Uhr gebraucht kaufen
Frag beim Kauf einer gebrauchten Uhr nach drei Dingen: Referenznummer und Seriennummer am Gehäuse, letztem Service mit Datum, und ob Box und Papiere dabei sind. Lass dir die Nummern fotografieren. Sie sind der einzige Weg, Modell und Baujahr unabhängig vom Verkäufer zu prüfen.
Nummern zuerst, Glanz später
Bei Uhren steht die Modellreferenz meist zwischen den Bandanstößen oder auf dem Gehäuseboden, die Seriennummer an einer zweiten Stelle. Mit beiden Angaben lassen sich Modell, Zifferblattvariante und ungefährer Produktionszeitraum abgleichen. Bitte um Fotos, auf denen die Nummern lesbar sind, und um ein Bild des Zifferblatts ohne Blitz, damit Aufdrucke und Indizes erkennbar sind. Prüf dann die Kleinigkeiten: Sitzen die Leuchtpunkte gleichmäßig, ist die Schrift sauber gedruckt, laufen die Zeiger mittig über die Skala, passt die Datumsscheibe in die Lupe. Bei mechanischen Uhren fragst du zusätzlich nach dem Kaliber. Weiß der Verkäufer weder Referenz noch Kaliber und will trotzdem einen Sammlerpreis, kaufst du eine Behauptung. Bei günstigen Alltagsuhren ist das anders — dort entscheidet der Zustand, nicht die Herkunftsgeschichte.
Service, Gangwerte und was Reparaturen kosten
Eine mechanische Uhr braucht in Abständen eine Revision: reinigen, ölen, Dichtungen tauschen, regulieren. Das ist keine Formalität, sondern der Grund, warum eine günstige Uhr teuer werden kann — die Revision einer Automatikuhr liegt je nach Werk und Werkstatt oft im hohen zweistelligen bis dreistelligen Bereich, bei Manufakturkalibern deutlich darüber. Frag deshalb nach dem letzten Service mit Datum und Beleg. Frag zweitens nach der Gangabweichung in Sekunden pro Tag, gemessen über mehrere Tage. Eine Antwort mit Zahl zeigt, dass die Uhr getragen und beobachtet wurde. Und prüf bei der Übergabe, ob sich die Krone sauber ziehen und schrauben lässt, ob der Rotor ohne Schleifgeräusch dreht und ob sich das Datum schaltet. Diese drei Handgriffe dauern eine Minute.
Wenn du eine Uhr abgibst, gehören Referenz- und Seriennummer sowie der letzte Service direkt in die Anzeige. Anzeige aufgeben
Was „wasserdicht bis 30 Meter“ wirklich heißt
Die Angabe auf dem Gehäuseboden ist ein Prüfdruck aus dem Labor, keine Tauchtiefe. Eine Uhr mit 3 bar beziehungsweise 30 Metern verträgt Spritzwasser und Regen, aber weder Schwimmen noch Duschen. Erst ab höheren Werten beginnt der Bereich, in dem Schwimmen unkritisch ist, und Tauchen setzt entsprechende Konstruktion und verschraubte Krone voraus. Bei gebrauchten Uhren kommt hinzu: Dichtungen altern. Eine zwanzig Jahre alte Uhr ist unabhängig vom Aufdruck so wasserdicht wie ihre letzte Dichtungsprüfung — und die liegt meist ebenfalls zwanzig Jahre zurück. Behandle jede gebrauchte Uhr ohne frische Druckprüfung als nicht wasserdicht, bis eine Werkstatt etwas anderes sagt. Wer sie beim Händewaschen trägt und danach Beschlag unter dem Glas findet, hat die teuerste Variante dieser Lektion gewählt.
Zusagen im Anzeigentext sind bindend
Wenn in der Anzeige „Original“, „ungetragen“ oder „mit Originalpapieren“ steht, ist das keine Werbung, sondern eine Beschaffenheitsangabe. Nach § 434 BGB ist eine Sache mangelhaft, wenn sie nicht der vereinbarten Beschaffenheit entspricht — und der übliche Gewährleistungsausschluss im Privatverkauf ändert daran nichts, weil er sich auf unbekannte Mängel bezieht, nicht auf gebrochene Zusagen. Sichere deshalb Anzeigentext und Chat als Screenshot, bevor die Anzeige gelöscht wird. Aus der Verkäuferseite betrachtet heißt derselbe Satz: Schreib nur, was du belegen kannst. „Herkunft unbekannt, Werk läuft, kein Service bekannt“ ist eine saubere Beschreibung. „Läuft einwandfrei“ über eine Uhr, die du zwei Tage besitzt, ist eine Zusage, die du nicht halten kannst. Das ist die übliche Rechtslage und keine Beratung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine gefälschte Uhr?
An Details des Zifferblatts und am Werk. Ungleichmäßige Leuchtpunkte, unsauber gedruckte Schrift, eine Datumsscheibe, die die Lupe nicht füllt, und ein Sekundenzeiger, der ruckelt, wo er gleiten sollte. Lass dir Referenz- und Seriennummer fotografieren und gleiche Modell und Baujahr ab.
Wie oft muss eine Automatikuhr zum Service?
Das hängt vom Werk und vom Hersteller ab; übliche Empfehlungen liegen im Bereich mehrerer Jahre. Entscheidend ist nicht das Intervall, sondern der Beleg: Frag nach dem letzten Service mit Datum und Rechnung. Ohne Nachweis kalkulierst du die nächste Revision als Teil des Kaufpreises ein.
Sind Box und Papiere den Aufpreis wert?
Bei gefragten Modellen ja, bei Alltagsuhren kaum. Papiere erleichtern den Weiterverkauf und geben Hinweise auf Kaufdatum und Händler. Prüf aber, ob die Nummer auf der Karte zur Uhr passt — ein Set aus fremder Box und passender Uhr ist ohne diese Übereinstimmung nur Zubehör.
Darf ich eine gebrauchte Uhr beim Schwimmen tragen?
Nicht ohne frische Dichtungsprüfung. Die Angabe auf dem Boden ist ein Laborwert für den Neuzustand, und Dichtungen altern über die Jahre. Lass in einer Werkstatt eine Druckprüfung machen, bevor die Uhr Wasser sieht — das ist deutlich günstiger als die Trocknung eines gefluteten Werks.