Der Käufer überweist zu viel und will die Differenz zurück
Zahl nichts zurück und gib nichts heraus. Die Überzahlung ist keine Ungeschicklichkeit, sondern der Kern der Masche: Du erstattest echtes Geld, während die eingegangene Zahlung später rückabgewickelt wird. Schick den vollen Betrag ausschließlich an das Konto zurück, von dem er kam, und erst nachdem deine Bank die Buchung bestätigt hat.
So läuft die Masche in der Praxis ab
Der Ablauf ist über Jahre derselbe. Du verkaufst eine Kamera für 400 Euro. Auf dem Konto landen 1.400 Euro. Kurz darauf kommt die Nachricht: „Sorry, mein Fehler, die 1.000 waren für einen anderen Kauf gedacht — kannst du sie zurückschicken?“ Manchmal ist es netter erzählt: eine Spedition, die angeblich mitbezahlt werden muss, ein Sohn, der sich vertippt hat, ein Arbeitgeber, der die Summe angewiesen hat. In der Scheckvariante bekommst du einen überhöhten Scheck, der wochenlang gutgeschrieben aussieht, bevor er platzt. Der Punkt ist immer identisch: Du sollst schnell und aus eigenem Antrieb Geld an ein anderes Konto schicken. Sobald du das tust, hast du echtes Geld verschickt. Was bei dir eingegangen war, verschwindet später — dann steht die Differenz als dein Verlust im Auszug.
Warum eingegangenes Geld nicht bedeutet, dass es dir gehört
Eine Gutschrift ist keine Garantie. Wurde per Lastschrift gezahlt, kann der Zahler die Erstattung bei einer SEPA-Basislastschrift ohne Angabe von Gründen verlangen; nach § 675x Absatz 4 BGB ist dieser Anspruch erst ausgeschlossen, wenn er nicht innerhalb von acht Wochen ab Belastung geltend gemacht wird. War die Zahlung nicht autorisiert, weil sie von einem gehackten Konto kam, ist die Frist noch deutlich länger. Bei Schecks liegen zwischen Gutschrift und endgültiger Einlösung Wochen. Und bei PayPal kann ein Zahlungsvorgang zurückgeholt werden, wenn die Karte oder das Konto dahinter fremd war. Deshalb gilt: Warte, bis deine Bank dir bestätigt, dass die Buchung endgültig ist. Bei einer normalen Überweisung ist das schnell, bei allem anderen dauert es. Gemeint ist die übliche Rechtslage. Wenn es um viel Geld geht, frag jemanden, der dafür haftet.
Anfragen dieser Art kommen fast immer bei Anzeigen ohne klaren Zahlungshinweis — [schreib den Zahlungsweg in deine nächste Anzeige](/anzeige/neu?thema=zahlungsweg) und die Hälfte dieser Nachrichten bleibt aus. Anzeige aufgeben
Was du konkret tust, wenn zu viel angekommen ist
Erstens: nichts überweisen, auch keinen Teilbetrag, auch nicht „damit Ruhe ist“. Zweitens: die Ware nicht versenden, solange der Fall offen ist. Drittens: deine Bank anrufen und den Eingang schildern; frag ausdrücklich, ob die Buchung endgültig ist und ob eine Rückholung möglich bleibt. Viertens: den Überschuss ausschließlich an das Ursprungskonto zurückgeben, niemals an eine andere IBAN, keinen anderen Namen, kein Konto im Ausland. Fünftens: den Chatverlauf sichern. Wenn der angebliche Käufer Druck macht, Fristen nennt oder plötzlich eine Spedition ins Spiel bringt, ist der Fall entschieden. Dieselbe Handschrift erkennst du bei [Western Union oder Wise als Zahlungsweg](/loesungen/western-union-wise-anfrage) und bei jeder Anfrage nach [Zahlung per Gutscheinkarte](/loesungen/gutscheinkarten-als-zahlung). Alle Varianten sind in den [Lösungen](/loesungen) gesammelt.
Der Sonderfall: das Geld kam von einem fremden Konto
Manchmal ist die Zahlung echt, sie stammt nur nicht vom Käufer. Beim Dreiecksbetrug wird ein drittes Opfer angewiesen, den Betrag an dich zu überweisen — es glaubt, bei dir etwas gekauft zu haben. Du lieferst an den Betrüger, das dritte Opfer holt sein Geld zurück, du stehst ohne Ware und ohne Geld da. Warnzeichen: Der Name auf dem Kontoauszug passt nicht zum Namen im Chat, der Verwendungszweck nennt einen anderen Artikel, oder es ruft jemand an, der von einem Kauf spricht, den du nicht kennst. Prüfe deshalb bei jedem Eingang, ob Name und Betrag zur Vereinbarung passen. Stimmt etwas nicht, versendest du nicht. Bei hochpreisiger Markenware kommt das oft mit gefälschter Ware zusammen — dafür gibt es den [Legit Check bei Sneakern](/sicherheit/legit-check-sneaker), und beim Auto ist der [Tachostand](/glossar/tachostand) der zweite Prüfpunkt.
Häufige Fragen
Der Käufer hat sich wirklich vertippt — darf ich das Geld trotzdem behalten?
Behalten darfst du es nicht, zurückschicken musst du es aber nur an das Konto, von dem es kam. Genau diese Regel schützt dich, wenn es doch keine Verwechslung war. Ruf deine Bank an, lass die Buchung prüfen und überweise den Überschuss erst danach, mit dem Vermerk „Rückzahlung Überzahlung“.
Wie lange kann eine Zahlung noch zurückgeholt werden?
Bei einer SEPA-Basislastschrift acht Wochen ab Belastung ohne Angabe von Gründen. War die Zahlung gar nicht autorisiert, sind es bis zu dreizehn Monate. Ein Scheck kann Wochen nach der vorläufigen Gutschrift platzen. Eine normale Überweisung dagegen ist nach Gutschrift stabil, wenn sie vom Konto des Käufers selbst stammt.
Was, wenn der Absendername nicht zum Käufer passt?
Dann lieferst du nicht. Ein abweichender Name deutet auf ein fremdes oder gehacktes Konto hin. Frag im Chat nach einer Erklärung und gleiche sie mit dem Kontoauszug ab. Bekommst du keine plausible Antwort, überweise den vollen Betrag zurück an den Absender und brich den Verkauf ab.
Muss ich das der Polizei melden, wenn ich nichts verloren habe?
Sinnvoll ist es. Ein versuchter Betrug ist strafbar, und deine Angaben helfen, Konten und Nummern zuzuordnen, die in anderen Fällen erneut auftauchen. Nimm Screenshots des Chats, den Kontoauszug und die IBAN mit. Der Aufwand liegt bei etwa zwanzig Minuten über die Onlinewache deines Bundeslands.