Freigrenze
Freigrenze heißt: Bis zu einem bestimmten Betrag bleibt ein Gewinn steuerfrei, wird sie auch nur um einen Euro überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig — nicht nur der Teil darüber.
Ein Euro entscheidet über den ganzen Betrag
Rechne es einmal durch. Du verkaufst im selben Jahr zwei Sammleruhren, gekauft für zusammen 2.400 Euro, verkauft für zusammen 3.390 Euro, beide innerhalb der Jahresfrist. Gewinn: 990 Euro. Steuer: keine. Kommt im Dezember noch ein dritter Verkauf mit 40 Euro Gewinn dazu, stehen 1.030 Euro auf dem Zettel — und dann ist nicht der Rest über der Grenze steuerpflichtig, sondern der komplette Betrag. Deshalb ist der Blick auf das Kalenderjahr wichtig, nicht auf den einzelnen Verkauf. Wer im November knapp unter der Grenze liegt, verschiebt einen geplanten Verkauf mitunter einfach in den Januar. Das ist völlig legal und ändert die Rechnung komplett.
Der Irrtum: Es ist nicht der Umsatz, und es ist nicht die Meldeschwelle
Zwei Verwechslungen kosten Nerven. Erstens: Die Freigrenze bezieht sich auf den Gewinn, nicht auf die Summe der Verkaufspreise. Wer für 4.000 Euro Dinge verkauft hat, die ihn 3.800 Euro gekostet haben, liegt bei 200 Euro und damit klar darunter. Zweitens: Die Freigrenze hat nichts mit der Schwelle zu tun, ab der Plattformen Daten an die Behörden melden. Das eine ist Einkommensteuer, das andere ist Meldepflicht — sie können unabhängig voneinander greifen. Die Grenze steht jeder Person einzeln zu; bei zusammen veranlagten Eheleuten wird also nicht geteilt, sondern jeder rechnet für sich. Das ist die übliche Rechtslage, keine Beratung für deinen konkreten Fall.
Häufige Fragen
Gilt die Freigrenze pro Verkauf oder für das ganze Jahr?
Für das ganze Kalenderjahr und für alle privaten Veräußerungsgeschäfte zusammen. Du addierst also sämtliche Gewinne und ziehst die Verluste aus solchen Geschäften ab. Erst diese Summe wird mit der Grenze verglichen. Ein einzelner Verkauf mit 900 Euro Gewinn ist unproblematisch, drei Verkäufe mit je 400 Euro sind es nicht mehr.
Was passiert genau, wenn ich einen Euro darüber liege?
Dann ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig und wird mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz belastet, nicht nur der eine Euro. Genau das unterscheidet eine Freigrenze von einem Freibetrag. Praktisch heißt das: Rechne vor dem letzten Verkauf des Jahres nach, statt hinterher zu staunen.