Fake-Anzeige erkennen, bevor du zahlst
Prüfe drei Dinge, bevor du zahlst: das Bild, den Text und den Zahlungsweg. Kopierte Fotos findest du über die Bilderrückwärtssuche, ein Preis weit unter dem üblichen Niveau ist der Köder, und wer ausschließlich Vorkasse per Überweisung oder Guthabenkarte akzeptiert, schließt jeden Weg aus, auf dem du dein Geld zurückbekommst.
Das Bild verrät die Anzeige zuerst
Zieh das Foto in die Bilderrückwärtssuche. Taucht dasselbe Bild in einem Onlineshop, in einem Testbericht oder in fünf weiteren Anzeigen in anderen Städten auf, ist die Sache erledigt. Achte außerdem auf drei Details: Studiolicht und weißer Hintergrund bei einem angeblich gebrauchten Gerät, ein einzelnes Foto statt mehrerer Perspektiven, und Bilder, deren Auflösung deutlich schlechter ist als bei einer Handyaufnahme, weil sie aus einer anderen Anzeige herauskopiert wurden. Bitte um ein zusätzliches Foto mit einem handgeschriebenen Zettel, auf dem das heutige Datum steht, oder um ein kurzes Video, in dem die Ware bewegt wird. Wer sie tatsächlich besitzt, macht das in wenigen Minuten. Wer ausweicht, erklärt dir gerade den Rest. Ein einziges zusätzliches Foto kostet den Verkäufer nichts und beantwortet für dich die halbe Frage.
Der Text: zu glatt, zu allgemein, zu wenig
Echte Privatanzeigen sind unordentlich. Da steht die Kratzer-am-Rand-Notiz, der Grund für den Verkauf, das Alter des Geräts, ein Tippfehler. Fake-Anzeigen dagegen lesen sich wie eine Produktbeschreibung: Herstellermerkmale statt Zustand, kein einziger Mangel, kein Standort außer einer großen Stadt, keine Angabe zum Kaufdatum. Zweites Merkmal ist der Abholverzicht: Selbstabholung sei nicht möglich, man sei umgezogen, im Ausland, im Krankenhaus, die Ware liege bei einer Spedition. Drittens die Verlagerung, oft schon in der ersten Antwort: eine Mailadresse oder Rufnummer im Anzeigentext, verbunden mit der Bitte, dort weiterzuschreiben. Jedes dieser Merkmale allein bedeutet wenig, zwei zusammen reichen als Grund, nicht zu zahlen. Lies die Anzeige zweimal und frag dich, ob darin ein einziger Satz steht, den nur der Besitzer geschrieben haben kann.
Wenn du lieber in Ruhe wartest, bis das Passende in deiner Nähe auftaucht, kannst du dir auf zweito einen Suchauftrag anlegen statt weiter durch fragwürdige Angebote zu klicken. Anzeige aufgeben
Der Empfängername muss zur IBAN passen
Vor einer Überweisung gibst du den Namen ein, den der Verkäufer genannt hat. Passt er nicht zum Kontoinhaber, zeigt dir deine Bank das an, bevor du bestätigst. Nimm diese Warnung ernst, statt sie wegzuklicken: Ein Privatverkäufer, dessen Konto auf einen völlig fremden Namen läuft, hat dafür selten eine gute Erklärung. Prüf außerdem die Ländervorwahl der IBAN, also die ersten beiden Buchstaben. Eine Ware, die angeblich in Hannover liegt, wird nicht auf ein litauisches Konto bezahlt, das erst vergangene Woche eröffnet wurde. Und wenn statt einer Bankverbindung Guthabencodes, Kryptowährung oder ein Bezahllink aus dem Chat verlangt werden, brichst du ab: Diese Wege existieren in dieser Rolle nur, weil sie nicht rückholbar sind.
Wenn du trotzdem unsicher bist
Schlag die Abholung vor, auch wenn du versenden lassen wolltest. Die Reaktion ist aufschlussreicher als jede weitere Prüfung: Ein echter Verkäufer nennt einen Zeitraum, ein falscher findet einen Grund. Zweite Möglichkeit ist ein kurzer Videoanruf, in dem die Ware gezeigt und ein- oder ausgeschaltet wird. Drittens: Sieh dir an, was der Verkäufer sonst anbietet. Zehn hochwertige Geräte, alle seit gestern online, alle mit Versand, ergeben zusammen ein Bild. Bezahl im Zweifel gar nicht — es gibt in einem funktionierenden Markt immer eine zweite Anzeige. Zahlst du doch und es geht schief, sind Kontodaten und Chatverlauf dein wichtigstes Material für Bank und Polizei. Ein Angebot, das dich zum Zögern bringt, hat diese Wirkung selten ohne Grund.
Häufige Fragen
Wie finde ich heraus, ob ein Foto geklaut ist?
Lade das Bild in eine Bilderrückwärtssuche hoch oder such über die Bildadresse. Taucht es in Shops, Foren oder anderen Anzeigen auf, stammt es nicht vom Verkäufer. Achte auch auf Bildränder, die nach dem Zuschneiden eines Wasserzeichens entstehen, und auf Spiegelungen, in denen ein anderes Zimmer zu sehen ist.
Ist ein neu angelegtes Profil automatisch verdächtig?
Nein, jeder fängt einmal an. Verdächtig ist die Kombination: neues Profil, mehrere teure Artikel, alle mit Versand, alle unter Marktpreis, keine Abholung möglich. Ein echter Neueinsteiger hat meist ein oder zwei Sachen aus dem Keller und antwortet auf Fragen zum Zustand ohne Umschweife.
Was mache ich, wenn ich schon überwiesen habe?
Ruf noch am selben Tag deine Bank an und bitte um Rückholung, danach erstatte Anzeige mit Kontodaten, Chatverlauf und Anzeigennummer. Melde die Anzeige zusätzlich dem Portal, damit sie verschwindet. Je früher der Anruf, desto größer die Chance, dass der Betrag das Empfängerkonto noch nicht verlassen hat.
Schützt mich der Kauf über Versand mit Käuferschutz?
Er hilft, aber nur wenn du wirklich über den geschützten Weg zahlst und nicht daneben. Sobald jemand vorschlägt, den Betrag als Zahlung an Freunde und Familie oder per Überweisung zu senden, ist der Schutz weg. Genau das ist der Grund, warum darum gebeten wird.