Kernsaniert
Kernsaniert bedeutet, dass ein Gebäude bis auf die tragende Konstruktion zurückgebaut und dann neu aufgebaut wurde — Leitungen, Heizung, Fenster, Bäder und häufig auch die Grundrisse sind dabei erneuert.
Die eine Frage, die den Begriff klärt
Weil der Begriff nicht geschützt ist, steht er in Anzeigen für alles zwischen echtem Rückbau und frischer Wandfarbe. Die Frage, die das in einer Minute klärt, lautet: Welche Gewerke wurden in welchem Jahr gemacht? Eine belastbare Antwort klingt so: „2021 neue Elektrik samt Steigleitungen, Abwasserstränge getauscht, Fenster dreifach verglast, Gasetagenheizung raus und Wärmepumpe rein, Bäder und Estrich neu.“ Eine ausweichende klingt so: „Ist alles gemacht worden.“ Bei einer echten Kernsanierung existieren Rechnungen und meist ein Grundriss von vorher. Bitte darum. Wer saniert hat, zeigt das gern; wer gestrichen hat, wird einsilbig.
Der Haken: umfassend saniert hebt die Mietgrenze auf
Für die erste Vermietung nach einer umfassenden Modernisierung gilt die Mietpreisbremse nicht. Das Wort hat in Anzeigen deshalb einen wirtschaftlichen Grund und nicht nur einen beschreibenden. Umfassend ist eine Modernisierung nach der Rechtsprechung allerdings erst dann, wenn der Aufwand dem eines Neubaus nahekommt und die Wohnung in wesentlichen Bereichen verändert wurde — neue Tapeten und ein Laminatboden genügen dafür nicht. Lass dir im Zweifel die Maßnahmen aufschlüsseln und vergleiche die geforderte Miete mit dem örtlichen Mietspiegel. Der Unterschied ist oft dreistellig pro Monat. Hier steht die übliche Rechtslage, keine auf dich zugeschnittene Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen kernsaniert und renoviert?
Renoviert betrifft Oberflächen: streichen, tapezieren, Böden erneuern. Kernsaniert betrifft die Substanz: Leitungen, Heizung, Fenster, Bäder, oft die Grundrisse. Dazwischen liegen Zehntausende Euro und Jahrzehnte Lebensdauer. Wenn in der Anzeige nur „saniert“ steht, hilft allein die Nachfrage nach den einzelnen Gewerken weiter.
Kann ich mich darauf verlassen, was in der Anzeige steht?
Auf Angaben zu Zustand und Ausstattung kannst du dich grundsätzlich verlassen, wenn sie in den Vertrag oder das Exposé eingehen. Bewusst falsche Angaben können den Vertrag angreifbar machen. Praktisch hilft Vorsorge mehr als Streit: Lass dir Sanierungsjahre und ausgeführte Gewerke schriftlich bestätigen, eine Mail genügt dafür.