Werkzeug gebraucht kaufen
Lass gebrauchtes Elektrowerkzeug bei der Besichtigung laufen, bevor du zahlst. Kabel vom Stecker bis zum Gehäuse abtasten, Gerät einschalten, unter Last hören, Spiel im Futter prüfen. Ein Werkzeug, das der Verkäufer nicht vorführen kann oder will, kaufst du zum Preis eines Ersatzteilspenders — oder gar nicht.
Die Prüfung, die zwei Minuten dauert
Fang beim Kabel an. Fahr es mit der Hand ab und achte auf Knicke, Quetschungen, Risse in der Isolierung und auf Stellen, die verhärtet oder verfärbt sind — besonders direkt hinter dem Stecker und am Gehäuseeintritt. Sieh dir den Stecker selbst an: angeschmolzene Stifte deuten auf Überlastung hin. Dann einschalten. Ein gesundes Werkzeug läuft gleichmäßig hoch, ohne Funkenregen an den Lüftungsschlitzen und ohne schrilles Lagergeräusch. Ein Schleifgeräusch, das mit der Drehzahl steigt, bedeutet meist ein defektes Lager. Prüf zuletzt das Spiel: Bohrfutter greifen und wackeln, Spindel bei der Flex prüfen, Sägeblattaufnahme bei der Kreissäge. Riecht das Gerät beim Laufen nach verbranntem Lack, lass es stehen — der Motor hat bereits Hitze gesehen, die er nicht sehen sollte.
Was auf dem Typenschild steht und warum es zählt
Das Typenschild nennt Modell, Leistung, Baujahr oder Seriennummer und Schutzklasse. Zwei ineinanderliegende Quadrate stehen für Schutzklasse II, also schutzisolierte Geräte ohne Schutzleiter — sie haben einen zweipoligen Stecker und sind dafür konstruiert. Fehlt das Schild komplett oder ist es unlesbar, kannst du weder Ersatzteile bestellen noch Leistungsangaben prüfen. Fotografiere es vor dem Kauf. Mit Modellnummer und Baujahr findest du heraus, ob Kohlebürsten, Schalter und Kabel noch lieferbar sind — das ist bei älteren Profigeräten der eigentliche Unterschied zwischen einem guten Kauf und einem Briefbeschwerer. Prüf außerdem, ob das Gerät zum Zubehör passt, das du schon hast: Aufnahmen für Bohrer und Meißel unterscheiden sich, und ein Systemwechsel kostet mehr als das Gerät selbst.
Wenn du selbst Werkzeug abgibst, nimm ein Foto des Typenschilds mit auf — Käufer suchen nach der Modellnummer. Anzeige aufgeben
Handwerkzeug ist der bessere Gebrauchtkauf
Bei Zangen, Schraubenschlüsseln, Hämmern, Stecheisen, Schraubstöcken und Messwerkzeug ist gebraucht fast immer die klügere Wahl. Solche Werkzeuge haben kaum Verschleißteile, ältere Fertigung ist oft besser als heutige Discountware, und Rost auf der Oberfläche ist kosmetisch, solange die Substanz stimmt. Prüf bei Zangen den Schluss der Backen gegen Licht, bei Schraubenschlüsseln aufgeweitete Maulweiten, bei Stecheisen, ob genug Klingenlänge übrig ist und ob der Kopf verpilzt ist. Handhobel, Ambosse und Schraubstöcke aus Nachlässen sind regelmäßig unterbewertet, weil Verkäufer den Wert nicht kennen. Was du meiden solltest, ist gebrauchtes Messwerkzeug ohne Prüfmöglichkeit: Eine gefallene Wasserwaage und ein verzogener Anschlagwinkel sehen aus wie neu und sind unbrauchbar. Nimm zum Termin einen bekannten Winkel als Vergleich mit.
Preis, Herkunft und Sicherheit
Preislich liegt gebrauchtes Elektrowerkzeug oft bei etwa der Hälfte des Neupreises, bei Profigeräten mit sichtbarem Einsatz deutlich darunter. Rechne mögliche Verschleißteile ein: Kohlebürsten, Schalter und Kabel sind günstig, ein Anker oder ein Getriebe nicht. Frag nach der Herkunft, besonders bei mehreren gleichartigen Geräten in einer Anzeige — Baustellendiebstahl ist bei Marken-Elektrowerkzeug ein reales Thema, und wer gestohlene Ware kauft, wird nicht Eigentümer und kann sie ersatzlos verlieren. Lass dir bei teuren Geräten Rechnung oder Kaufbeleg zeigen und notiere die Seriennummer. Bei der Übergabe zahlst du erst, wenn das Gerät gelaufen ist. Und wenn in einer Anzeige fünf gleiche Maschinen derselben Marke ohne Erklärung stehen, ist eine Nachfrage nach dem Grund keine Unhöflichkeit, sondern der einzige Schutz, den du hast. Das beschreibt die übliche Rechtslage in groben Zügen und ersetzt keine Beratung zu deinem konkreten Fall.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass eine Bohrmaschine bald kaputtgeht?
An Geräusch und Funken. Ein Schleifen, das mit der Drehzahl steigt, deutet auf Lagerschaden, starker Funkenregen an den Lüftungsschlitzen auf verschlissene Kohlebürsten. Geruch nach verbranntem Lack heißt, der Motor war überhitzt. Kohlebürsten sind billig, Lager und Anker nicht — das entscheidet über den Preis.
Lohnt sich gebrauchtes Profiwerkzeug?
Ja, wenn Ersatzteile noch lieferbar sind. Profigeräte sind auf Reparatur ausgelegt, haben austauschbare Kohlebürsten, Schalter und Kabel und halten auch nach Jahren. Prüf mit der Modellnummer vom Typenschild die Ersatzteillage, bevor du kaufst — ohne Nachschub ist auch das beste Gerät endlich.
Was mache ich, wenn der Verkäufer das Gerät nicht vorführen kann?
Dann verhandelst du auf Ersatzteilpreis oder gehst. „Keine Steckdose da“ ist keine Erklärung, wenn ein Verlängerungskabel existiert. Bei defekten Geräten ist das in Ordnung, solange es in der Anzeige steht. Nicht in Ordnung ist ein Gerät, das als funktionsfähig beschrieben und nicht gezeigt wird.
Ist Rost an altem Handwerkzeug ein Problem?
Oberflächenrost nicht, Narbenrost schon. Ein dünner Flugrostfilm lässt sich mit Öl und Schleifvlies abnehmen, darunter kommt brauchbarer Stahl zum Vorschein. Tiefe Narben in Schneiden, Gewinden oder Führungsflächen bleiben dagegen dauerhaft. Prüf Schneidwerkzeug gegen das Licht und Messwerkzeug gegen einen Winkel, dem du vertraust.