Sperrmüll oder verkaufen – die Faustregel
Die Faustregel: Alles unter zwanzig Euro Verkaufswert kostet dich mehr Zeit, als es einbringt — es sei denn, es geht im Bündel mit weg. Und alles, was noch funktioniert und von einer Person getragen werden kann, findet einen Abnehmer, wenn du zu verschenken schreibst und die Abholzeit dazu.
Zwanzig Euro und zwei Fragen als Grenze
Rechne mit einer Dreiviertelstunde je Einzelanzeige: fotografieren, messen, beschreiben, Anfragen beantworten, Termin abstimmen, übergeben. Bei einem Erlös von zwölf Euro arbeitest du damit unter jedem Mindestlohn, und das ist der eigentliche Grund, warum halbvolle Wohnungen monatelang halbvoll bleiben. Zwei Fragen entscheiden schneller als jede Preisrecherche. Erste Frage: Funktioniert es vollständig, ohne Einschränkung? Zweite Frage: Würde ich es selbst gebraucht kaufen, wenn ich es bräuchte? Zweimal ja heißt verkaufen oder verschenken. Einmal nein heißt verschenken. Zweimal nein heißt entsorgen. Diese drei Sätze ersparen dir das Grübeln über einen Fernseher von 2009, den niemand mehr will, aber auch die Fehlentscheidung, eine funktionierende Nähmaschine wegzuwerfen, weil sie alt aussieht. Alt und wertlos sind zwei verschiedene Dinge.
Verschenken leert die Wohnung schneller als verkaufen
Eine Verschenk-Anzeige bekommt in der Regel innerhalb von Stunden eine Antwort, während eine Verkaufsanzeige über denselben Gegenstand tagelang liegt. Wer schnell Platz braucht, tauscht deshalb Geld gegen Zeit — bewusst und für die richtigen Sachen. Damit es funktioniert, gehören drei Angaben hinein: was es ist und in welchem Zustand, wo und wann abgeholt werden kann, und ob beim Tragen geholfen werden muss. Sei ehrlich bei Mängeln, gerade beim Verschenken. Ein Sofa mit Katzenkratzern an der Seite ist verschenkt in einer Stunde weg, wenn es dasteht, und führt zu Ärger an der Tür, wenn es verschwiegen wird. Und leg einen Zeitraum fest statt eines Termins, sonst wartest du einen ganzen Tag auf jemanden, der nicht kommt.
Bei allem über zwanzig Euro lohnt der Versuch, und eine Anzeige ist hier schneller geschrieben als der Weg zum Wertstoffhof gefahren. Anzeige aufgeben
Was der Sperrmüll nicht mitnimmt
Private Haushalte müssen ihre Abfälle nach § 17 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes grundsätzlich dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger überlassen, also der kommunalen Abfallwirtschaft. Was als Sperrmüll gilt und wie oft er kostenlos abgeholt wird, legt jede Kommune in ihrer Satzung selbst fest — such nach dem Namen deiner Stadt und dem Wort „Sperrmüllsatzung“, dort steht es verbindlich. Nicht in den Sperrmüll gehören in aller Regel: Elektro- und Elektronikgeräte, Bauschutt, Autoreifen, Farben und Chemikalien, Leuchtstoffröhren, Altöl. Elektrogeräte nimmt der Wertstoffhof, und Händler mit einer Verkaufsfläche für Elektrogeräte von mindestens 400 Quadratmetern müssen kleine Altgeräte kostenlos zurücknehmen, auch ohne Neukauf. Das gilt für Geräte bis 25 Zentimeter Kantenlänge und ist der bequemste Weg für Föhn, Toaster und Kabelsalat. So stellt sich die Rechtslage im Regelfall dar; beraten wird hier niemand.
Die Sachen, bei denen sich der Aufwand doch lohnt
Es gibt Gegenstände, die viel älter aussehen, als ihr Marktwert vermuten lässt, und die deshalb regelmäßig auf dem Sperrmüll landen. Handwerkzeug ohne Strom: Hobel, Ambosse, Schraubstöcke, Zwingen, alte Bohrmaschinen bekannter Marken. Nähmaschinen aus Metall. Massivholzmöbel, auch zerkratzt, weil sie abgeschliffen werden. Fahrräder, selbst mit platten Reifen. Alles aus Kupfer und Messing. Röhrenverstärker und Lautsprecher aus den Siebzigern. Und Baumaterial, das übrig ist: Fliesen, Dielen, Dachziegel, Steine, weil jemand genau die zwölf Stück zum Ausbessern sucht. Bei diesen Kategorien lohnt sich sogar eine schlechte Anzeige mit einem einzigen Foto — der Markt findet sie trotzdem, wenn Marke, Material und Ort im Titel stehen. Wer danach sucht, sucht sehr gezielt und vergleicht nicht lange.
Häufige Fragen
Darf ich Sachen zum Mitnehmen an die Straße stellen?
In den meisten Kommunen nicht, auch nicht mit einem Zettel. Was auf dem Gehweg steht, gilt als Abfall, und für die Verunreinigung haftest du. Erlaubt und wirksam ist der Weg über eine Anzeige mit Abholzeitraum oder ein Verschenkeregal, wo die Kommune es ausdrücklich vorsieht.
Kostet Sperrmüll etwas?
Das hängt von der Satzung deiner Kommune ab. Viele bieten eine bestimmte Zahl kostenloser Abholungen pro Jahr und Haushalt an, oft ein bis zwei, mit Mengenbegrenzung nach Kubikmetern. Darüber hinaus wird abgerechnet. Die Wartezeit zwischen Anmeldung und Abholung ist dabei der kritischere Faktor.
Lohnt es sich, kaputte Geräte zu verkaufen?
Bei Marken mit Ersatzteilmarkt ja: Kaffeevollautomaten, Werkzeugakkus, Fahrräder, Nähmaschinen, Verstärker. Schreib defekt in den Titel, beschreibe den Fehler genau und verkauf ausdrücklich als Bastlerware. Bei No-Name-Elektronik lohnt es nicht — die gehört auf den Wertstoffhof, weil dafür niemand Ersatzteile sucht.
Was mache ich mit einem alten Sofa, das niemand will?
Erst als zu verschenken mit Abholzeitraum und ehrlichen Fotos inserieren, drei Tage warten. Kommt nichts, prüf Sozialkaufhäuser, die manchmal abholen. Bleibt es dabei, geht es auf den Sperrmüll — mit angemeldetem Termin, nicht einfach an den Straßenrand gestellt, denn dafür haftest du.