Geld zurückholen nach einem Betrug
Ruf zuerst deine Bank an und verlange einen Rückruf der Überweisung. Gelingt der nicht, bleiben drei Wege: der Auskunftsanspruch gegen die Bank, der Käuferschutz des Zahlungsdienstes und die zivilrechtliche Forderung gegen den Empfänger. Welcher trägt, hängt allein davon ab, wie du gezahlt hast.
Der Rückruf und was er wirklich ist
Der sogenannte Überweisungsrückruf ist kein Recht, sondern eine Bitte. Deine Bank fragt bei der Empfängerbank an, ob der Betrag zurückgegeben wird; entscheiden muss das der Empfänger. Trotzdem lohnt der Anruf sofort, denn solange der Betrag noch nicht gutgeschrieben oder noch nicht abgehoben wurde, gibt es eine reale Chance. Bei einer Echtzeitüberweisung ist dieses Fenster praktisch geschlossen, bei einer Standardüberweisung am späten Abend oder am Freitag manchmal überraschend groß. Frag deine Bank ausdrücklich nach dem Nachforschungsauftrag und lass dir schriftlich geben, was veranlasst wurde. Was das Verfahren genau ist, erklärt der Eintrag [Nachforschungsauftrag](/glossar/nachforschungsauftrag). Manche Banken verlangen dafür ein Entgelt; das ist zulässig, weil es sich um eine Zusatzleistung handelt, und es liegt meist im niedrigen zweistelligen Bereich.
Der Anspruch, den kaum jemand nutzt
Wenn der Rückruf scheitert, endet für die meisten die Sache — zu Unrecht. Nach § 675y Absatz 5 BGB kann der Zahler von seinem Zahlungsdienstleister verlangen, dass dieser sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um die Wiedererlangung des Zahlungsbetrags bemüht; scheitert das, muss der Zahlungsdienstleister dem Zahler auf schriftlichen Antrag alle verfügbaren Informationen mitteilen, damit dieser den Betrag geltend machen kann. Praktisch heißt das: Du kannst Name und Anschrift des Kontoinhabers erfahren, an den du überwiesen hast. Genau daran scheitern sonst alle zivilrechtlichen Schritte. Stell den Antrag schriftlich, nenne Datum, Betrag, IBAN und das Aktenzeichen der Strafanzeige. Mit dieser Auskunft ist ein Mahnbescheid möglich. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung.
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Was der Zahlungsweg über deine Chancen sagt
Die Aussichten hängen fast vollständig davon ab, wie du gezahlt hast. Bei PayPal mit der Zahlungsart für Waren und Dienstleistungen eröffnest du innerhalb der geltenden Frist einen Fall und hast reelle Aussichten. Bei einer Kreditkartenzahlung an einen Händler ist ein Rückbelastungsverfahren über deine Bank möglich. Bei einer SEPA-Lastschrift, die von deinem Konto abging, kannst du der Belastung widersprechen. Bei einer Überweisung, die du selbst freigegeben hast, hilft nur der Rückruf und danach der Auskunftsanspruch. Bei Guthabenkarten, Bargeldtransfer und Kryptowährung ist praktisch nichts zu holen — deshalb bestehen Betrüger auf genau diesen Wegen, wie bei der [Zahlung per Gutscheinkarte](/loesungen/gutscheinkarten-als-zahlung) beschrieben. Prüfe außerdem, ob deine Rechtsschutzversicherung einen Internetbaustein enthält. Notiere dir für jeden Weg die Frist, denn sie laufen unabhängig voneinander und die kürzeste entscheidet.
Der zivilrechtliche Weg, wenn du einen Namen hast
Mit Name und Anschrift des Empfängers wird aus einem Betrugsfall ein Forderungsfall. Der günstigste Einstieg ist das gerichtliche Mahnverfahren; die Gerichtsgebühr liegt bei einer 0,5-Gebühr und damit bei mindestens 38 Euro. Ob sich das lohnt, hängt an einer nüchternen Frage: Ist bei dieser Person etwas zu holen? Bei Konten, die auf gestohlene Identitäten laufen, lautet die Antwort nein. Bei sogenannten Finanzagenten — Menschen, die ihr Konto zur Verfügung gestellt haben und oft selbst greifbar sind — kann sie ja lauten. Kläre vorher, ob deine Versicherung die Kosten trägt. Und stell die Strafanzeige unabhängig davon, weil die Ermittlungsakte später Grundlage deiner Forderung sein kann; wie das geht, steht unter [Betrug bei der Polizei anzeigen](/loesungen/betrug-anzeigen-polizei). Zur Kontosicherung siehe [Bankdaten auf einer falschen Seite eingegeben](/loesungen/bankdaten-eingegeben). Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Kann meine Bank eine Überweisung zurückholen?
Sie kann es versuchen. Der Rückruf ist eine Anfrage an die Empfängerbank, die Rückgabe entscheidet der Empfänger. Ruf sofort an, denn nur solange das Geld nicht abgehoben ist, besteht eine Chance. Bei einer Echtzeitüberweisung ist das Zeitfenster fast immer schon geschlossen, bevor du den Fehler bemerkst.
Wie bekomme ich heraus, wem das Empfängerkonto gehört?
Über einen schriftlichen Antrag bei deiner Bank. Scheitert die Wiedererlangung, muss sie dir die verfügbaren Informationen über den Empfänger mitteilen, damit du deine Forderung geltend machen kannst. Nenne im Antrag Datum, Betrag, IBAN und das Aktenzeichen deiner Strafanzeige und setze eine Frist von zwei Wochen.
Zahlt meine Versicherung den Schaden?
Manchmal. Einige Hausrat- und Rechtsschutztarife enthalten einen Baustein für Internetkriminalität, der Vermögensschäden aus Onlinekäufen oder wenigstens die Rechtsverfolgung abdeckt. Sieh in deiner Police unter Cyberschutz oder Internetschutz nach und melde den Fall innerhalb der dort genannten Frist mit dem Aktenzeichen deiner Strafanzeige.
Lohnt sich eine Klage bei 300 Euro?
Nur wenn du Name und Anschrift hast und die Person greifbar ist. Der Mahnbescheid kostet ab 38 Euro Gerichtsgebühr und ist der günstigste Einstieg. Bei Konten auf gestohlene Identitäten ist der Weg aussichtslos. Kläre vorher, ob eine Rechtsschutzversicherung die Kosten übernimmt.