Lowball-Angebote souverän abwehren
Tiefangebote verhinderst du vor allem im Anzeigentext: Wer Zustand, Zubehör, Abholzeitraum und einen begründeten Preis vollständig angibt, bekommt weniger davon. Für den Rest reicht eine einzige gespeicherte Antwort — freundlich, mit deiner Zahl, ohne Diskussion. Wer jedes Angebot einzeln beantwortet, verhandelt den ganzen Tag und verkauft trotzdem nicht schneller.
Die erste Zahl entscheidet, nicht die Diskussion
Dass eine einmal genannte Zahl das Ergebnis einer Einschätzung verschiebt, haben Amos Tversky und Daniel Kahneman schon 1974 in Science als Ankereffekt beschrieben: Menschen orientieren sich an einem vorgegebenen Wert, selbst wenn er offensichtlich willkürlich ist. Genau darauf zielt ein Lowball. Wer 30 Euro für ein 120-Euro-Gerät bietet, will nicht 30 zahlen — er will, dass ihr euch bei 70 trefft. Deshalb ist die einzige wirksame Gegenmaßnahme, den Anker nicht zu übernehmen. Antworte nie mit „Wie wäre es mit 90?“, sondern mit deinem eigenen Wert und einer Begründung, die der andere nachprüfen kann. Und setze den Anker schon in der Anzeige: „195 Euro, im März für 90 Euro gewartet, Rechnung liegt bei“ ist ein Preis mit Boden. „195 VB“ ist eine Einladung, bei 120 anzufangen.
Die eine Standardantwort, die du speicherst
Leg dir einen Textbaustein an und ändere pro Anzeige nur Zahl und Ware. Bewährt hat sich diese Form: „Danke für dein Interesse. 30 Euro passen nicht, dafür behalte ich das Gerät. Der Preis liegt bei 120 und ist so kalkuliert, dass ich nicht weiter runtergehe. Wenn du es zu 120 nehmen möchtest, schreib mir zwei Zeitfenster für die Abholung, dann halte ich es dir bis dahin frei.“ Drei Eigenschaften machen ihn nützlich. Er sagt Nein, ohne den anderen zu bewerten. Er wiederholt deinen Preis als Feststellung, nicht als Position in einer Verhandlung. Und er endet mit einer Aufgabe, die der Käufer erledigen kann — Zeitfenster nennen. Aus jeder dritten solchen Antwort wird ein Kauf zum vollen Preis, ohne dass du eine zweite Nachricht schreiben musst.
Den Anker setzt du beim Schreiben der Anzeige, nicht im Chat — wie ein begründeter Preis im Text aussieht, siehst du beim Anlegen einer Anzeige. Anzeige aufgeben
Wann Ignorieren die bessere Antwort ist
Manche Nachrichten sind gar keine Kaufanfragen. Löschen statt antworten solltest du bei fünf Mustern: der Einzeiler ohne Produktbezug, der Wunsch nach Versand trotz „nur Abholung“, der Vorschlag, über einen Link oder eine fremde Zahlungsseite abzuwickeln, die Bitte um deine Handynummer für einen angeblichen Code, und das Angebot, „einen Spediteur zu schicken“, kombiniert mit Vorkasse in beide Richtungen. Bei den letzten drei geht es nicht um den Preis, sondern um Betrug, und jede Antwort verlängert nur den Kontakt. Bei allen anderen gilt: Eine Antwort, dann Ruhe. Wer nach deinem Nein noch dreimal schreibt, verhandelt nicht mehr, sondern probiert Ausdauer. Blockieren ist dann kein Streit, sondern Aufräumen. Und wer eine offensichtliche Betrugsnachricht meldet, hilft nicht nur sich selbst, sondern auch dem nächsten Verkäufer, der dieselbe Zeile bekommt.
Was du besser nicht machst
Schreib nicht „Keine Lowball-Angebote“ oder „Wer nach dem letzten Preis fragt, wird ignoriert“ in die Anzeige. Solche Sätze wirken defensiv, kosten Vertrauen bei genau den Käufern, die zahlen würden, und halten niemanden ab, der ohnehin Massennachrichten verschickt. Genauso wenig hilft es, Preisvorschläge öffentlich zu kommentieren oder in der Beschreibung mit dem Neupreis zu argumentieren — Käufer interessiert, was die Sache heute gebraucht kostet. Und beleidige niemanden zurück: Eine gehässige Antwort kostet dich nichts an Geld, aber gelegentlich eine Meldung und immer die eigene Ruhe. Zu antworten bist du übrigens nicht verpflichtet, ein Anspruch auf eine Reaktion besteht nicht. Wer trotzdem das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen, schreibt lieber einen zusätzlichen Satz über den Zustand als einen über die Preisverhandlung. Das ist eine Beschreibung der üblichen Rechtslage und keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Soll ich Leute blockieren, die zu wenig bieten?
Erst nach der zweiten sinnlosen Nachricht. Ein einzelnes Tiefangebot ist normal und kommt oft von Leuten, die einfach fragen, ob etwas geht. Wer nach deinem klaren Nein weiter feilscht, dich unter Druck setzt oder auf eine andere Zahlungsart drängt, gehört blockiert — das ist keine Eskalation, sondern spart dir Zeit.
Wirkt es, den Preis höher anzusetzen, um Puffer zu haben?
Nur in kleinem Umfang. Zehn Prozent Puffer sind unauffällig und geben dir Spielraum. Wer 40 Prozent aufschlägt, fällt aus den Preisfiltern der Käufer heraus und bekommt gar keine Anfragen mehr — und dann verhandelst du nicht schlecht, sondern gar nicht. Besser ist ein realistischer Preis mit einer nachprüfbaren Begründung.
Was antworte ich auf „Letzter Preis?“
Mit deinem Preis und einer Bedingung. „Der Preis ist 120. Bei Abholung heute bis 19 Uhr mache ich 110.“ Damit gibst du eine Antwort, ohne eine offene Verhandlung zu starten, und knüpfst den Nachlass an etwas, das dir nützt. Eine Gegenfrage nach seinem Vorstellungspreis führt fast immer zu einer sehr niedrigen Zahl.
Hilft der Zusatz „Festpreis“ gegen Tiefangebote?
Ein wenig, aber weniger als eine vollständige Beschreibung. „Festpreis“ senkt die Zahl der Verhandlungsversuche und schreckt gleichzeitig vorsichtige Käufer ab. Wirksamer ist ein Preis, der begründet ist, plus die Angabe, was inklusive ist. Käufer feilschen vor allem dort, wo sie den Wert nicht einschätzen können.