Einen Termin absagen, ohne Ärger
Absagen darfst du bis zur verbindlichen Einigung jederzeit und ohne Begründung — je früher, desto folgenloser. Schreib die Absage selbst, nenn den Grund in einem Halbsatz und sag, ob der Termin nachgeholt wird. Nur eine Variante kostet dich wirklich etwas: kommentarlos nicht auftauchen.
Früh absagen ist billig, spät absagen teuer
Zwischen einer Absage am Vorabend und einer Absage, wenn der andere schon im Auto sitzt, liegen Welten. Beim Vorabend verlierst du nichts außer dem Termin. Beim Nichterscheinen verlierst du eine halbe Stunde Zeit des anderen, seine Spritkosten und im Zweifel eine schlechte Bewertung. Deshalb gilt eine simple Faustregel: Sobald du weißt, dass es nicht klappt, schreibst du. Nicht, wenn du eine Lösung hast, sondern sofort. Das gilt in beide Richtungen und für beide Rollen. Wenn du als Käufer merkst, dass das Geld diesen Monat nicht reicht, sag es am Tag der Erkenntnis, nicht am Tag der Abholung. Verkäufer planen um dich herum — sie sagen anderen Interessenten ab, halten den Nachmittag frei, holen die Waschmaschine schon mal in den Flur.
Drei Sätze, die jede Absage tragen
Eine gute Absage hat drei Teile: die Absage selbst, einen knappen Grund, ein Angebot oder ein klares Ende. Für Käufer: „Ich muss den Termin morgen leider absagen, mir ist etwas dazwischengekommen. Wenn du willst, komme ich Donnerstag ab 17 Uhr — sonst gib die Sache gern frei.“ Für Verkäufer: „Die Kommode ist heute Vormittag weggegangen, deshalb wird aus unserem Termin nichts. Sorry für die Umstände, ich melde mich, falls sie doch zurückkommt.“ Was du weglässt: ausführliche Erklärungen, erfundene Notfälle, Rechtfertigung. Was du nicht weglässt: das Wort „sorry“ oder „tut mir leid“, wenn der andere schon Aufwand hatte. Zwei Wörter, die den Ton der ganzen Nachricht bestimmen. Und schick die Absage über denselben Kanal, über den ihr geschrieben habt — eine Absage per Anruf um 22 Uhr ist keine Rücksicht, sondern eine zweite Störung.
Geplatzte Termine kosten am wenigsten, wenn schon ein zweiter Interessent auf der Anzeige sitzt — halte sie deshalb aktiv, statt sie bei der ersten Zusage zu löschen. Anzeige aufgeben
Wann eine Absage doch Geld kosten kann
Der Regelfall ist folgenlos, der Ausnahmefall nicht. Wer beim anderen gezielt das Vertrauen auf einen sicheren Abschluss weckt und die Verhandlung dann ohne triftigen Grund abbricht, kann für vergebliche Aufwendungen haften — die Rechtsgrundlage sind §§ 311 Abs. 2, 241 Abs. 2 in Verbindung mit § 280 Abs. 1 BGB, im Alltag Verschulden bei Vertragsanbahnung genannt. Praktisch relevant wird das erst bei echten Kosten: Wenn du jemanden bittest, für die Abholung eines Sofas einen Transporter zu mieten, und zwei Stunden vorher grundlos absagst, stehen 60 Euro Mietkosten im Raum. Bei einer Fahrt mit dem eigenen Auto durch die Stadt passiert dagegen nichts. Und wenn du nur „ich verkaufe doch nicht“ sagst, bevor irgendetwas fest war, erst recht nicht. Das ist die übliche Rechtslage, kein Rat für deinen Fall.
Wenn der andere absagt
Die richtige Reaktion ist kurz und schließt die Tür nicht zu: „Kein Problem, danke für die Nachricht.“ Mehr braucht es nicht, auch wenn du dich ärgerst. Danach entscheidest du sofort, wie es weitergeht — Zweitinteressent anschreiben, Anzeige wieder aktiv setzen, Termin neu vergeben. Eine Absage ist ein Signal, kein Angriff. Anders liegt der Fall bei wiederholtem Nichterscheinen ohne Nachricht: Da darfst du blockieren und die Anfrage künftig ignorieren, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Und wenn dir jemand zum zweiten Mal am Übergabetag absagt, gilt der Termin nicht als offen, sondern als beendet. Wer den Zweitinteressenten in der Zwischenzeit vertröstet hat, ruft ihn jetzt an — dafür war der Kontakt ja da.
Häufige Fragen
Muss ich einen Grund für die Absage nennen?
Musst du nicht. Solange nichts verbindlich vereinbart war, reicht die Absage selbst. Ein Halbsatz zum Grund macht sie freundlicher und beugt Nachfragen vor, mehr ist er nicht. Erfinde lieber nichts — eine offensichtlich falsche Ausrede schadet mehr als ein knappes „Es passt zeitlich nicht mehr“.
Kann der Verkäufer Geld verlangen, wenn ich nicht komme?
Nur bei echten, nachweisbaren Kosten und einer vorher verbindlichen Zusage. Der Regelfall ohne Zusage kostet nichts. Hat der Verkäufer auf deine ausdrückliche Bitte hin einen Transporter gemietet oder eine Lieferung gebucht, kann er diese Kosten geltend machen. Für Wartezeit allein gibt es keine Entschädigung.
Wie sage ich kurzfristig ab, ohne die Sache zu verlieren?
Absage und Alternativtermin in derselben Nachricht. „Heute schaffe ich es nicht, morgen ab 18 Uhr sicher — hältst du sie so lange?“ Damit gibst du dem Verkäufer eine Entscheidung statt eines Problems. Ob er zusagt, bleibt seine Sache; verpflichtet ist er dazu nicht.
Was tun, wenn jemand einfach nicht auftaucht?
Fünfzehn Minuten warten, eine Nachricht schreiben, dann den Termin als beendet betrachten. Ruf danach den nächsten Interessenten an. Bei Wiederholung kannst du den Kontakt blockieren. Vereinbare beim nächsten Mal ein enges Zeitfenster statt eines ganzen Nachmittags — das trennt Ernsthafte von Unentschlossenen.