitert es schon am ersten Punkt, weil die Website vor drei Wochen registriert wurde und kein Impressum hat.
Wenn der Käufer echt ist: so rettest du das Geschäft
Fernkäufe großer Stücke kommen vor, und sie funktionieren, wenn die Richtung stimmt. Der Käufer beauftragt die Spedition selbst und schickt dir die Auftragsbestätigung mit Abholfenster. Der Kaufpreis liegt vollständig auf deinem Konto, bevor jemand auf den Hof fährt — nicht als Screenshot, sondern als Gutschrift, die du in deiner Banking-App siehst. Die Fracht taucht in deiner Abrechnung überhaupt nicht auf. Bei der Abholung notierst du Firmenname, Kennzeichen und Name des Fahrers und lässt dir den Abholschein unterschreiben. Wer sich darauf nicht einlässt, wollte nie abholen. Und wenn der Aufwand zu groß wird: Ein Klavier verkauft sich auch regional, dann fällt die ganze Frage weg. Lass dir vor der Abholung außerdem die Auftragsnummer der Spedition geben, damit du sie im Zweifel bei der Firma selbst erfragen kannst.
Häufige Fragen
Kann ein Käufer wirklich eine Spedition schicken?
Ja, das ist bei Möbeln, Maschinen und Fahrzeugen ganz normal. Der Unterschied liegt darin, wer zahlt und wann: Der Käufer beauftragt und bezahlt die Spedition, du bekommst den Kaufpreis vorher aufs Konto und übergibst gegen Abholschein. Sobald du Geld für den Transport auslegen sollst, kippt der Vorgang.
Er will mir das Geld für die Fracht vorher überweisen — reicht das?
Nur wenn es tatsächlich gutgeschrieben ist und aus einer Quelle stammt, die nicht zurückgeholt werden kann. Zahlungsbestätigungen per Mail oder Screenshot sind wertlos. Häufig kommt die Summe als Lastschrift oder aus einem fremden Konto und wird Wochen später zurückgebucht, während deine Überweisung längst weg ist.
Wie prüfe ich eine Spedition?
Handelsregisternummer aus dem Impressum im Unternehmensregister nachschlagen, Mail-Domain mit der Website abgleichen, Kontoinhaber mit dem Firmennamen vergleichen. Ruf außerdem die im Impressum genannte Festnetznummer an, nicht die aus der Signatur. Fehlt das Impressum, brauchst du die anderen Schritte nicht mehr.
Lohnt sich Möbelversand überhaupt?
Selten. Eine Spedition für ein Sofa kostet innerhalb Deutschlands schnell mehr als das Sofa. Deshalb ist regionale Abholung bei großen Stücken der Normalfall, und deshalb ist ein Fernkäufer, der Transportkosten überhaupt nicht diskutiert, ein Grund für einen zweiten Blick auf das Profil.