Wohnmobil gebraucht kaufen
Beim Wohnmobil kaufst du zwei Fahrzeuge in einem: ein Basisfahrzeug mit Motor, Rost und Kilometern und einen Aufbau mit Wasser, Gas und Strom. Prüf beide getrennt und mit unterschiedlichen Fragen. Und rechne vor der Besichtigung nach, ob dein Führerschein für das Gewicht überhaupt reicht.
Erst die Gewichtsrechnung, dann die Besichtigung
Die Fahrerlaubnisklasse B gilt für Fahrzeuge bis 3.500 Kilogramm zulässiger Gesamtmasse. Darüber brauchst du die Klasse C1, die bis 7.500 Kilogramm reicht und regelmäßig verlängert werden muss. Wer seinen Führerschein vor 1999 gemacht hat, hat mit der alten Klasse 3 meist mehr Spielraum — sieh in deinem Kartenführerschein nach, welche Klassen dort eingetragen sind. Der zweite Teil der Rechnung ist die Zuladung: zulässige Gesamtmasse minus Masse in fahrbereitem Zustand. Bei ausgebauten Reisemobilen mit Markise, Fahrradträger, Solaranlage und zweiter Batterie bleibt davon oft weniger übrig als für zwei Personen mit Gepäck nötig wäre. Fahr das Fahrzeug vor dem Kauf auf eine öffentliche Waage und wieg es so, wie es dasteht. Diese Viertelstunde ist die ehrlichste Auskunft, die du über ein Wohnmobil bekommen kannst.
Basisfahrzeug: Rost, Standzeit und Wartung nach Jahren
Die meisten Reisemobile stehen auf Transportern, und die rosten an bekannten Stellen: Radläufe, Schweller, Hinterachsbereich, Federaufnahmen und der Übergang vom Fahrerhaus zum Aufbau. Nimm eine Lampe und sieh von unten. Ein Wohnmobil mit 80.000 Kilometern in zwölf Jahren fährt im Schnitt wenige tausend Kilometer im Jahr — Kurzstrecke und Standzeit sind hier das eigentliche Thema, nicht die Laufleistung. Achte auf Wartungsintervalle, die nach Zeit laufen und nicht nach Kilometern: Zahnriemen, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel. Das Intervall steht im Serviceheft, und genau dort schleifen es viele Besitzer, weil das Fahrzeug ja kaum bewegt wird. Prüf die Reifen: Reisemobilreifen tragen oft die Kennzeichnung CP, und ihr Alter ist an der DOT-Nummer ablesbar. Bei stehenden Fahrzeugen sind Standplatten und Risse in den Flanken häufiger als abgefahrenes Profil.
Wer sein Reisemobil selbst anbietet, nennt Zuladung und Gewicht gleich im Text — das ist die Angabe, an der die meisten Interessenten den Kauf entscheiden. Anzeige aufgeben
Aufbau: Wasser, Strom, Gas — jedes System einzeln testen
Lass dir alles im Betrieb zeigen, nicht erklären. Wasser: Tank füllen, Pumpe laufen lassen, an jedem Hahn prüfen, Boiler aufheizen, Abwassertank ablassen, Frostschutzventil ansehen. Strom: Landstrom anschließen, Fehlerstromschutzschalter auslösen und zurücksetzen, alle Steckdosen prüfen, Alter und Ladezustand der Aufbaubatterie erfragen. Gas: Heizung starten und bis zur warmen Luft laufen lassen, Kocher an jeder Flamme, und der Kühlschrank in allen Betriebsarten, die er kann — 230 Volt, 12 Volt und Gas. Der Kühlschranktest auf Gas fällt am häufigsten aus und ist am teuersten. Dazu die Feuchtigkeitsmessung wie beim Wohnwagen, besonders im Alkoven, an den Dachluken und rund um die Aufbaufenster. Ein Alkoven trocknet nach einem Wasserschaden nicht von allein, und ein weicher Alkovenboden ist ein Ausschlusskriterium.
Was nach dem Kauf regelmäßig kostet
Ein Wohnmobil ist kein Auto mit Bett, sondern ein Fahrzeug mit laufenden Posten. Die Kfz-Steuer richtet sich bei Wohnmobilen nach zulässiger Gesamtmasse und Schadstoffklasse. Dazu kommen Versicherung — mit Saisonkennzeichen deutlich günstiger, wenn du im Winter ohnehin nicht fährst —, die Hauptuntersuchung, die regelmäßige Dichtigkeitsprüfung, die Gasprüfung, ein Stellplatz für den Winter und der Reifensatz, der nach Alter fällig wird, nicht nach Profil. Rechne diese Liste zusammen, bevor du über den Kaufpreis verhandelst. Und lass dir bei der Übergabe alles zeigen, was Schlüssel hat: Aufbautür, Serviceklappen, Gaskasten, Tankdeckel, Fahrradträger. Fehlende Zweitschlüssel für Aufbauschlösser sind ärgerlich und beim Nachmachen erstaunlich teuer. Lass dir außerdem zeigen, wo Wasserfilter, Sicherungen, Hauptschalter und die Absperrhähne der Gasanlage sitzen, und schreib es dir auf. Diese Viertelstunde bei der Übergabe ersetzt später das Handbuch, das ohnehin oft fehlt.
Häufige Fragen
Wie viele Kilometer sind bei einem Wohnmobil normal?
Reisemobile fahren im Schnitt wenige tausend Kilometer im Jahr, deshalb sagt die Laufleistung wenig. Wichtiger ist, ob die zeitabhängigen Wartungen gemacht wurden und wie das Fahrzeug stand. Ein bewegtes Fahrzeug mit höherer Laufleistung ist meist gesünder als eines, das jahrelang unter einer Plane parkte.
Was passiert, wenn ich mit Klasse B ein zu schweres Wohnmobil fahre?
Dann fährst du ohne die erforderliche Fahrerlaubnis, mit allen Folgen für Strafrecht und Versicherungsschutz. Prüf die zulässige Gesamtmasse in den Papieren und nicht das Gefühl beim Sitzen. Eine Ablastung auf 3.500 Kilogramm ist bei manchen Fahrzeugen möglich, kostet dich aber Zuladung.
Lohnt es sich, das Wohnmobil vor dem Kauf zu wiegen?
Ja, und zwar beladen wie im Alltag. Öffentliche Waagen gibt es an Recyclinghöfen und bei Speditionen. Viele Reisemobile sind mit Ausstattung und vollem Wassertank nahe an der Grenze — das ist der Unterschied zwischen einer entspannten Reise und einer teuren Kontrolle.
Muss der Verkäufer mir Wasserschäden nennen?
Verschweigt er einen bekannten Schaden arglistig, hilft ihm sein Haftungsausschluss nicht. Nachweisen musst allerdings du. Deshalb misst du selbst, dokumentierst die Werte mit Fotos und lässt dir zusagen, dass keine Feuchteschäden bekannt sind. Diese Zusage gehört in den Vertrag, nicht in das Gespräch.