Behalten oder weg: die Entscheidungsfrage
Die brauchbarste Frage ist nicht „Mag ich das noch?“, sondern „Würde ich es heute zum aktuellen Preis wieder kaufen?“. Wer zögert, hat schon geantwortet. Dahinter kommen drei weitere Prüfungen: Wie schnell wäre Ersatz da, was kostet die Lagerung an Platz, und hängt an dem Ding eine Erinnerung oder nur ihr Behälter.
Die Wiederkauf-Frage schlägt jedes Bauchgefühl
Stell dir vor, das Teil steht im Laden, du hast es noch nie besessen, und der Preis ist der heutige Gebrauchtpreis. Greifst du zu? Bei einem gut erhaltenen Werkzeugkoffer lautet die Antwort meistens ja. Bei der Eismaschine, die zweimal lief, fast nie. Der Grund, warum das funktioniert: Die Frage schaltet den Besitztumseffekt aus. Menschen bewerten Dinge, die ihnen gehören, systematisch höher als dieselben Dinge im Regal eines anderen — deshalb erscheinen dir 40 Euro für dein Fahrrad zu wenig, während du für ein fremdes Rad im gleichen Zustand keine 60 zahlen würdest. Schreib bei jedem Zweifelsfall den Preis auf, den du selbst zahlen würdest. Diese Zahl ist später dein Startpreis in der Anzeige, und sie ist realistischer als jede Schätzung, die du dir schönredest, während das Ding noch bei dir steht.
Rechne mit Wiederbeschaffung, nicht mit Anschaffung
„Das hat mal 300 Euro gekostet“ ist kein Argument, sondern ein Grund, warum Keller voll sind. Entscheidend ist die Gegenrichtung: Wenn du das Teil in zwei Jahren doch brauchst, was kostet es dann, es wieder zu bekommen, und wie lange dauert das? Ein Standard-Bohrhammer ist am selben Tag für kleines Geld leihbar, ein Ersatzteil für eine 20 Jahre alte Küchenmaschine dagegen nicht. Genau diese Unterscheidung trennt Ballast von echter Reserve. Praktisch heißt das: Massenware mit funktionierendem Gebrauchtmarkt darf gehen, Dinge mit dünnem Markt und langer Beschaffungszeit bleiben eher. Ein zweiter Punkt kommt dazu, den fast alle unterschätzen: Lagerplatz ist nicht kostenlos. Ein Kellerabteil, das du für zehn Kisten mietest, kostet im Jahr oft mehr, als der Inhalt bei ehrlicher Bewertung wert ist.
Den Preis, den du selbst zahlen würdest, kannst du direkt übernehmen — [trag ihn in eine Anzeige ein](/anzeige/neu?kategorie=haushalt&thema=preisfindung) und schau, ob der Markt dir zustimmt. Anzeige aufgeben
Erinnerungen hängen selten am Gegenstand
Die schwierigsten Stücke sind die, bei denen es nicht um Nutzen geht: das Kleid der Großmutter, die Postkartensammlung, das Modellauto vom Vater. Hier hilft keine Nutzungsfrage, sondern eine Trennung. Ist der Gegenstand die Erinnerung, oder ist er nur ihr Träger? Von einem Träger reicht ein gutes Foto und eine Zeile dazu, wer ihn wann benutzt hat. Behalte die drei Stücke, die wirklich für eine Person stehen, und lass die anderen dreißig gehen — Erinnerung wird nicht dichter, wenn sie sich auf mehr Kisten verteilt. Für den Verkauf gilt hier eine eigene Regel: Verkauf keine Erbstücke in der ersten Woche nach einem Todesfall. Was in dieser Zeit weggeht, wird am häufigsten bereut. Setz die Kiste beiseite, mach sie in einem halben Jahr wieder auf, dann entscheidest du klarer.
Verkaufen, spenden oder entsorgen — die Reihenfolge
Prüfe in dieser Folge: Bringt es Geld, bringt es jemandem etwas, ist es Abfall. Verkauf lohnt bei allem, was einen erkennbaren Marktpreis hat und ohne Reparatur funktioniert. Spenden lohnt bei brauchbaren Dingen ohne Marktwert — Geschirr, Bettwäsche, einfache Möbel. Sozialkaufhäuser holen größere Stücke oft selbst ab, das spart dir den Transport. Wer an eine gemeinnützige Organisation spendet, kann den Wert steuerlich geltend machen; für Beträge bis 300 Euro genügt dabei der vereinfachte Zuwendungsnachweis, also der Kontoauszug oder eine Bestätigung der Einrichtung. Bei Sachspenden ist der gemeine Wert anzusetzen, also das, was das Teil gebraucht noch wert ist. Erst wenn beides ausscheidet, geht es zum Wertstoffhof. Das ist eine Beschreibung der üblichen Rechtslage, keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Woran merke ich, dass ich zu viel behalte?
An zwei Zeichen: Du weißt nicht auswendig, was in einer Kiste liegt, und du hast Dinge doppelt gekauft, weil du sie nicht gefunden hast. Beides heißt, dass die Menge größer ist als dein Überblick. Alles, was du nicht benennen kannst, ohne nachzusehen, ist praktisch schon nicht mehr in deinem Besitz.
Was mache ich mit Geschenken, die ich nie mochte?
Weitergeben. Ein Geschenk ist mit der Übergabe deins, du schuldest niemandem den Aufbewahrungsort. Wenn der Schenker im Haus ein- und ausgeht, verkauf es nicht in der Nachbarschaft, sondern per Versand. Das erspart beiden Seiten ein Gespräch, das niemandem nützt, und die Vase steht trotzdem nicht mehr im Regal.
Soll ich kaputte Sachen aufheben, um sie zu reparieren?
Nur mit Termin. Trag den Reparaturtag in den Kalender ein und leg Ersatzteil und Werkzeug bereit. Steht das Gerät in vier Wochen unverändert da, wirst du es nicht reparieren. Dann geht es als defekt in die Anzeige, ehrlich beschrieben, oder zum Wertstoffhof. Bastler zahlen für ehrlich beschriebene Defektgeräte erstaunlich zuverlässig.
Wie entscheide ich bei Kleidung, die noch passen soll?
Setz eine Frist statt einer Hoffnung. Kleidung in einer anderen Größe kommt in eine Kiste mit Datum in zwölf Monaten. Passt sie dann, hängst du sie zurück. Passt sie nicht, geht sie weg, ohne neue Diskussion. Der Schrank ist kein Lager für zukünftige Versionen von dir, sondern für die aktuelle.