Zum Inhalt springen
Anzeige aufgeben

Die Gutscheinkarten-Masche

Wer als Bezahlung Amazon-, Apple- oder Google-Play-Karten vorschlägt, will kein Geld überweisen, sondern einen Code, den niemand zurückholen kann. Gutscheinkarten sind Guthaben für einen bestimmten Shop, kein Zahlungsmittel. Sobald du den Code abfotografierst und verschickst, ist der Betrag ausgegeben — auch wenn die Karte noch bei dir liegt.

Die Begründungen, die dazu geliefert werden

Niemand sagt geradeheraus, er wolle in Gutscheinkarten bezahlen. Es kommt immer über einen Umweg. Das Konto sei gerade gesperrt, deshalb schicke man Guthaben, das sofort nutzbar sei. Für die Freischaltung der Auszahlung brauche das System eine Sicherheitsleistung, die man als Spieleguthaben hinterlegen könne. Der Spediteur nehme nur Prepaid, weil er keine Firmenkasse habe. Bei Vermietungen taucht die Variante als Kaution auf, bei Tierverkäufen als Reservierung, bei Ticketverkäufen als Gebühr für die Umschreibung. Gemeinsam ist allen, dass sie eine ganz normale Zahlung durch etwas ersetzen, das aussieht wie Geld und sich verhält wie Bargeld in einem Umschlag. Und gemeinsam ist ihnen, dass die Rückzahlung für später versprochen wird, oft mit Aufschlag für die Umstände.

Warum es hier keine Rückbuchung gibt

Bei einer Kartenzahlung oder Überweisung ist eine Bank beteiligt, es gibt einen Zahlungsvorgang im Sinne des Zahlungsdiensterechts und damit Regeln zur Erstattung. Ein Shop-Gutschein ist kein Zahlungsdienst: Der Code steht für Guthaben in genau einem Laden, und wer ihn einlöst, kauft dort ein. Die Erstattungspflicht aus § 675u BGB, die bei nicht autorisierten Zahlungen greift, gilt für ihn nicht. Es gibt keinen Recall, keinen Chargeback und keine Widerspruchsfrist. Der Anbieter kann eine Karte in seltenen Fällen sperren, wenn sie noch nicht eingelöst wurde — deshalb zählt jede Minute, wenn der Code schon draußen ist. Meist ist er innerhalb weniger Minuten verbraucht, oft in einem anderen Land. Das ist die übliche Rechtslage und keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Wenn in der Anzeige steht, dass bar bei Abholung oder per Überweisung gezahlt wird, erübrigen sich kreative Vorschläge — das lässt sich beim Inserieren festlegen. Anzeige aufgeben

Die Variante mit dem Anruf

Dieselbe Masche läuft auch ohne Anzeige. Es ruft jemand an, der sich als Support eines großen Anbieters, als Behörde oder als Verwandter in Not ausgibt, und bittet darum, im Supermarkt Guthabenkarten zu kaufen und die Codes am Telefon vorzulesen. Der Anrufer bleibt dabei in der Leitung, damit an der Kasse niemand nachfragt und damit die betroffene Person nicht mit jemandem sprechen kann, der den Ablauf kennt. Viele Ketten haben deshalb Hinweise am Regal und schulen ihr Kassenpersonal darauf, bei hohen Beträgen nachzufragen. Wenn du im Laden gefragt wirst, wofür du drei Karten zu je 100 Euro brauchst, ist das keine Neugier, sondern der Punkt, an dem die Sache normalerweise auffliegt. Ein kurzes Gespräch dort ist billiger als jede Rückbuchung.

Wenn der Code schon draußen ist

Sofort den Anbieter der Karte kontaktieren, Kaufbeleg und Kartennummer bereithalten und fragen, ob das Guthaben noch offen ist. Nur in diesem Fenster ist eine Sperrung überhaupt denkbar. Parallel Screenshots vom Chat, vom Profil und vom Kassenbon sichern und Anzeige erstatten — der Kassenbon nennt Uhrzeit und Filiale und ist für die Ermittlung brauchbarer als der Chat. Erwarte kein Geld zurück, aber melde trotzdem: Die Codes werden häufig gebündelt weiterverkauft, und über die Einlösungszeitpunkte laufen Ermittlungen. Und stell dir eine einfache Frage für das nächste Mal: Warum sollte jemand, der dir Geld schuldet, es in Guthaben für einen Onlineshop umwandeln, den ihr beide nicht braucht? Wichtig ist dabei auch, den Kaufbeleg nicht wegzuwerfen: Ohne ihn kann der Anbieter die Karte nicht zuordnen.

Häufige Fragen

Kann der Anbieter einen eingelösten Code sperren?

Nach dem Einlösen praktisch nicht. Ist das Guthaben noch offen, kann eine Sperre im Einzelfall gelingen, deshalb zählt Geschwindigkeit. Halte Kaufbeleg, Kartennummer und Uhrzeit bereit und ruf direkt beim Kartenanbieter an, nicht bei dem Laden, in dem du die Karte gekauft hast.

Ist es strafbar, so eine Karte anzunehmen?

Eine Gutscheinkarte anzunehmen ist für sich genommen nicht strafbar. Problematisch wird es, wenn das Guthaben erkennbar aus einer Straftat stammt. Unabhängig davon bleibt das praktische Risiko: Der Code kann bereits leer sein, wenn du ihn einlöst, und ein Nachweis darüber ist kaum zu führen.

Der Käufer will nur eine Anzahlung als Code — geht das?

Nein, das ist dieselbe Masche in klein. Eine Anzahlung erfüllt ihren Zweck nur, wenn sie auf deinem Konto liegt und dort bleibt. Ein Code ist keine Anzahlung, sondern eine Wette darauf, dass das Guthaben noch da ist. Vereinbare stattdessen eine Überweisung oder Barzahlung bei Abholung.

Wo melde ich das?

Beim Portal, damit das Profil verschwindet, und bei der Polizei, online über die Internetwache deines Bundeslandes oder auf jeder Wache. Nimm Chatverlauf, Profilname, Anzeigennummer, Kassenbon und Kartennummer mit. Informiere zusätzlich den Kartenanbieter, damit der Einlösungszeitpunkt dokumentiert wird. Eine Meldung kostet nichts und dauert online etwa zehn Minuten.

Verkaufen und dabei echtes Geld bekommen

Anzeige erstellen

Wir finanzieren uns über Werbung, nicht über deine Verkäufe

Weiterführend

Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.