Welche Bücher wertvoll sind
Wertvoll ist ein Buch, wenn Erstausgabe, guter Zustand und tatsächliche Nachfrage zusammenkommen. Das trifft auf einen kleinen Teil aller Bücher zu. Der Rest — Buchclub-Ausgaben, Taschenbücher, Ratgeber, Bestseller in Millionenauflage — bringt Centbeträge, ganz gleich, wie alt er ist oder wie schön er aussieht.
Die Auflage steht im Impressum, nicht auf dem Umschlag
Auf einer der ersten Seiten hinter dem Titelblatt steht das Impressum, und dort verstecken sich die Angaben, die den Preis bestimmen. Viele Verlage drucken eine Zahlenreihe, oft in der Form „1 2 3 4 5 6“ oder mit Jahreszahlen daneben. Die niedrigste noch vorhandene Zahl nennt die Auflage: Steht die Eins noch da, hältst du eine erste Auflage in der Hand. Fehlt sie, ist es ein späterer Druck. Daneben stehen Verlag, Erscheinungsjahr und Copyright-Vermerk. Ein weiteres Datierungsmerkmal ist die ISBN: Seit dem 1. Januar 2007 ist sie dreizehnstellig, davor zehnstellig, und Bücher ganz ohne ISBN stammen in der Regel aus der Zeit vor ihrer Einführung in den siebziger Jahren. Fotografiere das Impressum — bei jedem Buch, von dem du glaubst, es könnte etwas wert sein.
Der Schutzumschlag ist bei alten Büchern der halbe Preis
Bei Sammlerbüchern des zwanzigsten Jahrhunderts entscheidet der Schutzumschlag über einen erheblichen Teil des Werts, weil er das Erste ist, was weggeworfen wird. Ein Buch mit intaktem Originalumschlag kann ein Vielfaches desselben Buchs ohne Umschlag bringen. Prüfe deshalb Kanten, Kopfschnitt und Falzen des Umschlags und fotografiere ihn separat. Weitere Zustandsmerkmale, nach denen gefragt wird: Widmungen und Besitzeinträge auf dem Vorsatzblatt, Stempel von Bibliotheken oder Buchclubs, Anstreichungen im Text, ein gebrochener Buchrücken, Wasserränder, Stockflecken auf dem Schnitt. Buchclub-Ausgaben sind ein eigener Fall: Sie sehen aus wie Verlagsausgaben, sind aber Lizenzdrucke und im Handel praktisch wertlos. Erkennbar sind sie am Vermerk im Impressum und häufig an einer eigenen Nummer statt einer regulären ISBN.
Wenn du das Impressum geprüft und eine Erstauflage gefunden hast, lohnt sich für dieses Buch eine eigene Anzeige mit Auflage und Jahr im Titel. Anzeige aufgeben
Was gesucht wird und was liegen bleibt
Nachfrage gibt es vor allem bei signierten Exemplaren mit nachvollziehbarer Herkunft, bei ersten Auflagen bedeutender Werke, bei Fachliteratur mit kleiner Auflage, bei illustrierten Ausgaben, alten Atlanten und Kochbüchern sowie bei regionalgeschichtlicher Literatur, die es nur einmal gab. Liegen bleiben: Reiseführer und Ratgeber, deren Inhalt veraltet, Schulbücher alter Lehrpläne, Lexika und mehrbändige Enzyklopädien — die schenkt man heute her — und die großen Bestseller der letzten Jahrzehnte, von denen jede zweite Wohnung ein Exemplar besitzt. Bei Belletristik hilft eine einfache Probe: Suche nach Titel und Auflage und sieh, wie viele Angebote es gibt. Bei dreihundert Treffern ist die Frage beantwortet. Konzentrier deine Zeit auf die zehn Bücher, bei denen die Probe knapp ausgeht, und mach aus dem Rest ein Konvolut.
Preis, Preisbindung und Versand
Ein verbreiteter Irrtum: Die Buchpreisbindung gelte auch für dich. Sie gilt nicht. Das Buchpreisbindungsgesetz verpflichtet zur Einhaltung des festgesetzten Preises beim Verkauf neuer Bücher an Letztabnehmer; gebrauchte Bücher sind davon ausgenommen und dürfen zu jedem Preis verkauft werden. Du darfst dein gelesenes Exemplar also für einen Euro abgeben, auch wenn es neu deutlich mehr kostet. Beim Versand rechnest du mit dem Gewicht: Bücher sind schwer, und bei drei Bänden ist die günstige Sendungsklasse schnell überschritten. Für Konvolute lohnt sich die Abholung. Verpacke einzeln versendete Bücher in Luftpolsterfolie und einen passenden Karton, damit die Ecken nicht stauchen — genau dort entstehen die Schäden, wegen derer Käufer später den Preis diskutieren. Das ist die übliche Rechtslage in Kurzform und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Erstausgabe?
Am Impressum. Viele Verlage drucken eine Zahlenreihe, deren niedrigste verbliebene Ziffer die Auflage angibt — steht die Eins noch dort, ist es die erste Auflage. Ergänzend helfen Erscheinungsjahr, Copyright-Vermerk und der Vergleich mit bibliografischen Angaben zur Erstausgabe desselben Titels. Fotografiere die Seite und lass sie mitsprechen.
Sind alte Bücher grundsätzlich wertvoll?
Nein. Bücher aus dem neunzehnten Jahrhundert in Frakturschrift gibt es in großer Zahl, und viele bringen kaum etwas. Wertvoll macht ein Buch die Kombination aus geringer Auflage, gutem Zustand und heutiger Nachfrage. Alter ist nur dann ein Faktor, wenn die anderen beiden ebenfalls stimmen.
Was mache ich mit drei Kisten Bücher?
Zehn Titel einzeln prüfen, den Rest als Konvolut anbieten. Fotografiere die Buchrücken so, dass die Titel lesbar sind, nenne die ungefähre Stückzahl und die Themen. Für Abholer ist ein Kistenpreis attraktiv; Antiquariate nehmen größere Bestände oft nur zu sehr niedrigen Preisen oder gar nicht.
Zählt eine Widmung des Autors als Signatur?
Ja, und meist erhöht sie den Wert — vorausgesetzt, sie ist echt und lässt sich zuordnen. Fotografiere die signierte Seite vollständig und schreib dazu, bei welcher Gelegenheit das Buch signiert wurde, falls du es weißt. Eine Widmung von Tante Erika hingegen mindert den Wert.