Motorrad gebraucht kaufen
Beim gebrauchten Motorrad entscheiden drei Dinge: Standzeit, Sturzschäden und der Zustand der Verschleißteile. Lass die Maschine kalt an, bock sie auf und dreh das Vorderrad, sieh dir Kette, Reifen und Gabel an. Und lies den letzten Untersuchungsbericht, bevor ihr über den Preis redet.
Standzeit kostet mehr als Kilometer
Ein Motorrad mit 40.000 Kilometern, das jedes Jahr bewegt und gewartet wurde, ist meist die bessere Wahl als eine Maschine mit 9.000 Kilometern, die sieben Winter in einer feuchten Garage stand. Beim Stehen passiert Folgendes: Kraftstoff im Vergaser verharzt und setzt die Düsen zu, Bremsflüssigkeit zieht Wasser und muss ohnehin regelmäßig gewechselt werden, die Bremskolben setzen sich fest, Reifen bekommen Standplatten und altern, die Batterie tiefentlädt, und in Stahltanks bildet sich Rost, der später die Benzinpumpe frisst. Frag deshalb konkret: Wo stand sie im Winter, war der Tank voll oder leer, hing die Batterie am Ladegerät, wann wurde die Bremsflüssigkeit zuletzt gewechselt. Wer auf alle vier Fragen eine Antwort ohne Zögern hat, hat die Maschine gepflegt. Wer bei der ersten anfängt zu erzählen, kalkuliert dir gerade die Instandsetzung in den Preis hinein.
Sturzschäden erkennst du an fünf Stellen
Sieh zuerst auf die Enden: Lenkerendgewichte, Hebelspitzen, Fußrasten, Sturzpads, Spiegelgehäuse. Wenn eines dieser Teile blank neu ist, während der Rest der Maschine gleichmäßig verwittert, lag sie. Das ist kein Ausschlussgrund — die meisten Stürze sind Parkplatzstürze — aber ein Gesprächsanfang. Zweitens die Verkleidungsschrauben: ausgenudelte Köpfe heißen, dass jemand mehrfach demontiert hat. Drittens die Gabel: Kratzer auf den Standrohren zerstören die Simmerringe, Ölspuren am Übergang sieht man als dunklen Rand. Viertens das Lenkkopflager: Maschine aufbocken, Vorderrad frei, Lenker ganz langsam von Anschlag zu Anschlag bewegen — rastet er in der Mittelstellung ein, ist das Lager eingelaufen. Fünftens die Flucht: Stell dich hinter das Motorrad und sieh, ob Vorder- und Hinterrad in einer Linie stehen. Ein verzogener Rahmen ist der einzige Schaden, bei dem du sofort gehst.
Verkaufst du selbst, gehören Sturzhistorie und Wartungsstand in die ersten Zeilen — eine ehrliche Beschreibung spart dir die Besichtigungen, die im Streit enden. Anzeige aufgeben
Papiere, Nummern und die Hauptuntersuchung
Für Krafträder ist die Hauptuntersuchung alle zwei Jahre fällig. Lass dir den letzten Bericht zeigen — dort stehen auch die geringen Mängel, die damals nur notiert wurden und heute Geld kosten. Vergleich die Fahrzeug-Identifizierungsnummer am Steuerkopf mit der Nummer in der Zulassungsbescheinigung Teil II, Zeichen für Zeichen. Bei Umbauten wird es interessant: Für einen anderen Auspuff, ein anderes Fahrwerk oder einen anderen Lenker brauchst du die zugehörige Betriebserlaubnis oder ein Teilegutachten mit Eintragung. Fehlen die Papiere, ist die Betriebserlaubnis erloschen — die Maschine fällt bei der nächsten Untersuchung durch, und die Rückrüstung zahlst du. Frag deshalb bei jedem sichtbaren Zubehörteil nach dem Papier dazu und lass dir die Originalteile mitgeben, wenn es sie noch gibt. Sie sind beim Weiterverkauf mehr wert als das Zubehör.
Was im Preis nicht enthalten ist
Rechne vor der Verhandlung eine Liste: Reifensatz mit Montage, Kette mit beiden Kettenrädern, Bremsflüssigkeit vorn und hinten, Gabelöl, Zündkerzen, Luftfilter, Ölwechsel. Bei manchen Motoren kommt das Ventilspiel dazu, und das ist die Position, die aus einer Inspektion eine dreistellige Arbeitszeit macht. Prüf die Kette an der Stelle, wo sie am straffsten sitzt: Wenn du sie hinten am Kettenrad einen halben Zahn abheben kannst, ist der Satz fällig. Miss die Profiltiefe an drei Stellen und lies das Alter aus der DOT-Nummer auf der Flanke; Motorradreifen sind oft lange vor dem Profil am Ende, weil das Gummi hart wird. Diese Liste ist keine Verhandlungstaktik, sondern der reale Betrag, den du in den ersten Wochen ausgibst. Wer sie mitbringt, diskutiert über Zahlen statt über Gefühle.
Häufige Fragen
Wie viele Kilometer sind bei einem gebrauchten Motorrad zu viel?
Die Zahl allein sagt wenig. Eine gewartete Reisemaschine mit 60.000 Kilometern hat oft mehr Substanz als eine Supersportlerin mit 12.000, die nur im Sommer kurz bewegt wurde. Sieh auf Wartungsnachweise, Standzeiten und den Zustand von Kette, Bremsen und Gabel — die erzählen die Geschichte genauer als der Tacho.
Woran erkenne ich, ob ein Motorrad gestürzt ist?
An neuen Teilen an alten Stellen: frische Hebel, frische Fußraste, ein Spiegel ohne Verwitterung. Dazu Schleifspuren an Lenkerenden und Auspuffkrümmer, ausgenudelte Verkleidungsschrauben und Kratzer auf den Gabelstandrohren. Ein Parkplatzsturz ist verhandelbar, ein Schaden am Rahmen oder am Lenkkopf nicht. Prüf zusätzlich, ob Vorder- und Hinterrad in einer Linie stehen.
Was ist wichtiger, Profiltiefe oder Reifenalter?
Beim Motorrad das Alter. Die vierstellige DOT-Nummer auf der Flanke nennt Woche und Jahr der Produktion. Hartes, altes Gummi baut auch mit gutem Profil kaum noch Grip auf, besonders bei Nässe und in den ersten Kurven. Rechne einen Reifensatz einfach ein, wenn die Nummer älter als ein paar Jahre ist.
Soll ich vor dem Kauf zu einer Werkstatt fahren?
Wenn der Verkäufer mitkommt, ja. Eine Markenwerkstatt sieht Rahmen, Lenkkopf, Gabel und Bremsen in einer halben Stunde und liest bei neueren Maschinen den Fehlerspeicher aus. Der Termin kostet weniger als ein Satz Bremsscheiben und ist die einzige Prüfung, die der Verkäufer nicht kommentieren kann.