Anzahlung verlangen – sinnvoll oder Risiko
Eine Anzahlung ist im Privatverkauf fast immer die schlechtere Lösung. Sie bindet den Käufer rechtlich nicht so, wie die meisten glauben: Sie ist Teilzahlung auf den Kaufpreis, kein Reugeld. Sinnvoll ist sie nur in einem Fall — wenn du eine sperrige Sache über Wochen zurücklegen sollst.
Eine Anzahlung ist Teilzahlung, kein Strafgeld
Der verbreitete Irrtum: „Wenn er nicht kommt, behalte ich die Anzahlung.“ So funktioniert das im Regelfall nicht. Wer anzahlt, leistet einen Teil des Kaufpreises. Springt der Käufer ab, ist die Anzahlung damit nicht automatisch verfallen — du musst dich erst vom Vertrag lösen. Nach § 323 Absatz 1 BGB setzt du dafür eine angemessene Frist zur Abnahme und Zahlung und trittst danach zurück. Erst dann kannst du prüfen, ob dir ein Schaden entstanden ist, den du behalten darfst. Der Rest geht zurück. Etwas anderes gilt nur, wenn ihr ausdrücklich eine Draufgabe oder ein Reugeld vereinbart habt — das kommt zwischen Privatleuten praktisch nie vor und müsste im Text stehen. „100 Euro Anzahlung, verfällt bei Nichtabholung“ ist eine Formulierung, über die im Streit gestritten wird, nicht eine, die ihn beendet. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung.
Für den Käufer ist eine Anzahlung an Fremde reines Risiko
Dreh die Perspektive einmal um. Ein Fremder im Internet soll dir 80 Euro überweisen für einen Schrank, den er noch nie gesehen hat, bei einem Verkäufer, dessen Nachnamen er nicht kennt. Genau so beginnt der Vorkasse-Betrug: Anzeige mit gutem Preis, freundlicher Chat, kleine Anzahlung „damit ich es zurücklege“, danach Funkstille. Deshalb reagieren erfahrene Käufer auf jede Anzahlungsbitte reserviert — nicht weil sie dich für unehrlich halten, sondern weil sie die Masche kennen. Wenn du also anzahlen lässt, verlierst du unter Umständen die besten Interessenten und behältst die, die alles unterschreiben. Das ist eine schlechte Auswahl. Wer trotzdem sicher sein will, dass gezahlt wird, sollte den Weg wählen, bei dem Geld und Ware gleichzeitig fließen, statt einen Vorschuss zu verlangen, der beide Seiten nervös macht.
Wer die Abholzeiten gleich in die Anzeige schreibt, braucht keine Reservierung und keine Anzahlung — [stell deinen Artikel mit festen Abholzeiten ein](/anzeige/neu?thema=abholung). Anzeige aufgeben
Der eine Fall, in dem sie sich lohnt: lange Reservierung
Sinnvoll wird die Anzahlung, wenn du echten Aufwand hast. Beispiel: Der Käufer braucht die Waschmaschine erst in drei Wochen, du sagst allen anderen ab und stellst das Gerät solange in den Flur. Dann ist eine Anzahlung von 10 bis 20 Prozent ein faires Signal — nicht als Sicherheit, sondern als Nachweis, dass es ernst gemeint ist. Schreib in die Nachricht, wie hoch sie ist, wofür sie gilt und bis wann abgeholt wird: „50 Euro Anzahlung, Rest bei Abholung, Abholung bis 14. Oktober.“ Nimm sie per Überweisung mit Verwendungszweck, nie per Guthabenkarte. Verlangt jemand umgekehrt von dir eine Anzahlung [per Gutscheinkarte](/loesungen/gutscheinkarten-als-zahlung), ist das kein Verhandlungsstil, sondern das Ende des Gesprächs. Mehr Fälle dieser Art stehen in den [Lösungen](/loesungen).
Was du statt einer Anzahlung machen kannst
Die meisten Anzahlungswünsche entstehen aus Angst vor Karteileichen — Leute, die zusagen und nicht kommen. Dagegen hilft kein Geld, sondern eine kurze Bestätigung mit Zeitpunkt und Adresse am Vortag. Wer darauf nicht antwortet, kommt auch nicht. Sag dann ab und geh zum nächsten Interessenten. Zwei Zeilen am Vorabend ersetzen jede Vorauszahlung, sie kosten dich nichts und verraten dir mehr über die Ernsthaftigkeit als jeder überwiesene Betrag. Bleibt eine Zusage ohne Zahlung im Raum, hilft dir der Weg über [den Käufer, der nicht zahlt](/loesungen/kaeufer-zahlt-nicht). Kommt stattdessen plötzlich mehr Geld an, als vereinbart war, lies vorher, warum [der Käufer zu viel überweist](/loesungen/kaeufer-zahlt-zu-viel). Bei Autos ersetzt der Kaufvertrag die Anzahlung ohnehin, und wer beim Kilometerstand zweifelt, prüft zuerst die [Tachomanipulation](/sicherheit/tachomanipulation). Bei Gesundheitsware gelten eigene Regeln, siehe [Medikamente und Nahrungsergänzung](/recht/medikamente-recht).
Häufige Fragen
Darf ich die Anzahlung behalten, wenn der Käufer nicht kommt?
In der Regel nicht ohne Weiteres. Die Anzahlung ist Teil des Kaufpreises, kein Reugeld. Du musst dem Käufer zunächst eine angemessene Frist setzen und dann vom Vertrag zurücktreten. Behalten darfst du danach nur, was deinem tatsächlichen Schaden entspricht, etwa nachweisbare Kosten. Der Rest ist zurückzuzahlen.
Wie hoch sollte eine Anzahlung sein?
Zwischen 10 und 20 Prozent des Kaufpreises, mehr nicht. Bei 400 Euro sind das 40 bis 80 Euro. Höhere Beträge schrecken ehrliche Käufer ab und machen dich für Betrüger interessant. Der Zweck ist ein Ernsthaftigkeitssignal, keine Absicherung des vollen Werts.
Soll ich als Käufer eine Anzahlung leisten?
Nur wenn du den Artikel gesehen hast oder der Verkäufer über die Plattform erreichbar bleibt. Überweise nie an eine Person, deren vollständigen Namen und Adresse du nicht kennst, und nutze keine Guthabenkarten. Bei einer Reservierung über mehrere Wochen ist ein kleiner Betrag üblich, bei sofortiger Abholung ist er unnötig.
Wie formuliere ich die Anzahlung schriftlich?
Kurz und mit Datum: Betrag, Restbetrag, Abholtermin, Artikel. Zum Beispiel „50 Euro Anzahlung für Waschmaschine Bosch, Restbetrag 200 Euro bei Abholung, Abholung bis 14. Oktober“. Schick das über den Chat der Plattform, damit beide Seiten den Verlauf haben. Als Verwendungszweck reicht der Artikelname.