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Fake-Inserate für gefragte Ware

Ein Fake-Inserat verkauft etwas, das es nicht gibt: Konsole, iPhone, Grafikkarte, deutlich unter Marktpreis, sofort verfügbar, Versand am selben Tag. Erkennbar ist es fast nie am Text, sondern an der geforderten Zahlungsart — PayPal an Freunde, Überweisung, Gutscheincode. Der Preis ist der Köder, der Zahlweg die eigentliche Falle.

Der Preis ist kein Fehler, er ist die Auswahl

Ein Betrüger will nicht möglichst viele Anfragen, sondern die richtigen: Leute, die zugreifen, bevor sie nachdenken. Ein Preis knapp unter Markt bringt zwanzig kritische Nachfragen. Ein Preis, der ein Drittel dessen beträgt, was zwanzig andere Anzeigen für dasselbe Modell verlangen, bringt fünf Leute, die sofort „ich nehme es“ schreiben — und genau die sind das Ziel. Deshalb ist der auffällig niedrige Preis kein Anfängerfehler, sondern Teil der Methode. Prüf ihn, indem du dieselbe Modellbezeichnung in die Suche eingibst und dir die Spanne der letzten zwanzig Anzeigen ansiehst. Liegt dein Fund weit darunter, brauchst du dafür eine Erklärung, die zum Zustand passt: Displaybruch, fehlendes Zubehör, Kontosperre. Fehlt die Erklärung und stimmt der Zustand angeblich trotzdem, ist der Preis die Anzeige.

Frag nach etwas, das nur der Besitzer wissen kann

Betrüger arbeiten mit fremden Fotos, meist aus Onlineshops oder aus älteren echten Anzeigen. Was sie nicht liefern können, ist ein neues Bild auf Zuruf. Bitte um ein Foto des Geräts neben einem handgeschriebenen Zettel mit dem heutigen Datum und deinem Nutzernamen. Bitte zusätzlich um ein kurzes Video, in dem das Gerät eingeschaltet und der Startbildschirm sichtbar ist. Bei Konsolen und Telefonen kannst du nach der Seriennummer fragen und prüfen, ob das Modell überhaupt zur genannten Speichergröße passt. Wer echte Ware hat, braucht dafür drei Minuten. Wer keine hat, liefert Ausreden: Akku leer, Gerät schon verpackt, Kamera kaputt, „ich habe doch Bilder eingestellt“. Drei Ausreden in Folge sind eine Antwort. Formuliere die Bitte sachlich, dann wirkt sie wie ein normaler Schritt und nicht wie ein Verhör.

Als Verkäufer ersparst du dir diesen ganzen Verdacht, wenn du eigene Fotos mit Datum in deine Anzeige stellst statt Herstellerbilder. Anzeige aufgeben

PayPal an Freunde ist kein Käuferschutz

Der PayPal-Käuferschutz gilt ausschließlich für Zahlungen, die als „Waren und Dienstleistungen“ gesendet wurden. Wählst du „Freunde und Familie“, verzichtest du auf ihn vollständig — und genau darum wird gebeten, meist mit dem Argument, sonst falle eine Gebühr an. Die Gebühr ist real, aber sie ist der Preis der Absicherung, nicht ein Trick des Verkäufers. Biete an, sie zu übernehmen. Lehnt jemand das ab, obwohl er dadurch keinen Cent verliert, geht es ihm nicht um Geld, sondern um den fehlenden Schutz. Dasselbe gilt für angebliche Zahlungslinks per Chat: Ein echter PayPal-Vorgang startet in deiner PayPal-App, nicht über einen Link, den dir jemand schickt. Und für den Empfang von Geld gibst du nie eine TAN ein.

Was passiert, wenn du trotzdem gezahlt hast

Hast du als „Waren und Dienstleistungen“ gezahlt, öffnest du im PayPal-Konto einen Konflikt — das ist innerhalb von 180 Tagen nach der Zahlung möglich. Beschreibe nüchtern, dass die Ware nie ankam, und häng den Chatverlauf und die Anzeige an. Bei Kreditkartenzahlung kannst du zusätzlich bei deiner Bank nach einem Chargeback fragen. Bei Überweisung oder Zahlung an Freunde bleibt nur die Strafanzeige. Melde die Anzeige außerdem der Plattform, damit sie offline geht, bevor der nächste zahlt — bei Fake-Inseraten hängen an einem Profil oft zehn Geschädigte. Ein Anspruch besteht auch dann, wenn du unvorsichtig warst; Leichtsinn ist kein Rechtsverlust. Notiere dir außerdem den genauen Zeitpunkt der Zahlung, denn alle Fristen laufen ab diesem Tag. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Warum ist der Preis so niedrig?

Weil er die vorsichtigen Interessenten aussortieren soll. Ein realistischer Preis zieht Nachfragen zu Zustand und Abholung an, ein absurd niedriger zieht Leute an, die sofort zusagen. Verlange für jeden ungewöhnlich niedrigen Preis eine Begründung, die man am Gerät sehen kann — und lass sie dir auf einem aktuellen Foto zeigen.

Kann ich mein Geld über PayPal zurückbekommen?

Nur wenn du als „Waren und Dienstleistungen“ gezahlt hast. Dann öffnest du im Konto einen Konflikt und schilderst, dass nichts geliefert wurde. Bei „Freunde und Familie“ ist der Käuferschutz ausgeschlossen, dort hilft nur die Anzeige. Prüf vor jeder Zahlung, welche der beiden Optionen ausgewählt ist.

Wie erkenne ich geklaute Fotos?

Lade das Bild in eine Bilder-Rückwärtssuche. Taucht es in einem Shop oder in einer älteren Anzeige aus einer anderen Stadt auf, gehört es nicht dem Verkäufer. Der einfachere Test: Fordere ein neues Foto mit einem Zettel an, auf dem das heutige Datum und dein Nutzername stehen.

Der Verkäufer will zuerst eine Anzahlung — ist das üblich?

Nein, bei Privatverkäufen nicht. Eine Anzahlung sichert dir nichts, sie reserviert dir nur ein Versprechen. Üblich ist Barzahlung bei Abholung oder eine vollständige Zahlung mit Käuferschutz beim Versand. Wer eine Teilzahlung vorab verlangt, testet, ob du überhaupt überweist. Bestehe auf dem üblichen Ablauf, dann verlierst du nichts.

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Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.