Elektroschrott vom Verkaufbaren trennen
Die Trennlinie verläuft nicht zwischen heil und kaputt, sondern zwischen reparierbar und nicht reparierbar. Geräte mit Ersatzteilversorgung verkaufen sich auch defekt als Ersatzteilspender, wenn du den Fehler genau beschreibst. Alles andere gehört zur Rücknahme: Elektrohändler ab 400 Quadratmetern Verkaufsfläche nehmen Kleingeräte bis 25 Zentimeter kostenlos an, auch ohne Neukauf.
Drei Fragen entscheiden über jedes Gerät
Erstens: Läuft es? Zweitens: Wenn nicht, ist der Fehler benennbar? Drittens: Gibt es das Modell noch als Ersatzteilquelle? Ein Laptop, der nicht mehr startet, ist für den Bastler interessant, weil Display, Tastatur, Gehäuse und Speicher weiterverwendbar sind. Eine No-Name-Bluetoothbox von vor sechs Jahren ist es nicht. Der Unterschied ist die Ersatzteilnachfrage, und die kannst du in Minuten abschätzen: Suche nach dem Modellnamen zusammen mit dem Wort Ersatzteil. Findest du Angebote, hat dein Gerät auch defekt einen Markt. Beschreib den Fehler dann so konkret wie möglich — „startet nicht, Betriebs-LED bleibt dunkel, Netzteil geprüft und in Ordnung“ ist eine Angabe, mit der jemand rechnen kann. Vage Formulierungen wie „ging zuletzt nicht mehr richtig“ verhindern den Verkauf zuverlässiger als der Defekt selbst.
Defekt verkaufen: erlaubt, aber nur ehrlich
Du darfst defekte Geräte privat verkaufen. Was du nicht darfst, ist einen bekannten Defekt verschweigen: Ein vereinbarter Haftungsausschluss hilft dir nicht, soweit du einen Mangel arglistig verschwiegen hast. Schreib deshalb in Titel und Text „defekt“ oder „Ersatzteilspender“, nicht nur in eine Randbemerkung, und nenne, was du getestet hast und was nicht. Dazu gehört auch der ehrliche Satz „ungetestet, da kein passendes Netzteil vorhanden“, wenn das der Fall ist. Preislich liegen Ersatzteilspender bei einem Bruchteil des Gebrauchtwerts, aber sie gehen weg, und das spart dir den Weg zur Sammelstelle. Zwei Ausnahmen bleiben: Geräte mit ausgelaufenen oder aufgeblähten Lithium-Akkus verkaufst du nicht, und Geräte, die zurückgerufen wurden, ebenfalls nicht. Das ist der Regelfall, kein Rechtsrat für deinen Einzelfall.
Wenn der Fehler benennbar ist, ist das Gerät verkäuflich — [beschreib ihn genau in einer Anzeige als Ersatzteilspender](/anzeige/neu?kategorie=elektronik&thema=defekt) statt es wegzugeben. Anzeige aufgeben
Vor jeder Weitergabe: Daten löschen, Akku raus
Alles, was jemals mit einem Netzwerk verbunden war, trägt Daten. Bei Handys und Tablets führst du das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen aus und entfernst vorher die Kontosperre, sonst ist das Gerät für den Käufer wertlos. Bei Computern reicht Formatieren nicht immer; die Systemfunktion zum vollständigen Zurücksetzen mit Datenlöschung ist der sicherere Weg, bei alten Festplatten das Überschreiben. Weniger offensichtliche Fälle: Drucker mit WLAN speichern Zugangsdaten, Navigationsgeräte die Heimatadresse, Fitnessgeräte und Fernseher Konten und Passwörter. Nimm Speicherkarten und SIM heraus, jede einzeln. Für die Entsorgung gilt außerdem: Batterien und Akkus müssen vor der Abgabe entnommen werden, soweit sie zerstörungsfrei entnehmbar sind. Fest verbaute Akkus bleiben drin, du meldest das aber an der Annahmestelle, damit das Gerät richtig behandelt wird.
Wer Altgeräte zurücknehmen muss
Neben dem kommunalen Wertstoffhof gibt es eine Rücknahmepflicht im Handel. Vertreiber mit einer Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte von mindestens 400 Quadratmetern müssen Altgeräte, deren längste Kante höchstens 25 Zentimeter misst, kostenlos zurücknehmen — ohne dass du etwas Neues kaufen musst. Größere Geräte nehmen sie beim Kauf eines gleichartigen Neugeräts an. Der Online-Handel ist mit seinen Lager- und Versandflächen einbezogen. Praktisch heißt das: Kabelsalat, Handys, Ladegeräte, elektrische Zahnbürsten, Fernbedienungen und Kleinstgeräte kannst du bei jedem größeren Elektromarkt abgeben. Für Lampen gibt es zusätzlich Sammelboxen im Handel; Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen enthalten Quecksilber und gehören nie in den Restmüll. Und: Ein durchgestrichener Mülltonnen-Aufdruck auf dem Gerät bedeutet genau das — nicht in den Hausmüll.
Häufige Fragen
Kann ich ein defektes Handy noch verkaufen?
Ja, häufig sogar zu erstaunlichen Preisen, wenn Modell und Fehler genannt sind. Displaybruch, defekter Ladeanschluss oder schwacher Akku sind bei gängigen Modellen wirtschaftlich reparierbar. Wichtig: Kontosperre vorher entfernen und alle Daten löschen, sonst ist das Gerät gesperrt und für Käufer nicht mehr nutzbar.
Muss ich für die Abgabe von Elektroschrott bezahlen?
In der Regel nicht. Kommunale Sammelstellen nehmen Elektroaltgeräte aus Privathaushalten kostenlos an, große Elektrohändler ebenso. Gebühren fallen allenfalls bei Anlieferung größerer Mengen oder bei Geräten an, die aus gewerblicher Nutzung stammen. Die Rückgabe eines einzelnen Haushaltsgeräts kostet dich nichts, auch dann nicht, wenn du nichts Neues kaufst.
Wie lösche ich Daten von einem alten Computer richtig?
Über die Systemfunktion zum Zurücksetzen mit vollständiger Datenlöschung oder durch Überschreiben der Festplatte. Einfaches Löschen und Formatieren reicht nicht, die Daten bleiben rekonstruierbar. Bei sehr alten Rechnern ist der sicherste Weg, die Festplatte auszubauen und zu behalten — verkauft wird der Rechner dann ohne Datenträger.
Was tue ich mit einem aufgeblähten Akku aus einem Altgerät?
Nicht verkaufen, nicht drücken, nicht durchstechen. Leg ihn in einen nicht brennbaren Behälter, klebe die Pole ab und bring ihn zeitnah zu einer Sammelstelle für Lithiumbatterien — viele Wertstoffhöfe haben dafür einen eigenen Behälter. Lagerung neben Textilien oder Papier ist die häufigste Ursache für Brände in Haushalten.