Die verdächtig schnelle Zusage
Eine Zusage ohne einzige Rückfrage ist ein Warnsignal, kein Glücksfall. Echte Käufer fragen nach Zustand, Abholung und Preis. Wer sofort schreibt „ich nehme es, ich schicke dir den Versandlink“, will dich auf eine gefälschte Zahlungsseite bringen. Nicht autorisierte Zahlungen muss deine Bank nach § 675u BGB erstatten.
Was ein echter Käufer zuerst fragt
Menschen, die wirklich kaufen wollen, verhalten sich vorhersehbar. Sie fragen nach etwas, das im Text fehlt: Maße, Alter, Grund des Verkaufs, ob das Zubehör dabei ist, ob der Preis noch verhandelbar ist. Sie fragen, wann sie kommen können, und sie fragen nach der Etage, wenn es um ein Möbelstück geht. Vor allem: Sie beziehen sich auf deinen konkreten Artikel. Die verdächtige Nachricht macht das Gegenteil — sie nennt den Artikel gar nicht, akzeptiert den Preis sofort, fragt nicht nach Zustand und kommt binnen Minuten nach dem Einstellen. Häufig ist sie auch grammatisch glatt, aber inhaltlich leer: „Hallo, ich bin interessiert. Ist der Artikel noch verfügbar? Ich zahle sofort und lasse abholen.“ Das ist keine Kaufanfrage, das ist ein Anschreiben.
Der Link ist das Ziel, nicht die Ware
Danach kommt der eigentliche Schritt: Ein Link soll angeblich zu einem Käuferschutz-Portal, einer Versandabwicklung oder einer Zahlungsfreigabe führen. Die Seite sieht aus wie ein bekannter Zahlungsdienst, hat aber eine fremde Adresse — oft mit dem Markennamen als Wortbestandteil einer anderen Domain. Dort sollst du Kontodaten eingeben und anschließend eine TAN bestätigen, damit „das Geld freigegeben wird“. Merke dir einen einzigen Satz, der die ganze Masche aushebelt: Für den Empfang von Geld gibst du nie eine TAN ein und nie deine Kartendaten. Eine TAN autorisiert immer eine Zahlung von dir weg. Lies deshalb den Text in der Banking-App, bevor du bestätigst — dort steht Betrag und Empfänger, und dort platzt jede dieser Geschichten.
Wer Abholung und Barzahlung schon in die Anzeige schreibt, bekommt diese Nachrichten seltener, weil die Masche dort nicht funktioniert. Anzeige aufgeben
Die Sätze, die immer wiederkommen
Die Varianten sind zahlreich, die Bausteine nicht. „Ich bin gerade auf Montage, mein Cousin holt es ab.“ „Der Transportdienst zieht die Kosten von mir ein, du musst nur bestätigen.“ „Ich habe schon bezahlt, schau in dein Postfach, du musst nur noch freigeben.“ „Kannst du mir deine Nummer geben, dann schreiben wir über WhatsApp weiter.“ Der letzte Baustein ist der wichtigste, denn außerhalb des Portals gibt es keine Warnhinweise, keine Meldefunktion und keinen nachvollziehbaren Verlauf. Deshalb ist der Wechsel des Kanals nicht bloß eine Bequemlichkeit, sondern die Voraussetzung dafür, dass der Rest funktioniert. Bleib im Chat der Plattform, auch wenn es umständlicher ist, und lass dich nicht dafür entschuldigen, dass du misstrauisch wirkst.
Wenn du eine TAN freigegeben hast
Handle in dieser Reihenfolge. Erstens: sofort die Bank anrufen und die Zahlung melden; außerhalb der Öffnungszeiten sperrst du Karten und Online-Banking über den zentralen Sperr-Notruf 116 116. Zweitens: die Meldung schriftlich bestätigen lassen. § 675u BGB verpflichtet den Zahlungsdienstleister bei einem nicht autorisierten Zahlungsvorgang zur Erstattung, und zwar unverzüglich, spätestens bis zum Ende des Geschäftstags, der auf die Anzeige folgt. Drittens: Anzeige erstatten und den Fall mit Screenshots des Links und der Nachrichten belegen. Viertens: Zugangsdaten ändern und prüfen, ob ein neues Gerät für dein Online-Banking freigeschaltet wurde. Wer sofort meldet, hat die deutlich besseren Karten. Halte fest, wann genau du die Bank informiert hast, denn daran hängt die Erstattungsfrist. Das gibt die übliche Rechtslage wieder und ist keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Warum sagt jemand sofort zu, ohne zu fragen?
Weil es ihm nicht um den Artikel geht. Die schnelle Zusage soll das Gespräch überspringen und dich direkt zum nächsten Schritt bringen, dem Link. Achte darauf, ob die Nachricht deinen Artikel überhaupt erwähnt — Textbausteine tun das nicht, weil sie an hundert Anzeigen gleichzeitig gehen.
Muss ich für den Empfang von Geld eine TAN eingeben?
Nie. Eine TAN bestätigt immer eine Zahlung, die von deinem Konto ausgeht, oder die Freischaltung eines Zugangs. Wer dich zur TAN-Eingabe auffordert, damit du Geld erhältst, beschreibt einen Vorgang, den es nicht gibt. Lies vor jeder Bestätigung den Text in der App, dort steht der wahre Empfänger.
Ist der Wechsel zu WhatsApp wirklich so schlimm?
Er ist der eigentliche Schritt. Außerhalb der Plattform gibt es keine Warnhinweise, keine Meldefunktion und keinen Verlauf, den jemand später prüfen kann. Bleib im Chat, bis Termin und Preis stehen. Wenn jemand das ablehnt, verliert er nichts außer der Möglichkeit, unbeobachtet zu arbeiten.
Ich habe auf den Link geklickt, aber nichts eingegeben — reicht das?
In aller Regel ja, der reine Aufruf richtet selten Schaden an. Gib trotzdem nichts mehr auf dieser Seite ein, schließe sie und ändere vorsichtshalber dein Banking-Passwort. Prüfe in den nächsten Tagen deine Umsätze und melde den Link der Plattform, damit die Anzeige verschwindet.