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Abgezogen worden – die ersten drei Schritte

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge: Zahlungswege sperren, Beweise sichern, Anzeige erstatten. Das Sperren zuerst, weil dort noch etwas zu retten ist. Das Sichern als zweites, weil Profile und Chats innerhalb von Stunden verschwinden. Die Anzeige danach, sie hat als einzige Zeit — aber nicht unbegrenzt.

Schritt eins: alles sperren, was noch Geld bewegen kann

Ruf deine Bank an, nicht die Filiale zu Öffnungszeiten, sondern die Notfallnummer. Über den Sperr-Notruf 116 116 erreichst du rund um die Uhr die Sperrung von Karten und Onlinebanking-Zugängen, kostenlos aus dem deutschen Netz. Lass Karte und Zugang sperren und frag ausdrücklich nach zwei Dingen: ob eine Überweisung noch aufgehalten werden kann und ob ein Nachforschungsauftrag sinnvoll ist. Hast du Daten auf einer gefälschten Seite eingegeben, ändere danach deine Passwörter — zuerst das der Mailadresse, weil darüber alle anderen Konten zurückgesetzt werden können. Hast du eine Guthabenkarte gekauft, ruf den Kartenherausgeber an. Hast du per PayPal gezahlt, eröffne dort einen Fall. Erst wenn nichts mehr fließen kann, machst du weiter. Details stehen unter [Bank informieren nach einem Betrugsfall](/loesungen/bank-informieren-nach-betrug).

Schritt zwei: sichern, bevor es gelöscht wird

Betrugsprofile verschwinden schnell, oft innerhalb eines Tages, und mit ihnen der Chatverlauf. Mach Screenshots von allem: der kompletten Anzeige samt Preis und Beschreibung, dem Profil mit Nutzername und Anmeldedatum, dem gesamten Nachrichtenverlauf ohne Lücken, allen Zahlungsdetails mit IBAN, Empfängername und Verwendungszweck, sämtlichen Mails inklusive der vollständigen Kopfzeilen. Notiere zusätzlich in einer Datei, was wann passiert ist, mit Uhrzeit. Diese Chronologie ist bei der Anzeige mehr wert als jede Erinnerung. Fotografiere den Bildschirm nicht ab, sondern nutze die Screenshot-Funktion — abfotografierte Displays sind bei Behörden oft schlecht lesbar. Speichere alles doppelt, einmal auf dem Gerät und einmal in einer Cloud oder per Mail an dich selbst. Wie du dabei vorgehst, steht bei der [Beweissicherung mit Screenshots](/recht/beweissicherung-screenshots).

Wenn du wieder verkaufen willst, mach es diesmal an einem Ort, an dem deine Kontaktdaten gar nicht erst sichtbar werden — [stell deine Anzeige mit verborgenen Kontaktdaten ein](/anzeige/neu?thema=kontaktschutz). Anzeige aufgeben

Schritt drei: Anzeige erstatten, und zwar rechtzeitig

Die Anzeige kannst du bei jeder Polizeidienststelle, bei der Staatsanwaltschaft oder online über die Internetwache deines Bundeslands erstatten. Sie kostet nichts. Wichtig ist der Zeitfaktor: Betrug wird zwar grundsätzlich von Amts wegen verfolgt, bei geringwertigen Sachen verlangt § 263 Absatz 4 in Verbindung mit § 248a StGB aber einen Strafantrag — und dessen Frist beträgt nach § 77b Absatz 1 StGB drei Monate ab dem Tag, an dem du von Tat und Täter erfahren hast. Stell den Antrag deshalb gleich mit, das ist ein Satz im Formular. Rechne nicht damit, dass die Ermittlungen dein Geld zurückbringen; sie sind trotzdem sinnvoll, weil Konten, Nummern und Profile in anderen Verfahren wieder auftauchen. Wie der Ablauf im Detail aussieht, steht unter [Betrug bei der Polizei anzeigen](/loesungen/betrug-anzeigen-polizei). Das ist eine Beschreibung der üblichen Rechtslage, keine Rechtsberatung.

Was du in den ersten Tagen nicht tun solltest

Schreib dem Betrüger nicht hinterher. Jede weitere Nachricht bestätigt nur, dass die Nummer aktiv ist, und liefert Ansatzpunkte für einen zweiten Versuch. Besonders verbreitet ist die Nachbetreuung: Wochen später meldet sich jemand als Anwalt, Ermittler oder Rückholdienst und verspricht, das Geld gegen eine Vorauszahlung zurückzuholen. Das ist dieselbe Masche in der zweiten Runde. Zahl auch keine „Gebühr“, um angeblich blockierte Beträge freizugeben. Gib keine weiteren Daten heraus, auch nicht an angebliche Bankmitarbeiter, die von sich aus anrufen — eine Bank fragt nie nach Codes. Und verhandle nicht öffentlich in Bewertungen oder neuen Anzeigen. Der Rest der Wege steht in den [Lösungen](/loesungen), zur Rückholung siehe [Geld zurückholen nach einem Betrug](/loesungen/geld-zurueckholen-nach-betrug) und zum Codeabgriff [Der abgefragte Zwei-Faktor-Code](/sicherheit/zwei-faktor-code-masche).

Häufige Fragen

Was mache ich zuerst, wenn ich betrogen wurde?

Sperren. Ruf deine Bank an oder nutze den Sperr-Notruf 116 116 und lass Karte und Onlinebanking-Zugang sperren. Frag, ob eine Überweisung noch aufgehalten werden kann. Erst danach kümmerst du dich um Screenshots und die Anzeige. In der ersten Stunde entscheidet sich, ob überhaupt noch etwas zu retten ist.

Wie lange habe ich Zeit für die Anzeige?

Bei geringwertigen Sachen läuft eine Frist von drei Monaten ab dem Zeitpunkt, an dem du von Tat und Täter erfahren hast, weil dort ein Strafantrag nötig ist. Warte trotzdem nicht: Je früher du anzeigst, desto eher lassen sich Konten und Profile noch zuordnen. Stell den Strafantrag direkt im Formular mit.

Bringt eine Anzeige überhaupt etwas?

Dein Geld bringt sie selten zurück, aber sie ist trotzdem sinnvoll. Konten, Rufnummern und Profile tauchen in mehreren Verfahren auf, und erst die Summe der Anzeigen macht Zusammenhänge sichtbar. Außerdem brauchst du das Aktenzeichen für Bank, Versicherung und Plattform, wenn du dort etwas geltend machen willst.

Jemand bietet mir an, das Geld gegen Gebühr zurückzuholen — seriös?

Nein. Diese Nachbetreuung ist eine eigene Masche und trifft besonders oft Menschen, die schon einmal Opfer waren. Kein seriöser Dienst verlangt eine Vorauszahlung dafür, blockierte Beträge freizugeben. Melde den Kontakt und ergänze ihn in deiner Anzeige, er gehört zum selben Vorgang.

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Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.