Der Vermieter, der gerade im Ausland ist
Der Vermieter im Ausland ist keine Biografie, sondern ein Baustein: Weil er nicht da ist, kann er die Wohnung nicht zeigen, deshalb soll ein Treuhänder das Geld halten und der Schlüssel per Post kommen. Diesen Ablauf gibt es im deutschen Mietrecht nicht. Ohne Besichtigung und ohne unterschriebenen Vertrag fließt kein Euro.
Der Ablauf, den er vorschlägt, existiert nicht
Es gibt keinen Treuhanddienst eines Immobilienportals, eines Paketdienstes oder einer Buchungsplattform, der Mietkautionen verwahrt und danach Schlüssel verschickt. Die Mails, die das behaupten, sind nachgebaut: gleiches Logo, ähnliche Absenderadresse, ein Link, der auf eine fremde Domain führt. Klapp die Absenderadresse aus und lies sie vollständig — dort steht oft eine Freemail-Adresse oder eine Domain, in der der Markenname nur ein Wortbestandteil ist. Zweiter Prüfpunkt: Kein echter Anbieter fordert dich auf, zuerst zu überweisen und den Beleg als Foto zu schicken. Und keiner verlangt Zahlung über Bargeldtransfer oder Gutscheincodes. Wenn dir jemand erklärt, sein Treuhänder zahle das Geld zurück, falls dir die Wohnung nicht gefällt, beschreibt er ein Sicherheitsversprechen, das niemand einlösen wird.
Warum die Geschichte immer im Ausland spielt
Die Auslandserzählung erledigt gleich drei Probleme des Täters auf einmal. Sie erklärt, warum es keine Besichtigung gibt. Sie erklärt, warum die Kommunikation nur schriftlich läuft und das Deutsch holprig klingt. Und sie erzeugt Eile, weil er angeblich nur ein kurzes Zeitfenster hat, bevor er wieder unterwegs ist. Meist kommen ein paar Details dazu, die Nähe herstellen sollen: ein Job bei einer Hilfsorganisation, eine Tochter, die in deiner Stadt studiert hat, die Bitte, die Wohnung „gut zu behandeln“. Das ist kein Zufall und keine Schrulligkeit, sondern eine Vorlage, die in vielen Fällen fast wortgleich auftaucht. Wenn du zwei Anzeigen mit derselben Lebensgeschichte findest, hast du deine Antwort schon. Kopiere zwei, drei auffällige Sätze in eine Suchmaschine — oft steht dieselbe Geschichte längst in einem Warnforum.
Wer selbst untervermieten will, kann von Anfang an klarstellen, wann besichtigt wird und dass der Vertrag vor jeder Zahlung steht. Anzeige aufgeben
Ein Mietvertrag über mehr als ein Jahr braucht Schriftform
Nach § 550 BGB muss ein Mietvertrag, der für länger als ein Jahr geschlossen wird, schriftlich abgeschlossen werden; geschieht das nicht, gilt er als auf unbestimmte Zeit geschlossen. Für dich ist daran vor allem eines wichtig: Ein seriöses Mietverhältnis hat ein Dokument, das beide Seiten unterschreiben, und es entsteht nicht durch eine Chatzusage und eine Überweisung. Verlange den vollständigen Vertragsentwurf, bevor irgendetwas passiert, und lies, wer als Vermieter benannt ist. Gleicht dieser Name nicht mit dem Kontoinhaber überein, auf dessen Konto du zahlen sollst, brichst du ab — das ist der häufigste sichtbare Bruch in solchen Fällen. Prüfen lässt sich außerdem, wem das Haus gehört: Ein berechtigtes Interesse vorausgesetzt, gibt das Grundbuchamt Auskunft.
Prüfen, was sich prüfen lässt
Drei Prüfungen kosten dich zusammen eine halbe Stunde. Erstens: die Adresse in einem Kartendienst ansehen und mit den Fotos vergleichen. Zweitens: jemanden vor Ort bitten, an der Tür zu klingeln und mit einem Nachbarn zu sprechen — Nachbarn wissen, ob eine Wohnung leer steht und wem sie gehört. Drittens: ein Telefonat verlangen. Betrüger vermeiden Sprache, weil sie unkontrollierbar ist; ein Gespräch, in dem du nach Baujahr, Heizungsart und Hausverwaltung fragst, endet oft mit einer Ausrede. Und wenn du bereits gezahlt hast: sofort zur Bank, dann Anzeige, dann Meldung an das Portal, und den kompletten Schriftwechsel mit Kopfzeilen sichern. Wichtig ist die Reihenfolge: erst prüfen, dann schreiben, und erst ganz zuletzt über Geld sprechen. Hier steht, wie die Rechtslage üblicherweise aussieht; eine Rechtsberatung ersetzt das nicht.
Häufige Fragen
Kann ein Vermieter mir wirklich den Schlüssel per Post schicken?
Das kommt in seriösen Mietverhältnissen praktisch nicht vor, und im Betrugsfall nie. Der Schlüsselversand ist der Teil der Geschichte, der die fehlende Besichtigung ersetzen soll. Solange niemand die Wohnung von innen gezeigt hat, gibt es keinen Grund, Geld zu überweisen — auch nicht auf ein angebliches Treuhandkonto.
Was ist ein seriöses Treuhandkonto bei einer Wohnung?
Bei privater Wohnungsvermietung gibt es keines. Die Kaution wird nach dem Vertragsschluss direkt an den Vermieter gezahlt, der sie getrennt von seinem Vermögen anlegen muss. Jedes im Chat angebotene Treuhandmodell mit angeblicher Rückgabegarantie ist eine Erfindung, egal welches Logo darüber steht.
Darf ich verlangen, die Wohnung vor der Zahlung zu sehen?
Ja, und du solltest es ohne Umschweife tun. Formuliere es als Bedingung, nicht als Bitte: erst Besichtigung, dann Vertrag, dann Zahlung. Wer daraufhin das Interesse verliert, wollte keinen Mieter. Bist du zu weit weg, schick eine Vertrauensperson mit dem Auftrag, Fotos aus jedem Raum zu machen.
Wie prüfe ich, ob es die Wohnung überhaupt gibt?
Vergleiche das Außenfoto mit der Straßenansicht in einem Kartendienst und achte auf Balkone, Fensteraufteilung und Hauseingang. Prüfe die Innenfotos mit einer Bilder-Rückwärtssuche auf frühere Exposés. Und frag nach Baujahr, Stockwerk und Hausverwaltung — echte Vermieter beantworten das in einem Satz.