Konto gehackt nach einer Anzeige
Sichere zuerst dein E-Mail-Postfach, danach das Konto beim Portal. Die Mailadresse ist der Generalschlüssel: Wer sie hat, setzt jedes andere Passwort zurück. Vergib neue Passwörter, schalte die Zwei-Faktor-Anmeldung ein, beende alle fremden Sitzungen und prüfe, welche Anzeigen und Nachrichten in deinem Namen entstanden sind.
Die Reihenfolge ist nicht egal
Wenn du zuerst das Portal-Passwort änderst und dein Postfach offen bleibt, hat der Angreifer es in zwei Minuten zurückgesetzt. Also beginnst du beim Mailkonto: neues, langes Passwort, das nirgendwo sonst im Einsatz ist. Danach in den Sicherheitseinstellungen alle aktiven Sitzungen beenden und prüfen, ob eine Weiterleitungsregel eingerichtet wurde. Angreifer legen gern eine Regel an, die jede Mail mit dem Wort Passwort still weiterleitet oder direkt in den Papierkorb schiebt. Anschließend kontrollierst du die Wiederherstellungsadresse und die hinterlegte Rufnummer. Erst wenn das Postfach wieder sauber ist, gehst du an den Marktplatz, an Zahlungsdienste und an alles Weitere, wo dieselbe Adresse hinterlegt ist. Zwei-Faktor-Anmeldung schaltest du überall dort ein, wo es sie gibt.
Wie sie an dein Passwort gekommen sind
Meistens auf einem von drei Wegen. Erstens der Link im Chat: Zahlung bestätigen, Anzeige freischalten, Adresse eingeben — dahinter liegt eine Anmeldeseite, die aussieht wie die echte, aber auf einer nur ähnlich klingenden Adresse steht. Zweitens die Mail im Layout des Portals mit einer angeblichen Kontosperrung und einem Knopf in der Mitte. Drittens ein altes Datenleck: Dieselbe Kombination aus Mailadresse und Passwort steht in einer Liste, die automatisiert bei hunderten Diensten durchprobiert wird. Deshalb trifft es oft Zugänge, bei denen vorher nichts Verdächtiges passiert ist. Prüfe, ob deine Adresse in bekannten Leaks auftaucht, und ersetze jedes Passwort, das du mehrfach verwendest. Ein Passwortmanager ist an dieser Stelle bequemer als jede Merkregel.
Wenn dein altes Konto verbrannt ist und du mit sauberen Zugangsdaten neu anfangen willst: Für eine Anzeige auf zweito reichen eine Mailadresse und zwei Minuten. Anzeige aufgeben
Anzeigen und Nachrichten, die nicht von dir sind
Sieh nach, was in deinem Namen passiert ist, und dokumentiere es, bevor du etwas löschst. Drei Muster kommen häufig vor: Deine echten Anzeigen werden im Preis stark gesenkt und auf Versand umgestellt, damit Interessenten schnell zahlen. Oder es erscheinen neue Anzeigen für gefragte Ware, die es nie gegeben hat. Oder dein Zugang dient nur als Absender, um andere Nutzer anzuschreiben. Mach von jeder fremden Anzeige einen Screenshot mit Datum, notiere die genannte Bankverbindung und melde alles dem Portal, das gemeldete rechtswidrige Inhalte prüfen muss. Antworte den Käufern, die schon überwiesen haben, und sag ihnen offen, was passiert ist. Ihre Anzeige bei der Polizei und deine gehören zusammen. Lösch erst, wenn die Screenshots gesichert sind, sonst fehlt dir später genau das Material, nach dem alle fragen.
Was Portal-Meldung und Strafanzeige jeweils bringen
Beides zusammen ergibt erst ein vollständiges Bild. Die Meldung beim Portal stoppt die laufenden Fake-Anzeigen am schnellsten und stellt deinen Zugang wieder her. Die Strafanzeige ist die Grundlage, sobald Geschädigte sich bei dir melden oder Forderungen auftauchen: Das Ausspähen von Daten und das rechtswidrige Verändern von Daten sind eigene Straftatbestände, unabhängig vom Betrug am Ende der Kette. Nimm zur Anzeige mit: den Zeitpunkt, ab dem du keinen Zugang mehr hattest, deine Screenshots, die Hinweise aus den Sicherheitsmails deines Anbieters und die Kontodaten aus den Fake-Anzeigen. Der letzte Punkt ist für Ermittlungen der brauchbarste. Bewahre die Bestätigungen beider Meldungen auf, sie belegen, ab wann du gehandelt hast. Gemeint ist die allgemeine Rechtslage, nicht die Beratung zu deinem Vorgang.
Häufige Fragen
Wie schnell bekomme ich mein Konto zurück?
Über die Passwort-Zurücksetzung meist in wenigen Minuten, sofern dein Postfach wieder dir gehört. Wurde die hinterlegte Mailadresse geändert, brauchst du den Support des Portals und einen Nachweis, dass der Zugang deiner ist: alte Anzeigen, Zeitpunkte, Rechnungsdaten. Dann dauert es einige Tage.
Hafte ich, wenn über mein Konto jemand betrogen wurde?
In der Regel nicht, wenn dein Zugang übernommen wurde und du das belegen kannst. Genau deshalb sind Anzeige und Zeitpunkt so wichtig. Anders liegt es, wenn jemand seine Zugangsdaten bewusst weitergegeben hat. Das ist die übliche Rechtslage und keine Beratung für deinen einzelnen Fall.
Muss ich meine E-Mail-Adresse wechseln?
Wegen des Vorfalls nicht. Eine neue Adresse hilft nur gegen die Spamwelle, die auf ein Leck folgt. Wichtiger sind ein eigenes, langes Passwort pro Dienst und die Zwei-Faktor-Anmeldung im Postfach. Damit nützt ein geleaktes Passwort niemandem mehr, egal wie oft es durchprobiert wird.
Woran erkenne ich eine gefälschte Anmeldeseite?
An der Adresszeile, und zwar an dem Teil direkt vor dem ersten Schrägstrich. Fälschungen setzen den echten Namen als Vorsilbe davor, damit der Anfang vertraut aussieht. Öffne Anmeldeseiten nie aus einem Chat oder einer Mail heraus, sondern über deine Lesezeichen oder die App.