Die Sicher-bezahlen-Falle
Die Sicher-bezahlen-Falle ist ein Link, der aussieht wie die Bezahlfunktion des Portals, aber auf eine nachgebaute Seite führt. Dort sollst du Kartennummer und Prüfnummer eingeben, angeblich um Geld zu empfangen. Für einen Geldeingang braucht es beides nie. Wer danach fragt, bereitet eine Abbuchung vor, keine Auszahlung.
Der Link kommt aus dem Chat, nie aus der App
Die Bezahlfunktion eines Portals liegt im Portal. Sie ist ein Knopf in der Anzeige oder im Nachrichtenfenster, kein Link, den dir jemand schickt. Sobald eine Zahlung über eine Adresse laufen soll, die du selbst nie gefunden hättest, ist die Frage nicht mehr, ob die Seite echt aussieht — sie sieht immer echt aus. Kopiert werden Logo, Schriftart, Farben, oft der komplette Quelltext. Der Ablauf ist fast immer derselbe: Der Käufer sagt, er habe bereits bezahlt, das Geld liege bereit, du müssest die Auszahlung nur bestätigen. Dann kommt der Link, manchmal als Bild, damit du ihn abtippst und die Vorschau des Chats nichts verrät. Der Nachbau einer Bezahlseite ist dabei kein Graubereich: Wer auf diesem Weg Daten abgreift, erfüllt § 269 StGB, Fälschung beweiserheblicher Daten, mit einem Strafrahmen bis fünf Jahre — der Versuch eingeschlossen.
Eine Adresse liest man von rechts nach links
Die entscheidende Stelle einer Webadresse steht nicht am Anfang, sondern unmittelbar vor dem ersten Schrägstrich. Bei sicher-bezahlen.zahlung-portal.de heißt die Domain zahlung-portal.de und gehört dem, der sie registriert hat. Alles links davon kann sich jeder ausdenken, auch den Namen eines bekannten Portals. Das Schloss-Symbol hilft an dieser Stelle nicht weiter: Ein Zertifikat kostet nichts und bestätigt nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist, nicht wer am anderen Ende sitzt. Das zweite Merkmal ist das Formular selbst. Frag dich bei jedem Feld, wofür die Angabe technisch gebraucht wird. Für einen Geldeingang genügt eine Kontonummer oder eine Mailadresse. Kartennummer, Ablaufdatum, Prüfnummer und PIN sind Angaben, mit denen Geld abgebucht wird. Verlangt ein Formular sie für eine Gutschrift, beschreibt es die Gegenrichtung.
Wer in der Anzeige schon schreibt, wie bezahlt wird, spart sich diese Diskussion — beim Einstellen einer Anzeige mit fester Zahlungsangabe steht das gleich im Text. Anzeige aufgeben
Was ein echter Geldeingang von dir braucht
Für eine Überweisung braucht der Käufer deine IBAN, sonst nichts. Für eine PayPal-Zahlung deine Mailadresse. Für die integrierte Bezahlfunktion eines Portals einmalig eine Bankverbindung, die du selbst im eingeloggten Bereich hinterlegst, nicht über einen Link aus einer Nachricht. Kein Auszahlungsvorgang verlangt die dreistellige Prüfnummer von der Rückseite deiner Karte, und keiner verlangt einen Code, den dir deine Bank per SMS geschickt hat. Genau daran verrät sich die Masche zuverlässig: Sie funktioniert nur, wenn du für den Empfang etwas eingibst, das für den Versand gedacht ist. Wer erklärt, das sei zur Verifizierung nötig, beschreibt einen Vorgang, den es nicht gibt. Im Zweifel hilft ein Blick in dein eingeloggtes Konto. Steht dort keine offene Zahlung, gibt es keine.
Du hast die Daten eingegeben — die nächsten zwanzig Minuten
Zuerst die Karte sperren: bei deiner Bank, und wenn die nicht erreichbar ist, über den Sperr-Notruf 116 116, der rund um die Uhr besetzt ist. Danach das Konto auf Abbuchungen prüfen und jeder widersprechen, die du nicht ausgelöst hast; für nicht autorisierte Zahlungen sieht § 675u BGB eine Erstattung durch die Bank vor. Dann das Passwort des Portalkontos ändern und, wenn möglich, die Zwei-Faktor-Anmeldung aktivieren. Screenshots von Chat, Link und Fake-Seite machst du, bevor Inserat und Käuferkonto verschwinden — das passiert oft innerhalb weniger Stunden. Zum Schluss die Anzeige bei der Polizei, online über die Internetwache deines Bundeslandes oder auf der Wache. Das beschreibt die übliche Rechtslage und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Ist der Link echt, wenn oben das Schloss steht?
Nein. Das Schloss sagt nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Zertifikate gibt es kostenlos und in Minuten, auch für frisch registrierte Betrugsdomains. Aussagekräftig ist allein der Domainname direkt vor dem ersten Schrägstrich. Steht dort etwas anderes als die Adresse, die du selbst eintippen würdest, ist die Seite nicht die des Portals.
Was passiert, wenn ich nur die Kartennummer eingegeben habe?
Kartennummer und Ablaufdatum allein reichen bei manchen Händlern schon für eine Belastung. Sperre die Karte trotzdem sofort und beobachte das Konto zwei bis drei Wochen lang, auch auf Testbeträge unter einem Euro. Solche Minibeträge prüfen nur, ob die Karte lebt — die größere Abbuchung folgt später.
Kann ich das Geld zurückholen?
Bei Kartenzahlungen ist eine Rückbelastung über die Bank möglich, wenn du die Zahlung nicht autorisiert hast. Melde dich sofort, schriftlich und mit Datum. Hast du eine Freigabe in der Banking-App bestätigt, wird es schwieriger, weil die Bank dann von deiner Zustimmung ausgeht. Aussichtslos ist es deswegen nicht.
Warum will der Käufer nicht einfach überweisen?
Weil er nicht zahlen will. Jede Begründung für einen Umweg — Käuferschutz, Firmenkonto, Auslandsaufenthalt, Zahlungsdienst mit Freischaltung — ersetzt den einfachsten Weg durch einen, den er kontrolliert. Eine Überweisung an deine IBAN funktioniert aus jedem Land der SEPA-Zone und kostet ihn nichts.