Ein WG-Zimmer finden
Ein WG-Zimmer bekommst du nicht über das höchste Gebot, sondern über die passendste Vorstellung. Die WG sucht einen Mitbewohner, keinen Mieter — deshalb entscheidet der erste Absatz deiner Nachricht mehr als dein Einkommen. Schreib, wann du arbeitest, wie oft du kochst und wie du dir das Zusammenleben vorstellst.
Deine Nachricht muss die Frage beantworten, die keiner stellt
Die unausgesprochene Frage lautet: Wie ist es, mit dir eine Küche zu teilen? Darauf antwortet kein Lebenslauf. Antworte mit Alltag. Also nicht „Ich bin 24, studiere BWL im fünften Semester und suche ein Zimmer“, sondern „Ich bin 24, arbeite dienstags bis donnerstags in der Bibliothek bis abends, koche gern und meistens für mehr Leute als nötig, und ich bin am Wochenende oft bei meiner Familie in Osnabrück.“ Der zweite Text ist konkret genug, dass sich jemand ein Bild machen kann. Nenne außerdem, was du selbst suchst — eine Zweck-WG oder eine, in der gemeinsam gegessen wird. Das klingt nach einem Filter gegen dich, ist aber einer für dich: Eine WG, die etwas anderes will, hätte dich ohnehin nach vier Wochen nicht mehr gewollt.
Zwischenmiete, Untermiete, eigener Vertrag — was du unterschreibst
Es gibt drei Konstellationen, und sie unterscheiden sich mehr, als der Alltag vermuten lässt. In der ersten hast du einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter über dein Zimmer. In der zweiten stehen alle Bewohner gemeinsam im Hauptmietvertrag, dann haftet ihr gemeinsam für die ganze Miete. In der dritten bist du Untermieter eines Hauptmieters und hast mit dem Eigentümer nichts zu tun — endet dessen Hauptmietvertrag, endet dein Wohnen mit. Für die Untermiete braucht der Hauptmieter die Erlaubnis des Vermieters. Nach § 553 BGB kann er sie verlangen, wenn nach Vertragsschluss ein berechtigtes Interesse an der Überlassung eines Teils der Wohnung entstanden ist. Frag also im Gespräch, welche der drei Varianten gemeint ist, und lass dir sagen, ob die Erlaubnis vorliegt. Hier steht der Regelfall des Mietrechts, keine Rechtsberatung zu deiner Untermiete.
Wenn du auf zehn Anfragen keine Antwort bekommst, dreh die Richtung um und stell ein eigenes Zimmergesuch ein, in dem genau die Alltagsdetails stehen, die WGs lesen wollen. Anzeige aufgeben
Woran du eine erfundene WG erkennst
Erfundene Zimmer haben ein Muster: sehr niedrige Miete, sehr gute Lage, sehr freundliche Antwort — und dann eine Begründung, warum eine Besichtigung nicht geht. Häufig ist es ein Auslandsaufenthalt, ein Praktikum in einer anderen Stadt oder ein Mitbewohner, der angeblich gerade im Krankenhaus liegt. Danach folgt die Bitte um Kaution oder erste Miete, oft über einen angeblichen Treuhandservice, manchmal per Gutscheincode. Zwei Prüfungen kosten dich fünf Minuten. Erstens: Bitte um ein Videotelefonat, in dem die Person durch die Wohnung geht und dabei den Balkon oder das Straßenschild zeigt. Zweitens: Lad die Fotos in eine umgekehrte Bildersuche. Wenn dieselbe Küche in vier Städten steht, ist die Sache klar. Zahl nichts, bevor du im Zimmer gestanden hast und den Vertrag in der Hand hältst.
Beim Einzug: was ins Protokoll gehört
Auch unter Mitbewohnern lohnt sich Schriftliches, gerade weil man sich gerade gut versteht. Ins Übergabeprotokoll gehören: Datum, Zählerstände von Strom und Warmwasser, Zahl der übergebenen Schlüssel, vorhandene Schäden mit Foto, und was in Küche und Bad zur Gemeinschaft gehört. Dazu die Punkte, über die später wirklich gestritten wird: Wie hoch ist die Kaution und wer verwahrt sie? Wann wird sie zurückgezahlt? Wie ist die Kündigungsfrist innerhalb der WG? Wer zahlt Rundfunkbeitrag, Internet und Putzmittel? Ein einseitiges Blatt reicht, unterschrieben von beiden Seiten, ein Foto davon aufs Handy. Halte darin auch fest, ab wann du zahlst und ob die erste Miete anteilig berechnet wird. Wenn eine WG das ablehnt, weil man „das doch unter Freunden nicht braucht“, dann weißt du, wie der Auszug ablaufen wird.
Häufige Fragen
Braucht die WG die Erlaubnis des Vermieters für mich?
Wenn du als Untermieter einziehst, ja. Der Hauptmieter muss den Vermieter fragen, bevor er dir ein Zimmer überlässt. Bei einem berechtigten Interesse, das nach Vertragsschluss entstanden ist, hat er einen Anspruch auf die Erlaubnis. Lass dir bestätigen, dass sie vorliegt — ohne sie ist dein Wohnen angreifbar.
Wie viel Kaution darf eine WG von mir verlangen?
Üblich ist eine Kaution in Höhe von ein bis drei Kaltmieten für dein Zimmer. Wichtig ist weniger die Höhe als die Frage, wer das Geld verwahrt und wann du es zurückbekommst. Lass dir eine Quittung geben, in der Betrag, Datum und Rückzahlungsbedingung stehen, und zahl nicht in bar ohne Beleg.
Was ist der Unterschied zwischen Zwischenmiete und Untermiete?
Zwischenmiete ist zeitlich befristet: Du übernimmst ein Zimmer, während der eigentliche Bewohner weg ist, und ziehst zum vereinbarten Datum wieder aus. Untermiete ist unbefristet möglich, endet aber automatisch, wenn der Hauptmietvertrag endet. In beiden Fällen hast du keinen eigenen Vertrag mit dem Eigentümer.
Muss ich zu einem WG-Casting?
Bei begehrten Zimmern lädt die WG oft mehrere Leute gleichzeitig ein. Das ist unangenehm, aber kein schlechtes Zeichen — es zeigt, dass die Wohnung existiert und dass Menschen darin leben. Nutz den Termin, um selbst zu fragen: Wie wird geputzt, wie wird abgerechnet, wie oft ist Besuch da.