Gebrauchte Reifen kaufen
Bei gebrauchten Reifen liest du zuerst die DOT-Nummer: Die letzten vier Ziffern nennen Woche und Jahr der Produktion, 2319 heißt 23. Woche 2019. Danach kommt die Profiltiefe, dann die Innenseite. Gesetzlich ist 1,6 Millimeter das Minimum — praktisch endet die Nässehaftung deutlich früher.
DOT lesen und das Alter einordnen
Die DOT-Kennzeichnung steht auf der Reifenflanke, oft nur auf einer Seite vollständig — wenn du sie nicht findest, dreh das Rad um. Die vier Ziffern am Ende sind Produktionswoche und Produktionsjahr. Reifen aus den neunziger Jahren tragen noch dreistellige Codes; wer so etwas angeboten bekommt, kann aufhören zu lesen. Gummi altert unabhängig von der Laufleistung: Weichmacher wandern aus, die Mischung härtet, die Haftung auf nasser Fahrbahn lässt nach, und in der Flanke entstehen feine Risse. Nach etwa sechs Jahren gehört ein Reifen deshalb genau angesehen, nach zehn Jahren getauscht — unabhängig vom Profil. Beim Kauf eines Satzes vergleichst du alle vier DOT-Nummern. Unterschiedliche Jahre sind normal, aber auf einer Achse sollten Fabrikat, Profil und Alter zusammenpassen. Bei Anhängern, Wohnwagen und Motorrädern zählt das Alter fast immer mehr als die verbleibenden Millimeter.
Profiltiefe: das Gesetz und die Praxis
§ 36 StVZO verlangt über die gesamte Breite der Hauptprofilrillen mindestens 1,6 Millimeter Profiltiefe. Diese Grenze ist das Ende, nicht der Richtwert. In der Praxis wird für Sommerreifen ein Wechsel ab etwa 3 Millimetern empfohlen und für Winterreifen ab etwa 4, weil Aquaplaningverhalten und Bremsweg auf Nässe vorher stark nachlassen. Messen geht ohne Werkzeug: Der Goldrand einer Ein-Euro-Münze ist 3 Millimeter breit, der Silberrand einer Zwei-Euro-Münze 4. Verschwindet der Rand in der Rille, hast du noch genug. Miss an mehreren Stellen und in allen Rillen, nicht nur in der Mitte. Für Winterreifen gilt zusätzlich: Seit dem 1. Oktober 2024 sind bei winterlichen Straßenverhältnissen nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol zulässig, dem Bergpiktogramm mit Schneeflocke. Die alte Kennzeichnung M+S allein reicht nicht mehr. Das gibt die übliche Rechtslage wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.
Wenn du deinen ausgemusterten Satz selbst verkaufst, schreib DOT und Restprofil je Reifen in die Anzeige — damit verkaufst du schneller als über jeden Preisnachlass. Anzeige aufgeben
Was du an Innenseite und Flanke siehst
Dreh den Reifen und sieh dir die Innenschulter an — dort versteckt sich der Verschleiß, den der Verkäufer beim Fotografieren nicht zeigt. Ein einseitig abgefahrener Reifen kommt von falscher Spur oder falschem Sturz und heißt: Das Fahrzeug, aus dem er stammt, hatte ein Fahrwerksproblem. Sägezahnbildung an den Profilblöcken macht Abrollgeräusche, ist aber technisch weniger kritisch. Ernst wird es an der Flanke: Eine Beule ist ein Riss in der Karkasse nach einem Bordsteintreffer, und ein solcher Reifen gehört nicht ans Auto, egal wie gut das Profil ist. Sieh außerdem in den Profilgrund nach feinen Rissen und nach Fremdkörpern. Reparaturen von innen — Pilz oder Pflaster — sind bei fachgerechter Ausführung zulässig, aber der Verkäufer muss sie nennen. Nachgeschnittene Profile sind nur bei entsprechend gekennzeichneten Lkw-Reifen erlaubt, bei Pkw-Reifen nicht.
Was in eine Reifenanzeige gehört
Die vollständige Größenbezeichnung, und zwar wie sie auf der Flanke steht: 205/55 R16 91V. Dazu Fabrikat und Profilname, das Baujahr jedes einzelnen Reifens aus der DOT-Nummer und die gemessene Restprofiltiefe je Reifen, nicht als Spanne. Wer Kompletträder verkauft, ergänzt Lochkreis, Einpresstiefe, Nabendurchmesser, Material der Felge und die Angabe, ob Sensoren für die Reifendruckkontrolle verbaut sind — an dieser Angabe scheitern die meisten Verkäufe. Fotos: jeder Reifen einzeln, Lauffläche und Flanke, dazu ein Bild vom Messgerät in der Rille. Beim Versand rechne mit sperrigen Maßen; Kompletträder sind schwer und teuer im Paket. Für vier Räder ist Abholung fast immer die bessere Lösung, und das gehört gleich in die Anzeige. Nenn dazu, ob du die Reifen einzeln oder nur im Satz abgibst — einzelne Reifen bleiben oft liegen, ein kompletter Satz geht in derselben Woche weg.
Häufige Fragen
Wie alt dürfen gebrauchte Reifen sein?
Eine gesetzliche Altersgrenze für Pkw-Reifen gibt es nicht, aber eine praktische: Ab etwa sechs Jahren siehst du genau hin, ab zehn Jahren gehört der Reifen nicht mehr ans Auto. Lies die vierstellige DOT-Nummer, prüf die Flanke auf feine Risse und vergleich alle Reifen eines Satzes.
Sind M+S-Reifen noch als Winterreifen erlaubt?
Nur mit Alpine-Symbol. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten bei Schnee, Glätte und Matsch ausschließlich Reifen mit dem Bergpiktogramm samt Schneeflocke als wintertauglich. Die alte Aufschrift M+S allein genügt nicht mehr. Sieh vor dem Kauf auf die Flanke — nachrüsten lässt sich das Symbol nicht.
Kann ich Reifen mit unterschiedlichem Profil auf einer Achse fahren?
Technisch möglich, sinnvoll ist es nicht. Unterschiedliche Fabrikate und Profile bremsen und lenken unterschiedlich, besonders bei Nässe. Kauf gebrauchte Reifen deshalb paarweise für eine Achse und montier das Paar mit mehr Profil hinten — dort verhindert es das Ausbrechen des Hecks.
Woran erkenne ich, dass ein Reifen repariert wurde?
Von innen: Dort sitzt bei fachgerechter Reparatur ein Pflaster oder ein Pilz über der Einstichstelle. Von außen siehst du oft nur einen kleinen Gummistopfen im Profil. Frag ausdrücklich danach — eine sauber ausgeführte Reparatur ist zulässig, eine verschwiegene ist ein Grund, den Reifen liegen zu lassen.