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Musikinstrumente versenden

Saiten entspannen, Hals im Koffer abstützen, Kopfplatte rundum polstern. Eine Gitarre übersteht den Versand, wenn sie sich im Koffer nicht bewegen kann und der Koffer selbst noch einmal in einem Karton steckt. Bläser und Streicher reisen nur im eigenen Etui — und bei altem Palisander lohnt ein Blick ins Artenschutzrecht.

Die Kopfplatte bricht, nicht der Korpus

Bei Gitarren sitzt fast jeder Transportschaden am Übergang vom Hals zur Kopfplatte. Dort ist das Holz am dünnsten, dort wirkt der längste Hebel, und dort trifft der Schlag auf, wenn der Koffer aufrecht auf das Ende fällt. Zwei Maßnahmen verhindern das. Erstens: Saiten um etwa eine Quinte herunterstimmen, damit die Zugspannung sinkt, aber der Hals nicht völlig entlastet wird — komplett lösen ist bei Stahlsaiten nicht besser, weil sich der Halsstab dann in die Gegenrichtung arbeitet. Zweitens: den Raum zwischen Kopfplatte und Kofferwand mit einem zusammengerollten Handtuch oder Schaumstoff ausfüllen, sodass der Hals im Koffer keinen Millimeter Spiel hat. Zusätzlich ein Polster unter den Halsansatz. Erst dann kommt der Koffer in einen Karton, mit Füllung an allen sechs Seiten.

Ohne Koffer oder Etui kein Versand

Ein Instrument in einer Stofftasche und einem Karton ist keine Verpackung, sondern eine Wette. Gigbags haben keine Formstabilität, und der Karton nimmt die Form des Instruments an, sobald etwas darauf steht. Hast du keinen Koffer, gibt es drei Wege: einen gebrauchten Koffer besorgen und ihn im Preis berücksichtigen, das Instrument nur zur Abholung anbieten, oder ein Transportgehäuse aus mehreren Lagen Hartschaum und doppelter Wellpappe bauen — das kostet Zeit und sieht selten gut aus. Bei Blechbläsern gilt dasselbe für das Originaletui: Ventile und Züge sind so exakt gearbeitet, dass eine Delle im Rohr sie unbrauchbar macht. Streichinstrumente reisen mit gelöstem Bogen, gelockerten Saiten und einem Stück Schaumstoff zwischen Steg und Griffbrett, damit der Steg nicht umkippt.

Saitenlage, Bundzustand und Baujahr hast du beim Prüfen gerade notiert — [schreib sie direkt in eine Anzeige](/anzeige/neu?kategorie=musikinstrumente&thema=versand), das erspart dir zehn Nachfragen. Anzeige aufgeben

Kälte, Wärme und Luftfeuchte

Holz arbeitet, und der Versand ist die härteste Klimaprüfung, die ein Instrument je erlebt: draußen minus fünf Grad, im Verteilzentrum zwanzig, beim Käufer eine trockene Heizungswohnung. Deckenrisse an Akustikgitarren entstehen fast immer durch diesen Wechsel, nicht durch einen Sturz. Zwei Dinge helfen. Erstens ein Hinweis an den Käufer: Koffer nach der Ankunft mehrere Stunden geschlossen liegen lassen, damit sich das Instrument langsam an die Raumtemperatur anpasst. Schreib diesen Satz in die Anzeige, dann steht er später auch im Chat. Zweitens ein Befeuchter im Koffer bei Reisen im Winter. Vermeide außerdem Sendungen kurz vor Feiertagen, wenn Pakete tagelang stehen. Ein Instrument, das im Januar drei Tage in einem Zwischenlager verbringt, kommt anders an als eines, das über Nacht unterwegs war.

Palisander, Elfenbein, Schildpatt: der Artenschutz-Check

Bei alten Instrumenten steckt manchmal ein Material im Griffbrett, im Boden oder in den Einlagen, das dem Artenschutzrecht unterliegt. Der bekannteste Fall ist Rio-Palisander, botanisch Dalbergia nigra: Er steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens, und für einen Verkauf innerhalb der EU ist eine behördliche Bescheinigung nötig. Betroffen sind vor allem Gitarren aus der Zeit vor den Achtzigern und hochwertige Bögen. Ähnliches gilt für Elfenbein an Sattel, Stegeinlage oder Klaviertasten und für echtes Schildpatt. Wenn du unsicher bist, welche Hölzer verbaut sind, schreib genau das in die Anzeige, statt eine Angabe zu erfinden: „Griffbrett dunkles Tropenholz, Art nicht dokumentiert“ ist korrekt, „Indischer Palisander“ ohne Beleg nicht. Das ist eine Darstellung der allgemeinen Rechtslage, keine Beratung zu deinem Instrument.

Häufige Fragen

Muss ich die Saiten vor dem Versand ganz lösen?

Nein, herunterstimmen genügt. Etwa eine Quinte tiefer nimmt Spannung vom Hals, ohne den Halsstab in die Gegenrichtung arbeiten zu lassen. Komplett entspannte Stahlsaiten sind bei langen Transporten eher ungünstig. Bei Nylonsaiten ist es unkritischer, aber auch dort reicht ein deutliches Absenken der Spannung.

Kann ich eine Gitarre im Gigbag verschicken?

Besser nicht. Eine weiche Tasche hat keine Formstabilität, und der Umkarton gibt nach, sobald ein anderes Paket darauf liegt. Entweder ein Koffer im Karton, ein selbst gebautes Hartschaumgehäuse oder Abholung. Wer das Risiko trotzdem eingeht, sollte den möglichen Schaden dem Preis gegenüberstellen.

Wie versichere ich ein teures Instrument?

Mit ausdrücklicher Wertangabe beim Einliefern, nicht mit dem Standardschutz. Liegt der Wert über der üblichen Deckung, brauchst du die höhere Stufe — und die lässt sich nachträglich nicht mehr buchen. Fotografiere Seriennummer, Korpus und Hals vorher, sonst ist der Zustand vor dem Versand nicht belegbar.

Was schreibe ich zum Zustand einer gebrauchten Gitarre?

Halsspannung, Saitenlage in Millimetern, Bundzustand, Risse oder Reparaturen und ob die Elektronik kratzt. Diese fünf Punkte fragen Käufer sonst einzeln nach. Fotos vom Halsansatz, von der Kopfplatte und schräg über die Decke zeigen mehr als jede Formulierung wie „sehr guter Zustand“.

Gestimmt, gepolstert, beschrieben — jetzt fehlt der passende Käufer

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Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.