Zum Inhalt springen
Anzeige aufgeben

Lebensmittel privat verkaufen

Die gelegentliche private Abgabe von Lebensmitteln fällt nicht unter das Lebensmittelhygienerecht — der Kuchen für den Basar und die überzählige Kiste Äpfel sind erlaubt. Eine Grenze ist hart: Nach Ablauf des Verbrauchsdatums gilt ein Lebensmittel als nicht sicher. Beim Mindesthaltbarkeitsdatum liegt der Fall völlig anders.

Mindestens haltbar bis und zu verbrauchen bis sind nicht dasselbe

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist eine Zusage des Herstellers über Geschmack, Farbe und Konsistenz. Danach darf ein Lebensmittel weitergegeben werden, wenn es einwandfrei ist — Nudeln, Reis, Konserven, Honig und Schokolade überstehen das Datum oft um Monate. Sag in der Anzeige trotzdem, dass es überschritten ist, und nenn das Datum — sonst ist es eine Täuschung. Das Verbrauchsdatum steht auf leicht verderblichen Waren wie Hackfleisch, frischem Geflügel oder rohem Fisch, und es ist eine andere Kategorie: Artikel 24 Absatz 1 der Lebensmittelinformationsverordnung stellt fest, dass ein Lebensmittel nach Ablauf dieses Datums als nicht sicher gilt. Dann wird es nicht mehr abgegeben, auch nicht verschenkt, auch nicht mit Hinweis. Wer beides verwechselt, verschenkt Ware oder verteilt ein Risiko.

Wann aus Gelegenheit ein Lebensmittelunternehmen wird

Das europäische Hygienerecht nimmt die gelegentliche Handhabung, Zubereitung, Lagerung und Abgabe von Lebensmitteln durch Privatpersonen bei Veranstaltungen ausdrücklich aus seinem Anwendungsbereich aus — der Kuchenbasar, das Straßenfest, der Gartenverkauf einmal im Jahr. Sobald daraus etwas Regelmäßiges wird, kippt die Einordnung. Dann bist du Lebensmittelunternehmer, musst deinen Betrieb beim Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt registrieren, brauchst eine Belehrung nach § 43 IfSG, wenn du mit bestimmten leicht verderblichen Lebensmitteln umgehst, und schuldest die vollständige Kennzeichnung mit Zutatenverzeichnis, Allergenen, Nettofüllmenge und Adresse. Es geht dabei nicht um Gewinn: Auch ein regelmäßiger Verkauf zum Selbstkostenpreis kann darunterfallen. Die Faustregel lautet: einmal im Jahr ist Gelegenheit, jeden Samstag ist ein Betrieb. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Rechtsberatung.

Für Vorräte, Getränkekisten und Einkochgläser reicht eine Anzeige, die Menge, Datum und Abholzeit nennt. Anzeige aufgeben

Was in eine Lebensmittelanzeige gehört

Auch ohne Kennzeichnungspflicht gehören dieselben Angaben hinein, weil sie den Verkauf erst möglich machen. Nenn das Produkt genau, die Menge, das Datum auf der Packung und ob sie original verschlossen ist. Bei Selbstgemachtem schreibst du die Zutaten vollständig auf und hebst die vierzehn kennzeichnungspflichtigen Allergengruppen hervor — Gluten, Ei, Milch, Nüsse, Erdnüsse, Soja, Sellerie, Senf, Sesam, Fisch, Krebstiere, Weichtiere, Lupinen und Schwefeldioxid. Ein Satz zur Küche hilft: „im selben Haushalt wird mit Nüssen gebacken“. Schreib dazu, wie gelagert wurde und wie lange die Ware nach der Übergabe hält. Und plane die Übergabe als Abholung mit Kühltasche: Versand ist bei fast allem außer trockener, lange haltbarer Ware der falsche Weg. Nenn in der Anzeige gleich zwei Zeitfenster, dann verhandelt ihr nicht drei Tage über den Termin.

Was gar nicht geht

Rohmilch darf nur direkt im Milcherzeugungsbetrieb an Endverbraucher abgegeben werden, mit dem deutlichen Hinweis, dass sie vor dem Verzehr abzukochen ist — eine Weitergabe über eine Anzeige ist ausgeschlossen. Selbst erlegtes Wild und selbst geschlachtetes Fleisch unterliegen eigenen Regeln und gehören nicht in eine Anzeige. Alkohol gibst du nicht an Jugendliche ab: Nach dem Jugendschutzgesetz sind Bier, Wein und Sekt erst ab sechzehn erlaubt, Spirituosen und alles Branntweinhaltige ab achtzehn. Angebrochene Säuglingsnahrung, Muttermilch und offene Babygläschen bleiben tabu. Und Nahrungsergänzungsmittel verkaufst du ohne jede Aussage über eine Heilwirkung, sonst wird daraus rechtlich ein Arzneimittel. Bleibt genug übrig: ungeöffnete Vorräte aus einem Umzug, volle Getränkekisten samt Pfand, leere Einkochgläser, Gewürze, Tee und Kaffee in Originalpackung.

Häufige Fragen

Darf ich Lebensmittel nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum abgeben?

Ja, wenn die Ware einwandfrei ist und du das Datum in der Anzeige nennst. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt etwas über Qualität, nicht über Sicherheit. Anders beim Verbrauchsdatum auf leicht verderblichen Lebensmitteln: Danach gilt die Ware als nicht sicher und wird nicht mehr weitergegeben.

Brauche ich einen Gewerbeschein für den Kuchenbasar?

Für die gelegentliche Abgabe bei einer Veranstaltung nicht — sie ist vom Hygienerecht ausdrücklich ausgenommen. Sobald du regelmäßig backst und verkaufst, wirst du zum Lebensmittelunternehmer mit Registrierung, Belehrung und Kennzeichnungspflichten. Frag im Zweifel beim Lebensmittelüberwachungsamt deines Kreises nach, die Auskunft ist kostenlos.

Kann ich Lebensmittel versenden?

Bei trockener, lange haltbarer Ware ja, bei allem Gekühlten praktisch nicht. Die Kühlkette lässt sich mit normalem Paketversand nicht halten, und ein Wochenende im Verteilzentrum ruiniert jedes Produkt. Vereinbare Abholung mit Kühltasche und übergib zu einer Uhrzeit, die beiden passt.

Darf ich selbstgemachte Marmelade verkaufen?

Gelegentlich ja, etwa auf einem Basar oder vom Gartenzaun. Schreib Zutaten und Einkochdatum auf das Etikett, nenn die Allergene und verwende saubere, neue Deckel. Wird daraus ein regelmäßiger Verkauf, brauchst du eine Registrierung beim Überwachungsamt und die vollständige Kennzeichnung nach der Lebensmittelinformationsverordnung.

Vorräte weitergeben statt wegwerfen

Anzeige einstellen

Kostenlos · Keine Provision · In 2 Minuten online

Weiterführend

Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion. Rechtliche Angaben beschreiben die übliche Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung.