Winterreifen: O bis O und die Preise
Gebrauchte Winterreifen kaufst du am günstigsten im Februar und März, verkaufen lohnt sich im September und Oktober. Die Faustregel „von O bis O“ beschreibt die Nutzungszeit von Oktober bis Ostern — und genau davor ziehen die Preise an. Im Frühjahr zahlst du für dasselbe Profil deutlich weniger.
Im September sucht jeder, im Februar niemand
Der Reifenmarkt ist der am klarsten getaktete Gebrauchtmarkt überhaupt. Sobald der erste Wetterbericht Bodenfrost meldet, füllen sich die Suchanfragen, und wer dann vier passende Reifen anbietet, verkauft sie am selben Tag. Vier Monate später sucht dieselbe Größe niemand mehr, obwohl die Reifen unverändert gut sind. Für dich als Verkäufer heißt das: einstellen in der zweiten Septemberhälfte, nicht im November, wenn schon alle montiert haben. Als Käufer drehst du es um und kaufst im Februar oder März, wenn die Leute umrüsten und feststellen, dass ihr Satz eine Größe zu klein für das neue Auto ist. Wenn du weißt, welche Größe du im Herbst brauchst, kauf sie im Frühjahr und lager sie ein — liegend gestapelt ohne Felge, stehend mit Felge, dunkel und trocken.
O bis O ist eine Faustregel, das Gesetz sagt etwas anderes
In der Straßenverkehrs-Ordnung steht kein Datum. § 2 Absatz 3a StVO regelt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit wintertauglicher Bereifung gefahren werden. Es kommt also auf die Straßenverhältnisse an, nicht auf den Kalender. Wer bei solchen Verhältnissen mit Sommerreifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld und einen Punkt, und im Schadensfall stellt die Versicherung Fragen. Genau deshalb hält sich die Faustregel von Oktober bis Ostern so hartnäckig: Sie deckt den Zeitraum ab, in dem solche Verhältnisse auftreten können, und niemand muss jeden Morgen den Wetterbericht auswerten. Für den Gebrauchtmarkt bedeutet sie vor allem einen Termin, an dem alle gleichzeitig suchen. Für eine Anzeige ist das relevant, weil du damit ehrlich argumentieren kannst: Ein Satz Winterreifen ist keine Saisondeko, sondern die Voraussetzung dafür, an einem einzigen Glatteismorgen überhaupt losfahren zu dürfen. Das ist eine Beschreibung der geltenden Rechtslage und keine Rechtsberatung für deinen Fall.
Wenn dein alter Satz nach dem Autowechsel im Keller liegt, bring ihn im September online, solange gesucht wird — eine Reifenanzeige mit Fotos der Flanke ist schnell erstellt. Anzeige aufgeben
Seit Oktober 2024 zählt nur noch das Alpine-Symbol
Wintertauglich ist ein Reifen heute nur mit dem Alpine-Symbol, dem Bergpiktogramm mit der Schneeflocke. Die reine M+S-Kennzeichnung genügt nicht mehr: Für M+S-Reifen, die vor dem 1. Januar 2018 hergestellt wurden, lief eine Übergangsfrist, und die endete am 30. September 2024. Das ist der wichtigste Punkt beim Gebrauchtkauf, weil viele ältere Sätze weiterhin angeboten werden und optisch völlig in Ordnung aussehen. Schau also nicht nur auf das Profil, sondern auf die Flanke. Als Verkäufer fotografierst du die Flanke so, dass Größenbezeichnung, M+S und das Alpine-Symbol lesbar sind — ein Bild spart dir jede Diskussion. Fehlt das Symbol, schreib es hin und biete die Reifen als das an, was sie sind: brauchbar für Anhänger, Hof oder Zweitfahrzeug, aber nicht für den Winterbetrieb auf der Straße.
Profiltiefe, DOT und RDKS gehören in die Anzeige
Drei Zahlen machen aus einer Reifenanzeige eine, auf die jemand antwortet. Erstens die Profiltiefe je Reifen in Millimetern, gemessen mit einer Messlehre in der Mitte und an beiden Schultern. Gesetzlich sind mindestens 1,6 Millimeter vorgeschrieben, das steht in § 36 Absatz 2 StVZO; für Winterbetrieb wird üblicherweise deutlich mehr empfohlen, und unter vier Millimetern verkaufst du realistisch nur noch billig. Zweitens die DOT-Nummer: Die letzten vier Ziffern nennen Produktionswoche und Jahr, „3620“ heißt also 36. Woche 2020. Drittens, ob Felgen dabei sind, mit Lochkreis, Einpresstiefe und der Angabe, ob RDKS-Sensoren verbaut sind und funktionieren. Dazu die vollständige Größenbezeichnung inklusive Last- und Geschwindigkeitsindex. Wer diese Angaben liefert, bekommt Anfragen von Leuten, die genau diesen Satz brauchen, statt zwanzig Nachrichten mit „Passt das auf einen Golf?“.
Häufige Fragen
Wann kaufe ich gebrauchte Winterreifen am günstigsten?
Im Februar und März, wenn die Umrüstsaison endet. Dann verkaufen Leute Sätze, die sie nach einem Autowechsel nicht mehr brauchen, und es sucht kaum jemand. Im September und Oktober kostet dieselbe Größe erheblich mehr und ist schneller weg. Wer die Größe kennt, kauft antizyklisch und lagert bis zum Herbst ein.
Reichen alte M+S-Reifen noch aus?
Nein, nicht bei winterlichen Straßenverhältnissen. Seit dem 1. Oktober 2024 muss ein Reifen dafür das Alpine-Symbol tragen, die Schneeflocke im Bergpiktogramm. Reine M+S-Kennzeichnung genügt nicht mehr. Prüf die Flanke, bevor du kaufst, und lass dir im Zweifel ein scharfes Foto der Beschriftung schicken.
Wie viel Profil sollten gebrauchte Winterreifen haben?
Gesetzlich sind 1,6 Millimeter das Minimum nach § 36 Absatz 2 StVZO. Für den Winterbetrieb wird deutlich mehr empfohlen, üblicherweise ab vier Millimetern. Lass dir die Profiltiefe je Reifen nennen, nicht als Durchschnitt, und frag nach der DOT-Nummer: Alte Reifen härten aus, auch wenn das Profil noch hoch ist.
Was bedeutet die vierstellige Zahl auf dem Reifen?
Sie steht für Produktionswoche und Jahr. „0819“ heißt achte Kalenderwoche 2019. Die Zahl steht am Ende der DOT-Kennzeichnung auf der Flanke, manchmal nur auf einer Seite des Reifens. Nenn sie in deiner Anzeige, denn beim Gebrauchtkauf ist das Alter neben dem Profil die wichtigste Angabe überhaupt.