Preis nachträglich senken – wann und wie viel
Senke frühestens nach sieben Tagen — und dann in einem Schritt, der sichtbar ist. Fünf Prozent bemerkt niemand. Ein Sprung unter eine runde Schwelle, etwa von 210 auf 189 Euro, taucht plötzlich in den Suchfiltern auf, die bei 200 enden, und wird deutlich anders wahrgenommen als 199.
Erst prüfen, ob wirklich der Preis das Problem ist
Der Preis ist der Verdächtige, an den alle zuerst denken, und in vielleicht jedem dritten Fall ist er es auch. Lies die Zahlen deiner Anzeige, bevor du etwas änderst. Wenige Aufrufe nach einer Woche heißen, dass deine Anzeige gar nicht gesehen wird — dann liegt es am Titel, an der Kategorie oder daran, dass der Ort fehlt. Viele Aufrufe ohne eine einzige Nachricht heißen, dass Leute geklickt und dann etwas gefunden haben, das sie abschreckt: ein dunkles Foto, eine fehlende Maßangabe, ein Preis, der zum Zustand nicht passt. Viele Nachrichten ohne Abschluss heißen, dass es an den Bedingungen hängt, etwa an „nur Abholung“ bei einem Artikel, den jeder verschickt haben will. Nur im zweiten Fall ist Senken die richtige Antwort.
Die Schwelle zählt, nicht das Prozent
Käufer lesen Preise nicht als Zahl, sondern von links. Manoj Thomas und Vicki Morwitz haben diesen Left-Digit-Effekt 2005 im Journal of Consumer Research beschrieben: Die erste Ziffer dominiert die Wahrnehmung, weshalb der Abstand zwischen 3,00 und 2,99 größer wirkt als der zwischen 3,60 und 3,59. Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Senke über eine Ziffernstelle hinweg. Von 210 auf 195 ist ein kleiner Schritt mit großer Wirkung, von 210 auf 205 ein verschenkter. Zweitens: Denk an die Filter. Wer „bis 200 Euro“ einstellt, sieht deine Anzeige mit 210 Euro überhaupt nicht, egal wie gut sie ist. Die häufigsten Filtergrenzen liegen bei 50, 100, 200, 500 und 1.000 Euro — knapp darunter zu liegen ist mehr wert als zehn Euro Nachlass darüber.
Wenn du den Preis änderst, lohnt sich derselbe Blick auf den Titel — beides bearbeitest du in der Anzeige in einem Schritt. Anzeige aufgeben
Ein Rhythmus über drei Wochen
Feste Termine funktionieren besser als Bauchgefühl, weil sie dich davon abhalten, nach dem ersten Tiefangebot zu reagieren. Eine Staffel, die sich bewährt hat: Tag 1 bis 7 bleibt der Preis unverändert, egal was kommt. An Tag 8 senkst du um rund zehn Prozent und stellst dabei sicher, dass du unter der nächsten runden Schwelle landest — aus 240 werden 219. An Tag 15 folgt der zweite Schritt auf 189. An Tag 22 entscheidest du: 169 Euro, verschenken, behalten oder eine völlig neue Anzeige mit anderem Titel und anderen Fotos. Wichtig ist, dass zwischen den Schritten mindestens eine Woche liegt. Wer alle zwei Tage senkt, bringt Interessenten dazu, auf den nächsten Schritt zu warten, statt zu kaufen.
Was du beim Senken nicht schreiben solltest
Vermeide Dringlichkeit im Text. „Muss dringend weg“, „Umzug nächste Woche“ oder „Preis reduziert, letzte Chance“ senken nicht die Hemmschwelle, sondern die Angebote: Wer weiß, dass du unter Zeitdruck stehst, bietet die Hälfte. Nüchtern wirkt besser: „Preis angepasst, Abholung ab sofort möglich.“ Ebenso wenig hilft es, die Preisgeschichte in der Beschreibung aufzuführen. Und noch eines: Wenn du vor der Senkung jemandem den alten Preis zugesagt hast, gilt diese Vereinbarung weiter — eine spätere Änderung der Anzeige wirkt nicht rückwirkend auf einen bereits geschlossenen Kaufvertrag. Umgekehrt hat niemand Anspruch auf den neuen Preis, nur weil er vor drei Tagen gefragt hat. Wer still senkt, behält außerdem die Möglichkeit, den Nachlass später im Gespräch als Entgegenkommen einzusetzen. Das ist die übliche Rechtslage und keine Beratung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Wie oft darf ich den Preis ändern?
So oft du willst, die Anzeige bindet dich nicht. Sinnvoll sind aber höchstens drei Schritte in einem Monat. Häufigere Änderungen erziehen Interessenten dazu, abzuwarten. Wenn nach drei Senkungen nichts passiert, ist selten der Preis das Problem, sondern der Titel, das erste Foto oder eine Angabe, die im Text fehlt.
Lieber die Anzeige löschen und neu einstellen?
Nur wenn du wirklich etwas änderst. Eine neue Anzeige mit demselben Text und demselben Foto bringt kurz Sichtbarkeit und danach dasselbe Ergebnis. Lohnend ist der Neustart, wenn du Titel, Reihenfolge der Fotos und Beschreibung überarbeitest — dann ist es eine andere Anzeige und nicht dieselbe zum zweiten Mal.
Soll ich in der Anzeige schreiben, dass der Preis gesenkt wurde?
Nein. Der Hinweis signalisiert, dass weitere Senkungen kommen, und lädt zum Warten ein. Änder den Preis still und lass Beschreibung und Fotos in Ruhe. Wenn du Interessenten aus der Vorwoche informieren willst, schreib sie einzeln an — das ist wirksamer als jeder Zusatz im öffentlichen Text.
Muss ich Leuten, die vorher gefragt haben, Bescheid sagen?
Musst du nicht, aber es lohnt sich. Eine kurze Nachricht an drei bis fünf frühere Interessenten bringt erfahrungsgemäß mehr als die Senkung selbst, weil diese Leute die Anzeige bereits gesehen haben. Ein Satz reicht: „Der Preis liegt jetzt bei 189 Euro, falls es noch aktuell für dich ist.“