Objektiv gebraucht kaufen
Ein gebrauchtes Objektiv prüfst du mit einer Taschenlampe: durchleuchten, gegen einen dunklen Hintergrund halten, drehen. Was du suchst, sind Pilzfäden, Trübung, Öl auf den Blendenlamellen und Schleifgeräusche im Fokusring. Staub in der Linse ist dagegen normal und wirkt sich auf das Bild praktisch nicht aus.
Pilz sieht aus wie ein Spinnennetz und breitet sich aus
Pilzbefall entsteht in feuchter, dunkler Lagerung — Schrank, Keller, geschlossene Fototasche. Er zeigt sich als feines, verzweigtes Geflecht auf einer inneren Linsenfläche und wächst weiter, solange die Bedingungen bleiben. Sichtbar wird er nur mit einer starken Lampe schräg durch das Glas, vor dunklem Hintergrund und bei geöffneter Blende. Auf Verkaufsfotos erkennt man ihn nie. Frag deshalb ausdrücklich danach und bitte um genau dieses Foto: Lampe seitlich, dunkler Grund. Wichtig für die Einordnung: Frühes Geflecht kostet kaum Bildqualität, aber es verschwindet nicht von selbst, und es kann die Vergütung dauerhaft angreifen, wenn es länger bleibt. Ein befallenes Objektiv gehört nicht neben deine anderen in dieselbe Tasche. Ein reinigender Service ist möglich, kostet aber bei günstigen Objektiven mehr als der Wiederbeschaffungspreis.
Blende und Fokus prüfst du mit den Fingern
Stell die kleinste Blende ein und betätige den Blendenhebel am Bajonett oder löse an einer Kamera aus. Die Lamellen müssen schlagartig schließen und öffnen. Bleiben sie träge oder glänzen sie feucht, ist Öl aus dem Fokusgetriebe darauf gewandert — ein bekannter Fehler bei älteren Objektiven, der eine Zerlegung erfordert. Dreh danach den Fokusring über den ganzen Weg. Er darf gleichmäßig laufen, ohne Schleifen und ohne Stellen, an denen er hakt. Bei Zoomobjektiven ziehst du zusätzlich den Zoomring durch: Wandert der Tubus unter seinem eigenen Gewicht nach unten, ist die Mechanik ausgeleiert. Prüf zuletzt das Bajonett auf Spiel und die Kontakte auf Kratzer. Ein Objektiv, das sich an der Kamera bewegen lässt, überträgt Erschütterungen und verliert die exakte Auflagefläche.
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Staub, Kratzer, Vergütung: was wirklich zählt
Staub zwischen den Linsen ist bei gebrauchten Objektiven die Regel und im Bild nicht sichtbar. Kratzer auf der Frontlinse sind ebenfalls harmloser, als die meisten denken — kleine Schrammen fallen im Bild kaum auf, während ein flächiger Wischschaden im Gegenlicht Streulicht erzeugt. Ernst wird es bei Trennungserscheinungen: Verkittete Linsengruppen lösen sich mit den Jahren, sichtbar als schillernder Rand oder als Blase in der Glasmitte. Das lässt sich nicht ohne Weiteres reparieren. Frag außerdem nach Filtergewinde, Deckeln, Gegenlichtblende und Tasche; die Gegenlichtblende ist bei manchen Herstellern erstaunlich teuer. Und lass dir den Bildwinkel bestätigen: Ein Objektiv für Kleinbild an einer Kamera mit kleinerem Sensor liefert einen engeren Ausschnitt, umgekehrt passt manches gar nicht. Zum Preis hilft dir unsere Seite <a href="/wert/objektiv">Was ein gebrauchtes Objektiv wert ist</a>.
Wenn dir jemand einen Pilz verschweigt
Ein Verkäufer, der von einem Pilzbefall weiß und ihn auf Nachfrage bestreitet, täuscht dich arglistig. Bei arglistiger Täuschung kannst du den Kaufvertrag nach § 123 BGB anfechten; die Anfechtung muss nach § 124 BGB binnen eines Jahres ab Entdeckung der Täuschung erklärt werden. Ein pauschaler Gewährleistungsausschluss hilft dem Verkäufer dann nicht. Der praktische Haken ist der Nachweis, dass er es wusste. Deshalb ist eine schriftliche Frage im Chat vor dem Kauf mehr wert als jede Diskussion danach: „Ist im Inneren Pilzbefall zu sehen, wenn du mit einer Lampe durchleuchtest?“ Die Antwort steht dann fest. Bei einem Versand ohne Besichtigung ist die schriftliche Zusage im Chat ohnehin dein einziger Anhaltspunkt, deshalb sollte sie konkret sein und nicht aus einem Adjektiv bestehen. Das ist die übliche Rechtslage und keine Rechtsberatung für den Einzelfall.
Häufige Fragen
Ist Staub im Objektiv schlimm?
Nein. Fast jedes gebrauchte Objektiv hat Staub zwischen den Linsen, und im Bild ist er nicht zu sehen. Relevant sind Pilzgeflecht, Trübung, Öl auf den Blendenlamellen und gelöste Kittstellen. Wer Staub als großen Mangel verhandelt, verliert Glaubwürdigkeit für die Punkte, die wirklich zählen.
Wie prüfe ich ein Objektiv, wenn ich keine Kamera dabeihabe?
Mit einer Taschenlampe und den Fingern kommst du weit: durchleuchten gegen dunklen Grund, Blendenhebel betätigen, Fokus- und Zoomring durchdrehen, Bajonett auf Spiel prüfen. Für Autofokus und Bildstabilisator brauchst du ein Gehäuse. Nimm deshalb möglichst deine eigene Kamera mit, sonst bleibt ein Teil ungeprüft.
Kann Pilzbefall auf andere Objektive übergehen?
Sporen sind praktisch überall, und feuchte, dunkle Lagerung in einer gemeinsamen Tasche begünstigt Wachstum. Lager ein befallenes Objektiv also getrennt und trocken, am besten mit Trockenmittel und gelegentlichem Licht. Wenn du das nicht sicherstellen kannst, lass das Angebot lieber liegen, egal wie günstig es ist.
Lohnt sich eine Reinigung beim Service?
Bei hochwertigen Objektiven oft ja, bei günstigen Zooms fast nie, weil die Arbeitszeit den Wiederbeschaffungswert übersteigt. Hol vor dem Kauf einen groben Kostenrahmen ein und zieh ihn vom Angebot ab. Rechne zusätzlich damit, dass Schäden an der Vergütung durch eine Reinigung nicht verschwinden.