Textilkennzeichnung
Textilkennzeichnung ist die Pflicht, bei Textilien die Faserzusammensetzung in Prozent anzugeben — sie trifft den, der neue Textilien auf dem Markt bereitstellt, nicht dich, wenn du deine getragene Jacke weitergibst.
Wie die Angabe in guten Kleideranzeigen aussieht
„Wollmantel, 80 Prozent Schurwolle, 20 Prozent Polyamid, Größe 38, Futter intakt, zwei kleine Mottenlöcher am linken Ärmel“ — eine Anzeige, die kaum Rückfragen erzeugt. Die Faserangabe steht im eingenähten Etikett; fehlt es, schreibst du „Etikett herausgetrennt, Material nicht sicher bestimmbar“ statt zu raten. Falsche Materialangaben sind einer der häufigsten Gründe für Ärger nach dem Kauf, weil Käufer gezielt nach Material suchen: Wer eine Wollallergie hat oder reine Baumwolle sucht, entscheidet an dieser Zeile. Dazu gehören Maße statt bloßer Größe und die Angabe, bei wie viel Grad gewaschen wurde.
Der Irrtum: Ohne Etikett darf man nichts verkaufen
Doch, man darf. Die Kennzeichnungspflicht der EU-Textilkennzeichnungsverordnung richtet sich an Hersteller, Importeure und Händler, die Textilien auf dem Markt bereitstellen — der private Weiterverkauf getragener Kleidung ist etwas anderes. Umgekehrt gilt: Wer als Reseller regelmäßig neue oder ungetragene Ware anbietet, muss die Faserzusammensetzung angeben, in Prozent und mit den in der Verordnung festgelegten Faserbezeichnungen. „Baumwollmischung“ genügt dann nicht. Ein Punkt bleibt auch privat verbindlich: Was du angibst, muss stimmen, denn eine falsche Angabe ist ein Mangel. Das gibt den üblichen Rahmen wieder und ersetzt keine rechtliche Prüfung.
Häufige Fragen
Muss ich in meiner Kleideranzeige das Material angeben?
Pflicht ist es privat nicht, sinnvoll fast immer. Die Materialzeile beantwortet die häufigste Rückfrage und sortiert Interessenten vor. Steht keine Faserangabe im Etikett, schreibst du das offen hin, statt zu schätzen: Eine fehlende Angabe ist kein Problem, eine falsche schon, denn sie ist ein Mangel.
Was schreibe ich, wenn das Materialetikett fehlt?
Genau das: Etikett herausgetrennt, Material nicht sicher bestimmbar, Griff fühlt sich nach Baumwolle an. Damit ist erkennbar, dass es eine Einschätzung ist und keine Zusage. Ergänze Maße statt Konfektionsgröße — Schulterbreite, Brustumfang flach gemessen, Gesamtlänge —, denn danach entscheiden Käufer ohnehin.