Wie viel Prozent vom Neupreis realistisch sind
Als Faustzahl aus der Praxis: Nach einem Jahr sind bei den meisten Gebrauchtwaren 50 bis 70 Prozent des Neupreises erzielbar, nach drei Jahren 30 bis 50, nach fünf Jahren 20 bis 35. Entscheidend ist aber nicht das Alter, sondern ob es das Modell neu noch zu kaufen gibt.
Die Faustzahl und ihre Grenzen
Prozentwerte sind ein Startpunkt, keine Bewertung. Sie funktionieren dort, wo es viele vergleichbare Stücke gibt — Haushaltsgeräte, Fahrräder, Möbel von großen Herstellern, Unterhaltungselektronik. Sie versagen bei allem, was selten ist: Werkzeug in gutem Zustand hält seinen Wert oft besser als jede Faustzahl vermuten lässt, Musikinstrumente ebenso, während ein Fernseher nach drei Jahren auch mit 20 Prozent noch schwer verkäuflich sein kann. Wichtig ist außerdem die Bezugsgröße. Rechne mit dem heutigen Neupreis, nicht mit dem, den du damals bezahlt hast. Wenn dasselbe Gerät neu inzwischen ein Drittel weniger kostet, ist dein Prozentsatz vom alten Preis eine Fantasiezahl. Und wenn es das Modell gar nicht mehr gibt, zählt nur noch, was ein vergleichbares Nachfolgemodell heute kostet.
Was der Staat annimmt: die AfA-Tabelle als Gegenprobe
Es gibt einen offiziellen Maßstab, an dem du dich orientieren kannst. Das Bundesfinanzministerium veröffentlicht die AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter, in der die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer festgelegt ist: Fahrräder sieben Jahre, Personenkraftwagen sechs Jahre, Büromöbel 13 Jahre, Waschmaschinen zehn Jahre, Mobilfunkgeräte fünf Jahre. Linear abgeschrieben ergibt das rund 14,3 Prozent Wertverlust pro Jahr beim Fahrrad und rund 7,7 Prozent bei Büromöbeln. Diese Zahlen sind steuerlich gedacht und bilden den Markt nicht exakt ab — der reale Verlust fällt in den ersten Jahren höher aus und flacht später ab. Als Gegenprobe taugen sie trotzdem: Wer für ein sechs Jahre altes Fahrrad noch 70 Prozent verlangt, liegt selbst nach dem großzügigen linearen Maßstab weit daneben.
Wenn du deine Spanne kennst, kostet das Einstellen der Anzeige nur noch ein paar Minuten. Anzeige aufgeben
Was den Prozentsatz nach oben zieht
Fünf Dinge heben den erzielbaren Anteil messbar an. Erstens die Rechnung: Sie belegt Alter und Herkunft und ist bei Fahrrädern, Werkzeug und Elektronik bares Geld wert. Zweitens die Originalverpackung, weil sie Versand ermöglicht und den Weiterverkauf erleichtert. Drittens eine übertragbare Restgarantie. Viertens vollständiges Zubehör — Ladegerät, Ersatzteile, Zweitschlüssel, Bedienungsanleitung. Fünftens Knappheit: Wenn ein Modell ausgelaufen ist und das Nachfolgemodell schlechter ankommt, steigen Gebrauchtpreise sogar wieder. Dazu kommt ein Punkt, der nichts kostet: eine Beschreibung, die Alter, Nutzung und Zustand konkret nennt. Wer schreibt „Im April 2023 gekauft, Rechnung liegt bei, zweimal pro Woche genutzt, ein Kratzer an der Unterseite auf Foto 5“, verkauft im oberen Bereich der Spanne. Diese Angaben kosten dich zehn Minuten und wirken zuverlässiger als jede Preissenkung, weil sie den Wert belegen statt ihn zu behaupten.
Was ihn zerstört
Vier Faktoren drücken den Anteil unter die Faustzahl, unabhängig vom Zustand. Ein Nachfolgemodell, das gerade erschienen ist, kostet dich sofort 10 bis 20 Prozentpunkte. Verschleißteile, die absehbar fällig sind, werden vom Käufer voll abgezogen: ein Akku, der nur noch die halbe Laufzeit hat, ein Zahnriemen, der in 10.000 Kilometern dran ist, Bremsbeläge, ein Trommellager. Fehlende Teile wirken überproportional, weil der Käufer nicht den Materialwert abzieht, sondern seinen Aufwand. Und Massenware ohne Wiedererkennungswert — Standardregale, No-Name-Elektronik, Möbel aus Spanplatte — landet unabhängig vom Alter bei 10 bis 25 Prozent, weil neu kaufen kaum teurer ist als abholen. In solchen Fällen ist ein niedriger Preis kein Verlust, sondern der einzige Weg, die Sache überhaupt loszuwerden.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent bekomme ich für ein zwei Jahre altes Handy?
Meist 40 bis 55 Prozent des heutigen Neupreises, wenn Akku, Display und Gehäuse in Ordnung sind und Rechnung sowie Ladegerät dabeiliegen. Ohne Zubehör und mit sichtbaren Gebrauchsspuren wird es ein Drittel. Entscheidend ist, ob das Modell noch offiziell verkauft wird — danach fällt der Wert deutlich schneller.
Gilt die Prozentregel auch für Möbel?
Nur eingeschränkt. Massivholz und bekannte Designstücke halten ihren Wert weit über die Faustzahl hinaus, Spanplattenmöbel verlieren dagegen fast sofort und liegen nach zwei Jahren häufig bei 15 bis 25 Prozent. Bei Möbeln entscheiden Transportierbarkeit und Maße oft stärker über den Preis als das Alter.
Soll ich den Neupreis in der Anzeige nennen?
Nur wenn er heute noch stimmt und nachprüfbar ist. „Neupreis 1.200 Euro“ für ein Gerät, das aktuell 700 kostet, wirkt wie ein Trick und kostet Vertrauen. Besser ist der aktuelle Neupreis mit Quellenangabe oder ganz ohne Vergleich, dafür mit Kaufdatum und Rechnung.
Ist der Verkaufserlös steuerpflichtig?
Bei gebrauchten Alltagsgegenständen in aller Regel nicht, weil du unter dem Einkaufspreis verkaufst und damit keinen Gewinn erzielst. Relevant wird das Thema erst bei Wertgegenständen innerhalb der Spekulationsfrist von einem Jahr; die Freigrenze für private Veräußerungsgewinne liegt seit 2024 bei 1.000 Euro im Jahr.