Die Online-Wache der Polizei nutzen
Die Online-Wache ist das Anzeigeformular der Polizei deines Bundeslandes, erreichbar rund um die Uhr und kostenlos. Sie ersetzt keinen Notruf: Bei einer laufenden Straftat wählst du 110. Du füllst das Formular aus, bekommst eine Eingangsbestätigung per Mail, und die Anzeige geht an die zuständige Dienststelle.
Sechzehn Länder, sechzehn Formulare
Polizei ist Ländersache, deshalb gibt es keine bundesweite Online-Wache, sondern eine je Landespolizei — mal heißt sie Internetwache, mal Onlinewache, mal Online-Anzeige. Der Funktionsumfang unterscheidet sich spürbar. Manche Portale nehmen Dateianhänge entgegen, andere nicht; manche bieten ein Feld für den Strafantrag, andere setzen ihn voraus; manche erlauben eine Anzeige gegen unbekannt in wenigen Klicks, andere führen dich durch einen längeren Fragebogen. Nimm die Wache des Landes, in dem du wohnst — die Weiterleitung an die örtlich zuständige Dienststelle passiert intern. Kannst du keine Dateien anhängen, schreib in den Sachverhalt einen Satz wie „Screenshots und Überweisungsbeleg liegen vor und werden auf Anforderung übersandt“. Dann steht in der Akte, dass es Beweise gibt, und du wirst danach gefragt.
Was du vorher zusammenstellst
Bereite alles vor, bevor du das Formular öffnest, denn viele Portale speichern keinen Zwischenstand und laufen nach einer Weile in eine Zeitüberschreitung. Auf die Liste gehören: der vollständige Chatverlauf als Export oder als lückenlose Screenshot-Serie mit sichtbaren Zeitstempeln, die Anzeige selbst mit Titel, Preis und Anzeigennummer, der Zahlungsbeleg mit Datum und Uhrzeit, IBAN und Name des Kontoinhabers exakt so, wie sie dir genannt wurden, jede Telefonnummer und Mailadresse, der Profilname und die Profil-URL. Schreib den Ablauf vorher in einem Textprogramm auf und kopier ihn dann in das Feld — sachlich, in der Reihenfolge der Ereignisse, ohne Bewertungen. Speichere alles zusätzlich lokal ab: Profile und Anzeigen verschwinden oft innerhalb von Stunden.
Die meisten dieser Anzeigen entstehen nach einer Zahlung ohne Sicherheit — beim eigenen Verkauf legst du in der Anzeige fest, wie bezahlt wird. Anzeige aufgeben
Wo das Formular an Grenzen stößt
Die Online-Wache ist ein Briefkasten, kein Gespräch. Es gibt keine Rückfrage in Echtzeit, keine Beratung, keine Einschätzung, ob sich der Aufwand lohnt. Anonyme Anzeigen sind in den meisten Ländern nicht vorgesehen; du gibst Namen und Anschrift an. Für Fälle mit Gefahr im Verzug, für Gewaltdelikte und für alles, wo Spuren gesichert werden müssen, ist sie der falsche Kanal — dort gehst du persönlich hin oder rufst an. Auch wenn du den Täter kennst und ihm begegnen könntest, ist das persönliche Gespräch auf der Wache besser, weil sofort entschieden werden kann. Und noch etwas: Eine Anzeige über die Online-Wache ist keine Meldung an das Portal. Die Anzeige dort zu melden, damit sie verschwindet, musst du zusätzlich tun.
Nach dem Absenden
Speicher die Eingangsbestätigung und die Vorgangsnummer, die manche Portale sofort erzeugen. Das Aktenzeichen der Staatsanwaltschaft kommt später, häufig erst nach zwei bis vier Wochen. Reich Beweise nach, sobald du eine Dienststelle oder ein Aktenzeichen hast, und nenn es in der Betreffzeile. Parallel laufen die Schritte, die eilig sind und mit der Polizei nichts zu tun haben: Bank anrufen und den Überweisungsrückruf verlangen, beim Bezahldienst den Käuferschutz melden, das Profil und die Anzeige beim Portal melden. Diese Fristen sind kurz, die polizeiliche Bearbeitung ist es nicht. Meld dich nach etwa sechs Wochen einmal nach dem Stand — mehr Druck bringt nichts, weniger Nachfrage manchmal auch nicht. Das ist eine Beschreibung des üblichen Ablaufs, keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Kann ich anonym Anzeige erstatten?
Über die Online-Wache in aller Regel nicht, dort sind Name und Anschrift Pflichtfelder. Anonyme Hinweise nimmt die Polizei zwar entgegen, sie führen aber selten zu Ermittlungen, weil Rückfragen unmöglich sind. Bist du selbst geschädigt, brauchst du die Anzeige unter deinem Namen ohnehin für Bank und Versicherung.
Wie lange dauert es, bis sich jemand meldet?
Rechne mit Wochen, nicht mit Tagen. Die Eingangsbestätigung kommt sofort automatisch, die inhaltliche Bearbeitung beginnt, wenn die zuständige Dienststelle die Akte hat. Bei Vermögensdelikten ohne Gefahr im Verzug sind zwei bis vier Wochen bis zum Aktenzeichen normal. Nachfragen lohnt sich frühestens danach.
Welche Online-Wache ist zuständig, wenn der Täter woanders wohnt?
Nutz die deines eigenen Bundeslandes. Die Anzeige wird intern an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergeleitet, meist an die am Wohnort des Beschuldigten. Du musst also nicht herausfinden, wo er sitzt — und bei einem gefälschten Profil könntest du es ohnehin nicht.
Kann ich Screenshots hochladen?
Das hängt vom Portal ab; einige Länder erlauben Anhänge bis zu einer bestimmten Größe, andere gar nicht. Geht es nicht, vermerk im Text, dass Beweismittel vorliegen, und reich sie per Mail an die Dienststelle nach, sobald du ein Aktenzeichen hast. Behalte immer die Originaldateien.