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Festpreis – trotzdem verhandeln?

Fragen darfst du immer — „Festpreis“ ist kein Rechtsbegriff, sondern eine Ansage über die Verhandlungsbereitschaft. Wie du fragst, entscheidet über die Antwort: Ein Betrag mit Begründung und einem Abholtermin wird oft angenommen, ein blankes „Was ist das Letzte?“ fast nie. Wer sofort abholt und bar zahlt, hat oft den besseren Hebel als jeder Nachlass.

„Festpreis“ heißt meistens: kein Basar

Wer „Festpreis“ in die Anzeige schreibt, hat in der Regel schon acht Nachrichten mit „Letzter Preis?“ bekommen. Das Wort ist eine Abwehr gegen Tiefangebote, keine Mauer. Es sagt: Ich habe kalkuliert, ich will nicht handeln wie auf dem Trödelmarkt. Dieselbe Person geht oft trotzdem auf 90 Euro runter, wenn jemand am selben Abend mit dem Auto vorbeikommt und die Waschmaschine allein die Treppe runterträgt. Unterscheide die Signale: „VB“ steht für Verhandlungsbasis und lädt ausdrücklich ein. „Festpreis“ verschließt die Tür einen Spalt weit. „Preis ist Preis, bitte keine Angebote“ ist ein Verkäufer, der schon genervt ist — dort lohnt nur eine Frage nach Zubehör oder Termin, nicht nach Geld. Und wenn eine Anzeige seit sechs Wochen online ist und der Preis zweimal gesenkt wurde, ist der Festpreis längst weicher, als er aussieht.

Die Frage, die funktioniert

Nenne einen Endbetrag, einen Termin und einen Grund — in dieser Reihenfolge, in drei Sätzen. Beispiel: „Ich würde den Schrank Samstag um 10 Uhr mit einem Transporter abholen und 80 Euro bar mitbringen. Für den Weg von 40 Kilometern wäre das für mich passend. Wenn dir das zu wenig ist, sag Bescheid — ich nehme ihn auch zum Anzeigenpreis.“ Der letzte Halbsatz ist der wichtigste: Er nimmt dem Verkäufer die Angst, dass du bei einem Nein einfach verschwindest, und genau diese Angst ist der Grund, warum viele Nachfragen unbeantwortet bleiben. Was nicht funktioniert: Prozente („Gehen 20 Prozent runter?“), Mengenrabatte ohne Menge, Vergleiche mit anderen Anzeigen („bei jemand anderem kostet das nur 50“) und die Frage nach dem letzten Preis, bevor du selbst eine Zahl genannt hast.

Wenn du dasselbe Modell schon zum dritten Mal anfragst, bringt dir ein Suchauftrag mit deiner Preisgrenze mehr als die nächste Verhandlung. Anzeige aufgeben

Was ein Nachlass wirklich kostet — und wann er sinnlos ist

Rechne, bevor du schreibst. Bei einem 40-Euro-Artikel sind zehn Prozent vier Euro. Dafür schreibst du drei Nachrichten, wartest zwei Tage und riskierst, dass jemand anderes zuschlägt. Unter etwa 50 Euro lohnt Verhandeln fast nie — dort gewinnst du mit Schnelligkeit, nicht mit Geld. Ab 200 Euro sieht es anders aus: Da sind zehn Prozent 20 Euro, und der Verkäufer hat oft selbst Spielraum eingeplant. Zwei Hebel wirken besser als Feilschen. Erstens Bündeln: Nimm zwei Artikel desselben Verkäufers und frage nach einem Gesamtpreis — das spart ihm einen zweiten Termin. Zweitens der Abtransport: Bei Sofas, Schränken, Klavieren und Gartenhäusern zahlst du mit Muskelkraft, nicht mit Argumenten. Wer selbst abbaut und wegräumt, bekommt Nachlass, ohne darum gebeten zu haben.

Rechtlich bist du zu nichts verpflichtet — der Verkäufer auch nicht

Ein Schuldverhältnis entsteht nach § 311 Abs. 1 BGB erst durch Vertrag, also durch Einigung beider Seiten. Der Preis in der Anzeige verpflichtet deshalb niemanden: Der Verkäufer muss nicht zu diesem Betrag verkaufen, du musst ihn nicht zahlen, und es gibt keinen Anspruch darauf, überhaupt eine Antwort zu bekommen. Umgekehrt gilt aber auch: Sobald ihr euch über Ware und Preis einig seid, steht der Kaufvertrag — im Chat, ohne Unterschrift, ohne Anzahlung. Wer also „Ok, dann 80“ schreibt, hat gekauft und nicht bloß gefragt. Deshalb solltest du keine Zahl nennen, die du nicht zahlen willst, und keine Zusage geben, solange du dir noch drei andere Anzeigen ansiehst. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Beratung für deinen Einzelfall.

Häufige Fragen

Darf ich bei Festpreis überhaupt nach einem Rabatt fragen?

Ja, das ist weder verboten noch unhöflich, solange du eine konkrete Zahl nennst und einen Termin anbietest. Unangenehm wird es erst, wenn du nach dem Nein weiter nachfasst oder den Preis kommentierst. Eine Absage ist eine Absage — dann entscheidest du, ob du zum Anzeigenpreis kaufst oder weitersuchst.

Wie viel Prozent kann man realistisch verhandeln?

Bei „Festpreis“ liegt der übliche Spielraum deutlich unter dem bei „VB“, oft im Bereich von fünf bis zehn Prozent, und er steigt mit dem Alter der Anzeige. Nenne trotzdem nie Prozente, sondern einen runden Endbetrag. Zahlen wie 80 statt 85 werden leichter angenommen, weil sie nach einer Entscheidung klingen und nicht nach Feilschen.

Muss der Verkäufer auf meine Nachricht antworten?

Nein. Es gibt keine Pflicht zu antworten und keine Reihenfolge, an die sich jemand halten müsste. Wer zuerst schreibt, hat kein Vorrecht. Praktisch heißt das: Schreib vollständig, damit die Antwort leicht fällt, und hake höchstens einmal nach. Zwei unbeantwortete Nachrichten sind eine Antwort.

Ist mein Preisvorschlag im Chat schon verbindlich?

Ja, ein konkreter Betrag in einer Nachricht ist ein Angebot, an das du gebunden bist, bis der Verkäufer es ablehnt oder die Antwortzeit abgelaufen ist. Sagt er zu, ist der Kauf geschlossen. Schreib deshalb nur Beträge, die du auch zahlen willst, und formuliere Unverbindliches ausdrücklich als Frage.

Verhandeln ist einfacher, wenn du selbst weißt, wie eine gute Anzeige aussieht

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Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.