Zum Inhalt springen
Anzeige aufgeben

Was Briefmarken heute wert sind

Der Katalogwert einer Briefmarke ist keine Preisangabe, sondern ein Orientierungswert für einwandfreie Stücke — der tatsächlich erzielbare Preis liegt bei Massenware weit darunter. Wertvoll sind seltene Einzelmarken, geprüfte Stücke und vollständige Sammlungen mit Qualität. Ein Album voller Marken aus den Achtzigern gehört nicht dazu.

Katalogwert ist eine Bewertungsstufe, kein Preisschild

Der bekannteste Katalog für deutsche Briefmarken bewertet jede Ausgabe in verschiedenen Erhaltungen. Diese Zahl setzt makellose Qualität voraus: bei postfrischen Marken eine unversehrte Originalgummierung ohne Falzspur, saubere Zähnung an allen Seiten, keine dünnen Stellen im Papier. Sobald eine dieser Bedingungen fehlt, sinkt der Wert erheblich — und in einer durchschnittlichen Nachlass-Sammlung fehlt fast immer eine. Der zweite Grund für die Lücke zwischen Katalog und Markt ist das Angebot: Von den meisten Ausgaben der Nachkriegszeit sind riesige Mengen vorhanden, und es gibt schlicht mehr Verkäufer als Sammler. Für dich heißt das: Rechne nicht mit Prozentsätzen des Katalogwerts, sondern sieh nach, was vergleichbare Sammlungen tatsächlich erzielt haben. Das ist eine ernüchternde, aber nützliche Zahl.

Postfrisch, ungebraucht, gestempelt — und was das für den Preis heißt

Drei Begriffe, die man beim Verkauf auseinanderhalten muss. Postfrisch heißt: nie verwendet, Gummierung unberührt, kein Falz. Ungebraucht heißt: nie verwendet, aber mit Falzspur oder ohne Gummi. Gestempelt heißt: gelaufen, mit Entwertung. Die Preisunterschiede zwischen diesen Zuständen sind bei manchen Ausgaben dramatisch, bei anderen umgekehrt — es gibt Marken, bei denen der saubere, echt gelaufene Stempel wertvoller ist als das postfrische Stück. Bei gestempelten Marken zählt außerdem der Stempel selbst: klar, lesbar, mit Datum und nicht über das Motiv gedruckt. Für ganze Briefe gilt die Regel, dass sie nie von der Marke getrennt werden dürfen — ein sogenannter Ganzstück-Beleg kann ein Mehrfaches der einzelnen Marke wert sein, und wer die Marke ablöst, vernichtet den Wert.

Wenn du ein paar Albumseiten fotografiert hast, kannst du die Sammlung mit Sammelgebiet und Zeitraum im Titel einstellen. Anzeige aufgeben

Der Irrtum mit dem Frankieren

Viele Sammlungen werden mit dem Gedanken bewertet, man könne die Marken notfalls zum Frankieren verwenden. Für D-Mark-Marken stimmt das nicht mehr: Briefmarken mit DM-Nennwert waren nur bis zum 30. Juni 2002 zum Frankieren gültig. Danach verloren sie ihre Frankaturgeltung, unabhängig davon, wie gut sie erhalten sind. Marken der Deutschen Bundespost mit Euro-Wert sind ein eigener Fall, bei dem die Post im Lauf der Jahre Umstellungen vorgenommen hat — informiere dich vor einem Verkauf auf der Seite des Anbieters, welche Ausgaben aktuell noch angenommen werden. Für den Sammlermarkt spielt die Frankaturgeltung ohnehin kaum eine Rolle: Dort zählen Ausgabe, Erhaltung und Prüfung. Der Restwert als Porto ist der Boden, unter den ein Konvolut nicht fällt — aber eben nur, solange die Marken überhaupt noch gültig sind.

So bietest du eine Sammlung an

Sortiere nicht um. Alben und Steckbücher werden so verkauft, wie sie angelegt wurden, denn eine gewachsene Sammlung ist für Käufer leichter einzuschätzen als eine neu sortierte Tüte. Fotografiere mehrere aufgeschlagene Seiten, nicht nur den Einband, und nenne im Text die Sammelgebiete, den ungefähren Zeitraum und ob es sich um postfrische oder gestempelte Ware handelt. Nenne außerdem das Gewicht oder die Zahl der Alben — Sammler kalkulieren damit. Für hochwertige Einzelstücke gibt es Verbandsprüfer, die Echtheit und Erhaltung bescheinigen; ein Prüfattest hebt den Preis deutlich, lohnt sich aber erst ab einem entsprechenden Wert. Und wasche, bleiche und beschneide nichts. Wer eine Marke vom Papier ablöst, ohne zu wissen, was er tut, verwandelt regelmäßig ein wertvolles Stück in ein wertloses.

Häufige Fragen

Was ist die Sammlung meines Vaters wert?

In den meisten Fällen deutlich weniger als der Katalogwert, oft ein kleiner Bruchteil davon. Sammlungen aus den sechziger bis neunziger Jahren sind in großer Zahl vorhanden. Wertvoll wird es bei frühen Ausgaben, geprüften Einzelstücken und guten Erhaltungen. Fotografiere ein paar Albumseiten und lass dir Angebote machen, bevor du eine Zahl erwartest.

Soll ich die Marken einzeln oder als Album verkaufen?

Als Album, außer du hast nachweislich seltene Einzelstücke. Einzelverkauf lohnt sich nur bei Marken, deren Wert die Zeit für Beschreibung, Foto und Versand rechtfertigt. Bei Massenware ist das nie der Fall — dort verkauft die Menge, nicht die einzelne Marke.

Sind gestempelte Marken wertlos?

Nein, aber meist günstiger als postfreie Stücke derselben Ausgabe. Es gibt Ausnahmen, bei denen ein klarer, datierter Stempel den Wert erhöht. Entscheidend ist, dass der Stempel echt, lesbar und nicht über das ganze Motiv gedruckt ist. Marken auf ganzen Briefen lässt du in jedem Fall auf dem Beleg.

Kann ich alte Marken noch aufkleben?

DM-Marken nicht mehr, deren Gültigkeit endete Mitte 2002. Bei Euro-Marken kommt es auf die Ausgabe an; die Post hat hier über die Jahre Umstellungen vorgenommen. Prüfe das vor dem Verkleben auf der Seite des Anbieters, statt eine Sendung zu riskieren, die als unfrei zugestellt wird.

Alben im Schrank werden nicht wertvoller, nur staubiger

Sammlung kostenlos anbieten

Anzeige jederzeit ändern oder löschen — mit einem Klick

Weiterführend

Stand: 2026-08-24 · Geschrieben von der zweito-Redaktion. Rechtliche Angaben beschreiben die übliche Rechtslage und ersetzen keine Rechtsberatung.