Einen Betrüger melden – und was danach passiert
Melde an drei Stellen, in dieser Reihenfolge: beim Portal, damit das Profil verschwindet, bei der Polizei, damit die Tat aktenkundig wird, und bei deiner Bank, falls Geld geflossen ist. Die Strafanzeige kannst du in jedem Bundesland online über die Internetwache stellen. Beweise sicherst du vorher, nicht danach.
Erst sichern, dann melden
Sobald ein Profil gesperrt ist, verschwinden Anzeige und Chat oft aus deiner Sicht. Was du vorher brauchst: den gesamten Chatverlauf als Screenshots mit sichtbarem Datum und sichtbarer Uhrzeit, die Anzeige mit Adresse und Anzeigennummer, den Profilnamen samt Angabe, seit wann das Konto besteht, die genannte Bankverbindung mit Kontoinhaber, deinen Überweisungsbeleg oder die Zahlungsübersicht, jede Sendungsnummer und alle Rufnummern und Mailadressen, die gefallen sind. Fotografiere lieber zu viel als zu wenig, und lösche nichts, auch keine Nachrichten, die dir unangenehm sind. Wer später Aktenzeichen und Kontodaten liefern kann, bekommt bei allen drei Stellen schneller eine brauchbare Antwort als jemand, der nur erzählen kann, was passiert ist. Leg dir einen Ordner an, in dem alles zu diesem Fall zusammenliegt, inklusive der Uhrzeiten deiner Anrufe.
Was das Portal kann und was nicht
Die Plattform kann das Profil sperren, die Anzeige entfernen und weitere Nachrichten unterbinden. Das ist der schnellste Weg, um zu verhindern, dass nach dir noch jemand zahlt. Was sie nicht darf: dir den Namen oder die Anschrift hinter dem Konto nennen. Diese Daten gibt sie auf Anfrage der Ermittlungsbehörden heraus, nicht an Privatpersonen. Rechne mit einer automatischen Empfangsbestätigung und meist ohne persönliche Rückmeldung — das bedeutet nicht, dass nichts passiert. Nutze das Meldeformular direkt an der Anzeige, weil dort Anzeigennummer und Chat automatisch angehängt werden. Schreib in einem Satz, was passiert ist, statt eine lange Schilderung zu verfassen; die Prüfung läuft über die angehängten Daten, nicht über deine Formulierung. Taucht dieselbe Anzeige unter neuem Namen wieder auf, meldest du sie erneut und verweist auf die frühere Meldung.
Wenn du nach so einer Erfahrung lieber auf einem Portal inserierst, auf dem deine Kontaktdaten gar nicht erst sichtbar sind, kannst du deine Anzeige hier in wenigen Minuten anlegen. Anzeige aufgeben
Die Strafanzeige und was sie realistisch bewirkt
Anzeige erstatten kannst du bei jeder Polizeidienststelle, unabhängig vom Wohnort, oder online über die Internetwache. Du bekommst ein Aktenzeichen, das du für Bank, Portal und spätere Nachfragen brauchst. Was danach passiert, hängt an der Spur: Kontodaten und Rufnummern führen weiter als ein Profilname. Häufig laufen mehrere Anzeigen gegen dieselbe Bankverbindung zusammen, und erst dadurch wird ein Verfahren interessant. Rechne trotzdem damit, dass ein Verfahren eingestellt wird, wenn kein Täter ermittelt werden kann. Dein Geld kommt über das Strafverfahren selten direkt zurück; dafür ist der zivilrechtliche Weg zuständig, für den du aber Name und ladungsfähige Anschrift brauchst. Sag bei der Anzeige ausdrücklich, dass weitere Geschädigte hinzukommen können, solange die Anzeige noch online steht. Das ist eine Darstellung der üblichen Rechtslage und ersetzt keinen anwaltlichen Rat.
Die Bank ist die dritte Stelle, und oft die schnellste
Ruf sofort an, nicht schreiben. Bei einer Überweisung kann deine Bank die Empfängerbank um Rückholung bitten, solange das Geld dort noch liegt — das entscheidet sich in Stunden, nicht in Tagen. Bei einer Kartenzahlung fragst du nach dem Rückbuchungsverfahren und nennst den Grund. Bei einem Zahlungsdienst mit Käuferschutz eröffnest du den Konflikt im Konto selbst, nicht per Mail. Wurde von deinem Konto abgebucht, ohne dass du zugestimmt hast, meldest du das als nicht autorisierte Zahlung; dafür gelten eigene Erstattungsregeln. Halte das Aktenzeichen der Anzeige bereit, viele Institute verlangen es, bevor sie den Vorgang weitergeben. Notiere Datum, Uhrzeit und den Namen deines Gesprächspartners, denn bei Rückfragen zählt, wann du den Vorgang zum ersten Mal gemeldet hast. Schriftlich nachreichen kannst du danach immer noch.
Häufige Fragen
Lohnt sich eine Anzeige bei 30 Euro?
Ja, gerade dann. Kleine Beträge sind das Geschäftsmodell: Der Täter zieht sie hundertfach, weil kaum jemand Anzeige erstattet. Erst wenn mehrere Fälle mit derselben Kontonummer zusammenlaufen, entsteht ein verfolgbares Bild. Die Anzeige kostet dich online rund zwanzig Minuten und du erhältst dafür ein Aktenzeichen.
Bekomme ich über die Anzeige mein Geld zurück?
Direkt eher selten. Die Strafanzeige klärt, ob eine Straftat vorliegt und wer sie begangen hat. Für die Rückzahlung brauchst du den zivilrechtlichen Weg oder eine Rückholung über die Bank. Wird ein Täter ermittelt, kann deine Forderung im Verfahren mitverhandelt werden, was Zeit und Geduld kostet.
Kann ich einen Betrüger anonym melden?
Beim Portal ja, dort reicht das Meldeformular. Eine Strafanzeige geht anonym praktisch nicht, weil deine Aussage das Beweismittel ist und Rückfragen anstehen. Deine Daten erfährt der Beschuldigte erst über die Akteneinsicht seines Verteidigers, und auch das erst im laufenden Verfahren.
Wie lange dauert es, bis ich etwas höre?
Vom Portal meist sofort eine automatische Bestätigung, danach oft nichts mehr. Von der Polizei bekommst du das Aktenzeichen sofort, eine inhaltliche Nachricht meist erst nach Wochen oder Monaten. Frag bei der Staatsanwaltschaft unter Angabe des Aktenzeichens nach, wenn ein halbes Jahr vergangen ist.