Betrugsmaschen erkennen, bevor sie funktionieren
Betrug beim Privatverkauf ist selten kreativ. Es sind immer dieselben sechs Maschen, sie sehen alle harmlos aus, und sie haben eines gemeinsam: Sie funktionieren nur, wenn du den vereinbarten Weg verlässt.
Die eine Regel
Wer dich aus der Plattform herausführen will — auf WhatsApp, auf eine E-Mail-Adresse, auf einen Bezahldienst, den du nicht kennst —, hat dafür einen Grund. Der Grund ist fast nie Bequemlichkeit.
Innerhalb der Plattform gibt es Nachrichtenverläufe, Meldungen und im Zweifel jemanden, der nachsehen kann. Draußen gibt es nichts davon. Deshalb ist der Wechsel des Kanals das erste Zeichen, auf das man achtet — noch vor allem Inhaltlichen.
Erst Geld, dann Ware. Oder Geld und Ware gleichzeitig bei der Übergabe. Eine dritte Reihenfolge gibt es nicht.
Die sechs Maschen
- Der Spediteur: Der Käufer wohnt weit weg, schickt einen Transportdienst und will die Fracht vorstrecken. Es kommt weder Geld noch Spediteur.
- Der überwiesene Betrag, der zu hoch war: „Ich habe aus Versehen 900 statt 90 überwiesen, bitte schick den Rest zurück.“ Die erste Überweisung wird zurückgebucht, deine nicht.
- Der Zahlungsbeleg per Bild: Ein Screenshot einer Überweisung ist kein Geldeingang. Nur dein eigener Kontostand ist einer.
- Der Link zur „Käuferschutz“-Seite: Sieht aus wie ein bekannter Bezahldienst, ist eine nachgebaute Seite, und was du dort eingibst, sind deine Zugangsdaten.
- Der Freundschaftsdienst: Sehr freundlich, sehr gesprächig, will dann eine Nummer für „die Verifizierung“ — das ist ein Code, mit dem ein fremdes Konto auf deine Nummer angelegt wird.
- Die Anzahlung fürs Reservieren: Wer eine Sache reserviert haben will und dafür etwas überweist, hat danach nichts in der Hand. Reservieren kostet nichts.
Bei Abholung
Die Übergabe zu Hause ist bequem und hat einen Nachteil: Fremde wissen dann, wo du wohnst und was du hast. Bei kleinen Sachen ist ein öffentlicher Ort besser — vor einem Geschäft, an einer Tankstelle, meinetwegen vor der Polizeiwache; das ist kein Misstrauen, sondern normal geworden.
Bei Möbeln geht das nicht. Dann: nicht allein sein, das Geld vor der Übergabe zählen, und bei größeren Beträgen die Scheine ansehen. Ein Falschgeldschein fällt beim Anfassen auf, wenn man einmal weiß, worauf man achtet.
Wenn es doch passiert ist
Anzeige bei der Polizei — online geht das in jedem Bundesland. Screenshots vom gesamten Verlauf, bevor du irgendetwas löschst. Und melde das Konto hier, damit es nicht den Nächsten trifft.
Bei einer Überweisung, die gerade erst raus ist: sofort die Bank anrufen. In den ersten Stunden lässt sich manchmal noch etwas machen.
Häufige Fragen
- Ist PayPal „Freunde und Familie“ sicher?
- Für den Verkäufer ja, für den Käufer nein — und genau deshalb wird ein Käufer, der darauf besteht, misstrauisch beäugt. Umgekehrt: Wenn ein Käufer dich bittet, „Freunde und Familie“ zu nehmen, will er dir die Gebühr sparen. Wenn ein Verkäufer darauf besteht, will er den Käuferschutz aushebeln.
- Der Käufer will zuerst die Ware, dann zahlen. Vernünftig?
- Nein. Er kennt dich genauso wenig wie du ihn. Wenn ihr euch nicht treffen könnt, gibt es nur einen fairen Weg: einen Bezahldienst mit Käuferschutz, den ihr beide kennt — und keinen, den einer von euch vorschlägt und der andere noch nie gehört hat.
- Woran erkenne ich ein neu angelegtes Konto?
- Bei zweito steht das Anmeldedatum am Profil. Ein Konto von heute ist kein Beweis für irgendetwas — jeder fängt einmal an —, aber zusammen mit Eile und einem Kanalwechsel ist es das dritte Zeichen, und drei reichen.
Stand: 2026-08-24