Gebrauchsspuren
Gebrauchsspuren sind die sichtbaren Folgen normaler Benutzung — Kratzer, matte Stellen, abgeriebene Kanten —, also kein Defekt, aber auch nichts, was du in der Anzeige weglassen solltest.
Was Käufer lesen, wenn da „leichte Gebrauchsspuren“ steht
„Sideboard Eiche, 180 cm, leichte Gebrauchsspuren“ — dieser Satz steht tausendfach da und sagt fast nichts. Der eine denkt an einen Kratzer, der andere an abgestoßene Kanten und Wasserränder. Wer das Möbel dann sieht, fühlt sich getäuscht, obwohl du nicht gelogen hast. Besser ist eine Zeile, die zählt und misst: „Auf der Deckplatte zwei Kratzer von etwa fünf Zentimetern, die rechte vordere Kante ist auf Handbreite abgestoßen, Innenseiten sauber.“ Dazu ein Foto genau dieser Stellen, nicht nur die Totale aus drei Metern Entfernung. Käufer, die die Macken vorher kennen, handeln seltener nach — sie haben den Preis bereits im Kopf gemacht.
Der Irrtum: Gebrauchsspuren decken keinen Defekt ab
Gebrauchsspuren beschreiben die Oberfläche, nicht die Funktion. Wenn die Schublade klemmt, der Akku nach zwanzig Minuten leer ist oder das linke Rad eiert, ist das kein Verschleiß im Sinne der Formulierung, sondern ein Mangel, den du nennen musst. Der Unterschied wird wichtig, sobald sich der Käufer später meldet: Was er beim Kauf kannte, kann er nicht mehr reklamieren. Was du verschwiegen hast, nimmt dir auch ein Gewährleistungsausschluss nicht ab. Die Aufzählung der Macken ist deshalb keine Schwäche deiner Anzeige, sondern ihr Schutz. Beschrieben ist hier die allgemeine Rechtslage, nicht dein konkreter Verkaufsfall.
Häufige Fragen
Was heißt „leichte Gebrauchsspuren“ genau?
Nichts Festes. Der Begriff ist nirgends definiert, und jeder legt ihn anders aus — für Verkäufer klingt er meist harmloser als für Käufer. Nenn deshalb Anzahl, Größe und Ort der Stellen und zeig sie auf einem eigenen Foto. Damit erledigt sich die Nachfrage, bevor sie überhaupt gestellt wird.
Muss wirklich jeder Kratzer in die Anzeige?
Jeden nicht, aber jeden, den ein Käufer beim Besichtigen bemerken würde oder der den Preis beeinflusst. Alles, was auf einem normalen Foto sichtbar wäre, gehört in die Beschreibung. Defekte und Funktionseinschränkungen nennst du ohnehin, unabhängig davon, wie klein sie dir selbst vorkommen.