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Ausweiskopie verschickt – was jetzt zu tun ist

Eine verschickte Ausweiskopie lässt sich nicht zurückrufen — den Schaden kannst du trotzdem begrenzen. Hast du zusätzlich die PIN der Online-Ausweisfunktion herausgegeben, lass sie über den Sperrnotruf sperren. Erstatte Anzeige, hol dir eine Selbstauskunft bei den Auskunfteien und widersprich jeder Forderung, die nicht von dir stammt.

Was mit einer Kopie tatsächlich geht und was nicht

Eine Ausweiskopie ist kein Ausweis. Für ein Bankkonto oder einen Mobilfunkvertrag verlangt der Anbieter ein Identifizierungsverfahren: das Original am Postschalter, ein Video-Ident mit Live-Bild und Sicherheitsmerkmalen oder die Online-Ausweisfunktion mit PIN. Eine abfotografierte Karte reicht dafür in der Regel nicht. Was mit der Kopie trotzdem funktioniert: Zugänge bei Diensten mit schwacher Prüfung, Bestellungen auf Rechnung, bei denen nur Name und Geburtsdatum abgeglichen werden, und die Rolle als angeblicher Kontoinhaber in einer Betrugsmasche. Sehr häufig landet deine Kopie außerdem als Vertrauensbeweis in einer Fake-Anzeige: Der Betrüger schickt sie dem nächsten Opfer, damit es überweist. Dann steht dein Name auf der Strafanzeige eines Fremden, und die Polizei klingelt bei dir. Der Schaden ist deshalb selten ein leergeräumtes Konto, sondern ein Vertrag oder ein Verfahren, von dem du erst durch Post erfährst.

Drei Schritte, die heute Sinn ergeben

Erstens: Hast du neben der Kopie auch die sechsstellige PIN der Online-Ausweisfunktion weitergegeben, lass die Funktion über den Sperrnotruf sperren. Das geht rund um die Uhr, du brauchst dafür dein Sperrkennwort oder die Ausweisnummer. Zweitens: Erstatte Anzeige und lass dir das Aktenzeichen geben. Es ist dein Beleg, sobald später Forderungen auftauchen, die dir nicht gehören. Drittens: Fordere bei den großen Auskunfteien eine Selbstauskunft an. Nach Artikel 15 DSGVO bekommst du eine Kopie deiner gespeicherten Daten kostenlos, und dort siehst du, ob jemand in deinem Namen einen Vertrag abgeschlossen hat. Wiederhole das nach drei und nach sechs Monaten, denn Identitätsmissbrauch zeigt sich selten in der ersten Woche. Trag dir die drei Termine in den Kalender ein, sonst bleibt es bei der guten Absicht der ersten Woche.

Falls du dich fragst, warum überhaupt jemand nach Papieren gefragt hat: Für eine Anzeige auf zweito brauchst du keine Ausweisdaten, eine Mailadresse genügt. Anzeige aufgeben

Warum kein Käufer und keine Plattform deinen Ausweis braucht

Die Bitte kommt in zwei Verpackungen. „Ich schicke dir meinen Ausweis, schick du mir deinen“ wirkt fair und ist trotzdem der Einstieg — die Kopie, die du bekommst, gehört ohnehin einem anderen Opfer. Die zweite Variante ist eine Mail im Layout des Portals, die eine Identitätsprüfung verlangt, sonst werde das Konto gesperrt. Kein seriöser Marktplatz fordert Ausweisdokumente über den Chat oder über einen Link in einer Mail an. Für einen Privatverkauf zwischen zwei Menschen ist ein Ausweis an keiner Stelle nötig: Beim Treffen zählt die Ware in der Hand und das Geld auf dem Tisch, beim Versand zählt der Einlieferungsbeleg. Wer trotzdem darauf besteht, verfolgt einen Zweck, der mit dem Kauf nichts zu tun hat.

Wenn Rechnungen kommen, die dir nicht gehören

Widersprich schriftlich und innerhalb der genannten Frist, auch wenn die Forderung offensichtlich falsch ist. Schreib in einem Satz, dass kein Vertrag zustande gekommen ist, weil du nichts bestellt hast, nenne das Aktenzeichen deiner Anzeige und verlange die Löschung deiner Daten. Zahl nichts zur Sicherheit, denn eine Zahlung kann als Anerkenntnis gewertet werden. Kommt ein gerichtlicher Mahnbescheid, hast du zwei Wochen Zeit für den Widerspruch, das Formular liegt bei. Das ist die einzige Frist in dieser Kette, die man nicht verstreichen lassen darf, weil danach ein Vollstreckungsbescheid ergehen kann. Ist bereits ein Eintrag bei einer Auskunftei entstanden, verlange dessen Löschung unter Hinweis auf die Anzeige. Hier steht die übliche Rechtslage, für den Einzelfall braucht es rechtlichen Rat.

Häufige Fragen

Kann jemand mit meiner Ausweiskopie ein Konto eröffnen?

Bei einer Bank mit ordentlicher Identifizierung nicht, denn dort wird das Original mit seinen Sicherheitsmerkmalen geprüft. Bei Diensten mit schwacher Prüfung kommt es vor. Deshalb ist die Selbstauskunft der beste Test: Dort taucht ein Vertrag auf, den du nie geschlossen hast, und zwar bevor die erste Mahnung kommt.

Ist es überhaupt erlaubt, den Personalausweis zu kopieren?

Ja, mit Zustimmung des Inhabers und für einen konkreten Zweck. Die Kopie muss als Kopie erkennbar sein, und der Empfänger darf sie nicht an Dritte weiterreichen. Ein privater Kaufinteressent hat keinen solchen Zweck. Das ist die übliche Rechtslage, kein Rat zu deinem konkreten Vorgang.

Sollte ich Angaben schwärzen, wenn eine Kopie wirklich nötig ist?

Ja, das ist sinnvoll. Zugangs- und Seriennummer, Größe, Augenfarbe und Staatsangehörigkeit darfst du unkenntlich machen, wenn sie für den Zweck nicht gebraucht werden. Schreib zusätzlich quer über das Bild, für wen und wofür die Kopie bestimmt ist. Dann taugt sie nicht mehr als Universalnachweis für irgendetwas anderes.

Muss ich einen neuen Ausweis beantragen?

Nur wenn du auch die PIN der Online-Ausweisfunktion weitergegeben hast oder das Dokument selbst weg ist. Die reine Kopie rechtfertigt keinen Neuantrag. Sinnvoller ist es, die Selbstauskunft im Blick zu behalten und jede unbekannte Forderung sofort und schriftlich zu bestreiten.

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Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion.