Wie ein Kaufvertrag zustande kommt
Ein Kaufvertrag entsteht durch zwei übereinstimmende Willenserklärungen: Angebot und Annahme, §§ 145 ff. BGB. Eine Form braucht es nicht — der Chatverlauf reicht, ein Handschlag auch. Die Anzeige selbst ist noch kein Angebot, sondern eine Einladung, eines abzugeben. Verbindlich wird es mit dem einverstandenen Ja.
Die Anzeige ist eine Einladung, kein Angebot
Wer inseriert, verpflichtet sich zu nichts. Juristisch ist die Anzeige eine Aufforderung, ein Angebot abzugeben — sonst wäre ein Verkäufer an jeden gebunden, der zuerst auf Kaufen tippt, und müsste dasselbe Sofa fünfmal liefern. Daraus folgt zweierlei. Erstens: Du darfst den Preis ändern, die Anzeige löschen oder an jemand anderen verkaufen, solange du nicht zugesagt hast. Zweitens: Auch ein Tippfehler im Preis bindet dich nicht automatisch, weil noch gar kein Angebot vorliegt. Umgekehrt heißt es für Käufer: Der Satz ist noch verfügbar ändert nichts, es gibt keinen Anspruch auf Reservierung. Wer sicher gehen will, macht den Termin fest und lässt sich die Zusage schriftlich geben. Erst diese Zusage schafft Verbindlichkeit.
Welcher Satz das Angebot ist und welcher die Annahme
Ein Angebot ist eine Erklärung, die so bestimmt ist, dass ein einfaches Ja genügt. Ich nehme das Rad für 120 Euro und hole es Samstag ab ist ein Angebot. Was ist Ihr letzter Preis ist keins. Antwortest du darauf mit In Ordnung, dann Samstag um 14 Uhr, ist der Vertrag geschlossen — ohne Papier, ohne Unterschrift, ohne Anzahlung. Wichtig ist die Abwandlung: Wer ein Angebot verändert annimmt, lehnt es nach § 150 Abs. 2 BGB ab und macht ein neues. Antwortest du also mit 130 Euro und Sonntag, liegt der Ball wieder beim Käufer. Genauso zählt Zeit: Ein Angebot unter Abwesenden gilt nur so lange, wie mit einer Antwort zu rechnen war. Wer sich nach vier Tagen meldet, macht rechtlich ein neues Angebot.
Weil erst deine Zusage bindet, lohnt sich ein Anzeigentext, der Preis und Abholbedingungen vorab klärt — [leg die Konditionen direkt beim Einstellen fest](/anzeige/neu?kategorie=allgemein&thema=konditionen). Anzeige aufgeben
Warum Schriftform trotzdem sinnvoll ist
Formfrei heißt beweisbedürftig. Ein mündlicher Vertrag am Gartentor ist genauso gültig wie ein unterschriebenes Papier, nur kann ihn hinterher niemand nachlesen. Deshalb ist der Chatverlauf im Privatverkauf das wichtigste Dokument überhaupt: Er enthält Angebot, Annahme, den Preis, die Versandart und meist auch deine Zustandsangaben. Sichere ihn, bevor du die Anzeige löschst — bei vielen Portalen verschwindet der Verlauf mit dem Inserat. Bei größeren Beträgen kommt ein kurzer Kaufvertrag dazu, der Gegenstand, Preis, Übergabedatum und den Gewährleistungsausschluss festhält. Ab welcher Summe sich das lohnt, entscheidest du selbst; ab dem Bereich, in dem eine Rückabwicklung wehtun würde, ist es die Viertelstunde wert. Schreib in den Chat außerdem, wer wann liefert oder abholt; Termine sind der zweithäufigste Streitpunkt nach dem Preis. Das beschreibt den gesetzlichen Regelfall und ersetzt keine Rechtsberatung.
Anzahlung, Reservierung und der Rückzieher
Eine Reservierung ohne Zusage ist eine Gefälligkeit. Wird der Vertrag dagegen geschlossen und einer springt ab, geht es um Erfüllung oder Schadensersatz — allerdings nur in Höhe des tatsächlichen Schadens, und der ist beim Alltagsverkauf oft null. Eine Anzahlung ist zulässig, sie ist eine Teilzahlung auf den Kaufpreis. Wer sie annimmt, sollte im Chat festhalten, wofür sie ist und was bei einer Absage passiert: Bei Rücktritt des Käufers behalte ich 20 Euro für den entgangenen Termin, bei meiner Absage bekommst du alles zurück. Ohne Absprache gilt das nicht automatisch. Für Käufer bleibt der wichtigste Grundsatz bestehen: keine Vorkasse an Unbekannte, deren Ware du nie gesehen hast — auch nicht als Anzahlung zur Reservierung.
Häufige Fragen
Ist ein Kaufvertrag per WhatsApp gültig?
Ja. Kaufverträge über bewegliche Sachen sind formfrei, ein Nachrichtenwechsel genügt. Entscheidend ist, dass Angebot und Annahme erkennbar sind: Ware, Preis, Einigkeit. Der Vorteil gegenüber dem mündlichen Wort ist der Beweis — schau deshalb, dass Preis und Termin im Text stehen und nicht nur im Telefonat.
Muss ich verkaufen, wenn jemand den Preis akzeptiert?
Erst wenn du zugesagt hast. Die Anzeige ist nur eine Einladung zum Angebot, die Zusage des Käufers allein bindet dich nicht. Sobald du aber ja sagst oder einen Termin bestätigst, steht der Vertrag. Danach ist ein Verkauf an einen Höherbietenden ein Vertragsbruch.
Was gilt bei einem falschen Preis in der Anzeige?
Solange nur die Anzeige läuft, kannst du sie korrigieren, denn ein Angebot liegt noch nicht vor. Hast du den Preis dagegen im Chat bestätigt, gilt er. Möglich bleibt dann nur die Anfechtung wegen Erklärungsirrtums, die unverzüglich erfolgen muss und Schadensersatz auslösen kann.
Ist eine Reservierung verbindlich?
Nur wenn ihr sie vereinbart habt. Ein bloßes Ich lege es dir zurück ist eine Gefälligkeit ohne Anspruch. Wer sich absichern will, vereinbart Termin, Preis und eine Frist ausdrücklich im Chat: Reserviert bis Freitag 18 Uhr, danach verkaufe ich weiter. Das ist eindeutig und für beide fair.