Der illegale Welpenhandel als Masche
Beim illegalen Welpenhandel ist der Hund echt und trotzdem alles falsch: zu jung, ohne gültigen Tollwutschutz, aus einer Vermehrerstation im Ausland. Aus einem anderen EU-Staat darf ein Hund frühestens mit 15 Wochen einreisen. Wer dir einen acht Wochen alten Welpen „mit allen Papieren“ anbietet, kann diese Papiere nicht haben.
Die Rechnung mit dem Alter geht nicht auf
Für die Einreise aus einem EU-Mitgliedstaat braucht ein Hund einen Mikrochip, einen EU-Heimtierausweis und eine gültige Tollwutimpfung. Impfen darf man frühestens im Alter von zwölf Wochen, und danach müssen 21 Tage vergehen, bis der Schutz als gültig gilt. Rechne beides zusammen: Vor 15 Wochen ist eine legale Einreise nicht möglich. Angeboten werden aber überwiegend Welpen von acht bis zehn Wochen, weil kleine Hunde sich besser verkaufen. Beides zugleich geht nicht. Entweder ist der Hund älter, als behauptet wird — dann stimmt der Impfpass nicht mit dem Tier überein. Oder er ist wirklich so jung — dann ist er illegal eingereist und der Impfeintrag gefälscht. Unabhängig davon dürfen Welpen nach der Tierschutz-Hundeverordnung nicht vor Vollendung der achten Lebenswoche von der Mutter getrennt werden.
Übergabe auf dem Parkplatz ist die Masche, nicht der Zufall
„Wir bringen ihn Ihnen gerne, das ist kein Problem.“ Dieser Satz klingt nach Service und ist das Kernstück. Denn was du dabei nicht siehst, ist der Ort, an dem der Hund aufgewachsen ist, und vor allem nicht das Muttertier. Seriöse Abgaben laufen umgekehrt: Du kommst mindestens zweimal hin, siehst den Wurf, siehst die Hündin mit den Welpen zusammen, und der Züchter fragt dich mehr aus, als du ihn. Autobahnraststätte, Supermarktparkplatz, „meine Schwester wohnt zufällig in deiner Nähe“ oder eine Wohnung, in der außer dem Welpen und einer Decke nichts auf einen Hund hindeutet — das sind die Varianten derselben Sache. Und wenn plötzlich zwei verschiedene Welpen zur Auswahl im Auto liegen, ist es kein Privatverkauf mehr.
Wenn du selbst einen Wurf abgibst, gehören Alter, Chipnummer und Termin der Mutterhündin-Besichtigung in die Anzeige und nicht erst in den Chat. Anzeige aufgeben
Was der günstige Welpe wirklich kostet
Welpen aus solchen Transporten kommen oft krank an: Parvovirose, Giardien, Räude, Rachitis. Die Krankheiten brechen typischerweise in den ersten Tagen nach der Übergabe aus, wenn der Verkäufer nicht mehr erreichbar ist. Tierarztkosten erreichen dabei schnell vierstellige Beträge, und ein Teil der Tiere überlebt trotz Behandlung nicht. Dazu kommt das rechtliche Risiko: Stellt das Veterinäramt fest, dass ein Hund ohne gültigen Tollwutschutz eingereist ist, kann es eine Quarantäne auf deine Kosten anordnen oder das Tier beschlagnahmen. Der niedrige Kaufpreis ist deshalb kein Sparen, sondern eine Verlagerung: Was der Vermehrer an Aufzucht, Impfungen und Tierarzt spart, zahlst du hinterher — plus das, was du bereits an ihn überwiesen hast. Rechne deshalb nicht mit dem Kaufpreis, sondern mit der Summe aus Kaufpreis, Behandlung und dem Risiko, das Tier trotzdem zu verlieren.
Melden statt retten
Der verständlichste Impuls ist der schädlichste: Den Welpen kaufen, um ihn zu retten. Jeder gekaufte Hund finanziert den nächsten Transport, und der nächste Wurf steht meist schon bereit. Wenn du auf ein solches Angebot stößt, melde es der Plattform und dem Veterinäramt des Landkreises, in dem die Übergabe stattfinden soll — dort liegt die Zuständigkeit, nicht bei der Polizei. Notiere Anzeigentext, Fotos, Telefonnummer, Treffpunkt und Kennzeichen, falls du es gesehen hast. Hast du bereits gekauft, geh sofort zum Tierarzt und lass Alter und Chipnummer überprüfen; die Altersschätzung anhand des Gebisses ist der Punkt, an dem gefälschte Papiere auffliegen. Bewahre außerdem alles auf, was du bekommen hast: Impfpass, Kaufvertrag, Chatverlauf und Kontodaten. Diese Angaben schildern die übliche Rechtslage und sind keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Wie alt muss ein Welpe bei der Übergabe mindestens sein?
Aus dem Inland frühestens nach Vollendung der achten Lebenswoche, weil er vorher nicht von der Mutter getrennt werden darf. Kommt der Hund aus einem anderen EU-Staat, sind es mindestens 15 Wochen, weil vorher kein gültiger Tollwutschutz bestehen kann. Ein jüngeres Tier mit Auslandspapieren passt nicht zusammen.
Woran erkenne ich einen gefälschten Impfpass?
An Widersprüchen: Impfdatum vor der zwölften Lebenswoche, Chipnummer ohne passenden Eintrag, fehlender Stempel oder ein Tierarzt, den es unter der angegebenen Adresse nicht gibt. Prüfe die Chipnummer beim Tierarzt und vergleiche das geschätzte Alter mit dem eingetragenen. Bei zwei Abweichungen stimmt der Pass nicht.
Was mache ich, wenn ich schon gekauft habe?
Zuerst zum Tierarzt, unabhängig davon, wie fit der Hund wirkt. Lass Alter, Chip und Impfstatus dokumentieren — das ist später dein Beweis. Danach meldest du den Fall beim Veterinäramt und beim Verkäufer schriftlich. Ein kranker Hund, dessen Zustand verschwiegen wurde, begründet Ansprüche gegen den Verkäufer.
Darf ich den Welpen behalten, wenn das Veterinäramt eingeschaltet wird?
Das entscheidet die Behörde nach dem Einzelfall. Fehlt der Tollwutschutz, kommen Nachimpfung mit Wartezeit, eine kostenpflichtige Quarantäne oder in seltenen Fällen die Beschlagnahme in Betracht. Wer den Fall selbst meldet, hat erfahrungsgemäß die besseren Karten als jemand, bei dem es später auffällt.